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Oberbürgermeister kritisiert Autobranche
 

Oberbürgermeister kritisiert Autobranche

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Feldmann darf nicht auf der IAA sprechen

Foto: Peter Feldmann/Facebook
Foto: Peter Feldmann/Facebook
Anders als vor zwei Jahren wird Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) diesmal keine Rede bei der Eröffnung der IAA halten. Das Stadtoberhaupt hatte eine autokritische Rede vorbereitet – doch kurzfristig sei das Protokoll geändert worden.
Es ist Tradition, dass das Stadtoberhaupt Frankfurts bei der Eröffnung der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) eine Rede hält. Bereits 2017 hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in seinem Grußwort leicht kritische Töne anklingen lassen – in diesem Jahr wollte er daran anknüpfen. Doch dazu wird es nicht kommen: Feldmann wird zur Eröffnung der 68. (IAA) in Frankfurt keine Rede halten. Laut Büroleiter Nils Bremer wurde Feldmanns Redebeitrag kurzfristig vom Protokoll gestrichen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) habe dem Oberbürgermeister Ende August in einem Telefonat mitgeteilt, dass eine Rede von ihm nicht mehr vorgesehen sei. Grund sei ein geänderter Programmablauf. Das Stadtoberhaupt sei bis dahin davon ausgegangen, traditionell ein Grußwort bei der Eröffnung zu halten.

Demgegenüber hat sich der VDA in einer Stellungnahme wie folgt geäußert: „Richtig ist, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann nie als Redner vorgesehen war. Die Eröffnung der IAA hat in diesem Jahr eine internationale Ausrichtung und die Rednerliste musste begrenzt werden. Die Vorstellung, dass der Verband der Automobilindustrie einen Redner wegen einer kritischen Rede auslädt, ist völlig abwegig“.

Der Oberbürgermeister hat derweil seine vorbereitete Rede auf seiner Facebook-Seite unter dem Titel „Die nicht gehaltene Rede zur IAA 2019“ veröffentlicht. Darin findet der SPD-Politiker durchaus autokritische Worte. So fordert er eine „Automobilindustrie, die sich gesetzeskonform verhält“ und die die Verantwortung für ihre Produkte nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ablade. Außerdem findet Feldmann: „Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs.“ Statt neuer Parkhäuser für die immer größer werdenden Autos sei es an der Zeit für eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten. „Wir brauchen einen ökologischen Umbau der Industrie, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, nicht die Verbraucherinnen und Verbraucher, nicht die Beschäftigten der Branche, aber auch nicht die Umwelt. Wirtschaft und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, heißt es in der Rede weiter. Den Einsatz, insbesondere junger Menschen, gegen den Klimawandel sieht er als Chance und nicht als Bedrohung. Feldmann sei den Demonstrierenden sogar dankbar: Denn es gehe ihnen nicht um das eigene Wohl, sondern um „eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel“.

Nun werden nur noch vier Rednerinnen und Redner bei der Eröffnung diesen Donnerstag sprechen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), VDA-Präsident Bernhard Mattes und Waymo-Chef John Krafcik. Feldmann ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt GmbH, die die Hallen an den VDA für die IAA vermietet. Bei den vergangenen Automobilmessen hatte es immer eine Rede vom Stadtoberhaupt gegeben.

IAA künftig nicht mehr in Frankfurt?

Derweil häufen sich Gerüchte, dass die IAA 2019 die vorerst letzte in Frankfurt sein könnte. Laut dem Handelsblatt gibt es die Überlegung mehrerer Hersteller, die Messe künftig an wechselnden Ausstellungsorten abzuhalten – beispielsweise in Köln und Berlin. Darüber solle am Donnerstag in einer Sitzung des VDA diskutiert werden.
12. September 2019
Helen Schindler
 
Helen Schindler
Jahrgang 1993, Studium der Politikwissenschaft an der Goethe-Universität, seit 2017 beim Journal Frankfurt – Mehr von Helen Schindler >>
 
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Leser-Kommentare

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Uwe Looschen am 13.9.2019, 09:48 Uhr:
Alles richtig und OK. Durch diese Entscheidung, Herrn Feldmann nicht reden zu lassen ist nun doch allen klar, dass dies die letzte IAA in Frankfurt war. Wer noch glaubt, dass der Vertrag verlängert wird, der hat eine gute rosa Brille auf. Ich vermute sogar, dass die IAA gar nicht mehr in Deutschland statt findet. Ob diese nun in München, Köln, Hamburg, oder Berlin sein sollte. Der politische Widerstand sowie die Demonstrationen sind den Verantwortlichen zuviel Stress.
Und ist diese Entscheidung gefallen, dann ist mal wieder das Klagen über den Verlust des großen Umsatzbringer groß. Die Messe muß schrumpfen, die Hotels haben weniger Auslastung, Gastronomie, etc. Vielleicht sogar Abbau von Arbeitsplätzen.
Leider wird die gesamte Diskussion bzgl. Umweltschutz, Klima, der richtige Weg, etc. ideologisch und nicht sachorientiert geführt. Und die Bahn ist auch nicht immer die Lösung. Denn die DB hat noch unendlich viele alte stinkende Dieselloks ohne Filter, usw. Siehe Rangierloks in unendlich vielen Gegenden bei uns an.
Wenn Politik und Demonstranten jemanden verscheucht, den man eigentlich für die Lösung des Problems benötigt, ist das der schlechteste Weg überhaupt.
 
Thomas Szymanski am 12.9.2019, 17:56 Uhr:
"Ja, so ist es. - Da muss ich hier Thomas Gottschalk Recht geben,der bei Markus Lanz sagte:"Wenn Du die Wahrheit auf den Tisch bringst,kriegst Du gleich eine auf das Maul, äh man verbietet es Dir Weiteres zu sagen, und Du wirst überall von den Medien zerrissen!" - Armes Deutschland, denn jetzt darf noch nicht einmal der OB in seiner Stadt kurz sich äußern. Langsam übertreibt es die LOBBY, also hier die Autoindustrie. - Wäre ich an der Macht, würde ich sehr viel ändern, sodass von Heute auf Morgen sofort es keine SUVs gäbe, usw.! Man muss, wie Herr Feldmann richtig sagt, auf die Jugend hören, sonst ist es mit uns aus, da wir nicht 5 Minuten vor 12 haben, sondern es weit darüber ist. - Man denke an das wenige Eis, was es noch am Nordpol gibt. - Die Wissenschaftler warnen, aber die Politiker vertuschen es , und machen weiter wie vorher,inklusive der Lobbyisten. - Merkt Euch, bald sind wir nicht mehr da!"
Thomas Szymanski, Puppenspieler und Schauspieler
 
Jürgen Held am 12.9.2019, 16:35 Uhr:
Wie kann er es wagen, der Autoindustrie und deren Lobby, solch kritische Worte auf deren eigenen Veranstaltung zu sagen? Wie kann er es wagen, beispielsweise den mächtigen VW-Konzern, der gerade wieder unter Verdacht steht, betrügerische Software installiert zu haben, an gesetzliche Vorgaben zu erinnern? Ausgeladen? Na und! Ich wünschte, es gäbe mehr Politiker, die auch mal gegen die Lobby reden. Die Stellung beziehen und eben nicht auf allen Partys tanzen wollen, während sie jammernd zusehen, wie ihre Wähler abwandern. Ich bin gespannt auf die Reden von Angela Merkel und Volker Bouffier.
 
 
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