Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Gesellschaft
Startseite Alle NachrichtenGesellschaft
Zwischenruf von Siegrid Herrmann-Marschall
 

Zwischenruf von Siegrid Herrmann-Marschall

0

Falsche Pfade in der Jugendarbeit

Foto: privat
Foto: privat
„Erst vor der Notwendigkeit, einer Radikalisierung der Jugend vorzubeugen, wurden Gelder zur Verfügung gestellt“, prangert Siegrid Herrmann-Marschall in ihrem Zwischenruf an.
Miteinander leben lernen – wann wäre die beste Zeit, das zu erlernen als in der Jugend? Die Erwachsenen sprechen von Integration. Für die Jugendlichen sind es Begegnungen miteinander, in der Schule, in der Freizeit, in Freundschaften. Lange wurde in der Jugendarbeit gespart. Der Bedarf ist da. Die Jugend in der Region hat oft einen Migrationshintergrund, manchmal sind Wohnsituation und familiäre Lage prekär. Doch erst vor der Notwendigkeit, einer islamistischen Radikalisierung eben dieser Jugend vorzubeugen, wurden wieder mehr öffentliche Gelder zur Verfügung gestellt. Die Furcht, ein Teil einer Generation könne entgleiten, öffnete die Börse.

„Die Islamisten sind die besseren Jugendarbeiter“ meint Ahmad Mansour in seinem Buch „Generation Allah“. Er meinte damit unter anderem die Koranverteilungsaktion „LIES“, die auch auf der Zeil Jugendliche anlockt. Einfach, weil sie dort sind, wo die Jugendlichen sind, seit viereinhalb Jahren. Eine Gegenhaltung der Moscheevereine ist nicht öffentlich zu sehen. Gleichzeitig sind hessenweit über 130 Personen ausgereist, um in Syrien zu kämpfen. Ein Teil fand seinen Weg über LIES.

Gerufen wird aktuell vor allem nach Angeboten für muslimische Jugendliche. Vier von fünf Jugendlichen, die uns derart entgleiten, stammen aus muslimischen Familien. Es werden mehrheitlich also muslimische Familien zerstört. Was liegt näher, als Angebote für diesen Kreis zu gestalten? Leider ist das ein Irrweg. Man muss die Jugendlichen zwar dort abholen, wo sie sind: in der Schule, auf der Straße und ja, auch in der Moschee. Die Jugendarbeit in den Moscheen jedoch stattfinden zu lassen, stellte staatliche Jugendarbeit unter religiöse Regeln. Geschlechtertrennung, offensive Religiosität, Gruppengebet sind dort schwerlich anzumahnen. Auch Radikalisierung wurde dort manchmal nicht bemerkt und nicht unterbunden.

Angebote nur für muslimische Jugendliche vermindern zudem die Außenkontakte, weil die Jugendlichen dann auch in der Freizeit unter sich bleiben. Diese Absonderung sollte ja gerade aufgebrochen werden durch Begegnungen. Dies schafft man nur, wenn in der Freizeit so attraktive Angebote gemacht werden, dass die Jugendlichen sie wahrnehmen. Alle gemeinsam. Gesonderte Jugendarbeit heißt auch, dass säkulare Jugendliche aus muslimischer Herkunftskultur, die nicht religiös sind, sich entscheiden müssen. Ist die Einordnung erst einmal da, wird sie benutzt: „Du bist doch auch Muslim, warum gehst du dorthin?“. Das ist beim Religionsunterricht so, auch beim Essen. Das wird bei der Jugendarbeit nicht anders sein. Das Gemeinschaftsgefühl, das in Moscheen oft gelehrt wird, ist jedoch auf die religiöse Gemeinschaft gerichtet, nicht auf die Mehrheitsgesellschaft. Man schafft über diese Identität Abgrenzung. Das kann nicht das Ziel sein.

Siegrid Herrmann-Marschall, Jahrgang 1964, ist unabhängige Sekten- und Islamismus-Expertin, SPD-Mitglied in Offenbach und Bloggerin.
 
29. Juni 2016, 12.49 Uhr
Siegrid Herrmann-Marschall
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Gesellschaft
 
 
Mehrere Schulverbände werfen in einer sogenannten „Frankfurter Erklärung“ Kultusminister Alexander Lorz vor, unzureichend auf das Pandemiegeschehen zu reagieren. Kritik kommt auch seitens der Schülerschaft, die mit einem Schulstreik droht. – Weiterlesen >>
Text: sie / Foto: Pexels
 
 
Mit der neuen „Besonderen Aufbauorganisation (BAO) FOKUS“ verstärkt die hessische Polizei den Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornographie. Das hessische Innenministerium hat am Mittwoch über erste Erfolge berichtet. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: Pexels
 
 
Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
0
Ein komplexes Problem mit gigantischer Dunkelziffer
Am heutigen Mittwoch findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Gerade während der Corona-Pandemie könnte sich die Situation für Betroffene zuspitzen, verlässliche Zahlen gibt es aber noch nicht. Auch eine spätere Anzeigenwelle ist denkbar. – Weiterlesen >>
Text: Johanna Wendel / Foto: Unsplash
 
 
 
Corona-Kontaktbeschränkungen
0
Länder legen Plan für Weihnachten vor
Der Teil-Lockdown wird aller Voraussicht nach verlängert, da die Anzahl der Neuinfektionen nicht signifikant sinkt. Über die Weihnachtstage wollen die Bundesländer jedoch eine Ausnahme bei den Kontaktbeschränkungen festlegen. – Weiterlesen >>
Text: jwe / Foto: Pexels
 
 
Am 12. Dezember soll in Frankfurt erneut eine Querdenken-Großdemonstration stattfinden. Anlässlich dessen kritisierte nun unter anderem Bürgermeister Uwe Becker das Bündnis öffentlich und warf ihm vor, Antisemitismus zu schüren. – Weiterlesen >>
Text: red / Foto: Symbolbild © Bernd Kammerer
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  1580