Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Panorama
Startseite Alle NachrichtenPanorama
Flüchtlingscafé Milena
 

Flüchtlingscafé Milena

3

Raus aus der Isolation

Foto: istockphoto.com/martinwimmer
Foto: istockphoto.com/martinwimmer
Flüchtlingsfrauen haben oft keinen leichten Start. Denn nicht selten sind sie Analphabeten, können wegen fehlender Betreuungsangebote keine Deutschkurse belegen und sind isoliert. Das Café Milena will helfen.
Im Mädchencafé in Bockenheim tobt das Leben. Rund 40 Mädchen spielen, malen oder rennen umher – ein ganz alltäglicher Anblick. Das Angebot richtet sich an sozial schwache Familien und solche mit Migrationshintergrund. Für nur 30 Euro monatlich werden die Mädchen hier nach der Schule betreut, es wird gemeinsam gekocht und es werden Hausaufgaben gemacht. Immer mehr der Kinder berichteten Betreuerin Maneesorn Koldenhofe davon, dass nun auch Flüchtlinge in ihren Schulklassen seien. „Sie sagten: ‚Wieso können sie nicht mit hierher kommen? Wir können ihnen doch Deutsch beibringen‘“, erzählt Koldenhofe.

Den Vorschlag nahm sich das Mädchencafé zu Herzen. Einfach mehr Betreuungsplätze zu schaffen, sei aber aus Platzgründen nicht möglich gewesen. Gerade wurde die Zahl der Plätze auf 40 aufgestockt, dadurch werde es zunehmend eng im Mädchencafé. „Eigentlich sind die Räume nur für 35 Mädchen ausgelegt. Aber wir können einfach schlecht nein sagen“, so Koldenhofe. Also sollte für Flüchtlinge ein neues, eigenständiges Angebot her: Das Café Milena entstand. Frauen, die mit oder ohne Kinder nach Frankfurt geflohen sind, bekommen hier Deutschunterricht und einen Raum, um sich auszutauschen. In regelmäßigen „Erzählcafés“ werden zudem wichtige Themen besprochen – etwa, wie man bürokratische Hürden überwindet.

Möglich ist das nur durch die finanzielle Unterstützung zweier neue Träger: die KfW- und die Linsenhoff-Stiftung. Dadurch konnte zunächst eine neue Stelle geschaffen werden. Was aber nach wie vor dringend fehle, seien neue Räume. Vorerst werde das Café Milena im Mädchencafé stattfinden, das sei jedoch nur eine vorübergehende Lösung, betont Koldenhofe. Um überhaupt Frauen für das neue Angebot begeistern zu können, seien sie in vielen Flüchtlingsunterkünften gewesen und hätten das Konzept vorgestellt. Am Anfang sei es eine sehr mühsame Aufgabe gewesen, die Frauen zu erreichen. „Aber als die ersten fünf hier waren, hat das Ganze eine Eigendynamik entwickelt“, berichtet Koldenhofe.

Inzwischen gibt es zwei Kurse – einen mit elf Frauen, die hier nicht nur Deutsch lernen, sondern teilweise auch erst alphabetisiert werden. Hier nehmen nur Frauen teil, die auf absehbare Zeit in Frankfurt bleiben werden. Im zweiten Kurs sind auch Flüchtlinge, die eventuell noch anderen Städten zugeteilt werden. Da der Unterricht dadurch zeitlich stark begrenzt sein kann, gilt die Voraussetzung, lesen und schreiben zu können. „Selbst wenn die Teilnehmerinnen nicht in Frankfurt bleiben – dann haben sie die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt“, sagt Martina Köchling von der KfW-Stiftung. Neben den Deutschkursen, die ehrenamtlich von Lehrern und Lehramtsstudenten geleitet werden, gibt es im Café Milena auch weitere Angebote.

Besonders wichtig sei die Kinderbetreuung. Denn oft können Frauen Deutschkurse und andere Angebote gar nicht wahrnehmen – weil in der Zeit niemand auf den Nachwuchs aufpassen kann, erklärt Ann Kathrin Linsenhoff von der Linsenhoff-Stiftung. Hier sind die Kinder nur einen Raum weiter – und die Mütter können sich ganz aufs Lernen konzentrieren. Vor und nach den Kursen sowie beim „Erzählcafé“ können sie sich zudem über alltägliche Probleme austauschen, Kontakte knüpfen und einen Weg aus der Isolation finden. Bei Bedarf begleitet ein internationales Team die Frauen auf Ämter, zu Gerichten oder Ärzten. Alle Angebote sind kostenlos.

Alle Mitarbeiter hofften, dass die Idee in anderen Städten kopiert werde. Denn schon kurz nach dem Start des Cafés Milena sei klar, dass es großen Bedarf an einem solchen Angebot gebe. „Und man spürt das Herzblut hier“, freut sich Linsenhoff.

30. November 2015
Christina Weber
 
Christina Weber
Jahrgang 1983, Studium Online-Journalismus, seit 2014 Volontärin beim Journal Frankfurt – Mehr von Christina Weber >>
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
dieter baden am 1.12.2015, 12:40 Uhr:
Klar,typisch,ausser Beleidigung nicht viel drauf.
Sie glauben an den Weihnachtsmann!
 
Senn Ahoj am 30.11.2015, 20:29 Uhr:
Könnten Sie bitte mal einfach Ihre Fresse halten. Wann hört der Wahnsinn von Dieter Badens unerträglichen ständigen Kommentaren auf? Hier wird ein positives Beispiel von Integration vorgestellt und Sie machen alles nur mies. Ist wohl Ihr Charakter.
 
dieter baden am 30.11.2015, 15:42 Uhr:
Es hiess doch die sind fast alle qualifiziert...
Wann hört der Wahnsinn auf? Jeden Tag Schlägereien..jetzt trennt man die schon nach Religion.. welch tolle Integrationafähigkeit und Massnahme sie zu fördern
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Panorama
 
 
Fragwürdiges Treffen mit AfD
0
Aufklärung im Mendig-Fall gefordert
Das Treffen mit AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen könnte dem Geschäftsführer der HessenFilm Hans Joachim Mendig zum Verhängnis werden. Zahlreiche Stimmen fordern Aufklärung; bei der Bekanntgabe der Nominierten des Hessischen Filmpreises wird Mendig erstmals nicht anwesend sein. – Weiterlesen >>
Text: Ronja Merkel / Foto: Jörg Meuthen/Instagram
 
 
Der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Robert Schäfer, warnt eindringlich vor rechtsextremistischer Gewalt. Die Szene sei gegenwärtig nicht isoliert und suche vermehrt den Anschluss an die bürgerliche Mitte. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: LfV Hessen
 
 
Amt für multikulturelle Angelegenheiten
0
Das Amt für ein besseres Miteinander feiert Jubiläum
Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) feiert 30-jähriges Bestehen – und beginnt ein neues Kapitel: Es ist ab sofort in der Mainzer Landstraße 293 im Gallus beheimatet. – Weiterlesen >>
Text: hes/ffm / Foto: v.l.n.r. Armin von Ungern-Sternberg, Sylvia Weber, Naika Foroutan, Peter Feldmann © Stadt Frankfurt/Heike Lyding
 
 
 
Im Interview mit Klaus Gietinger
0
„Das Auto ist eine Massenvernichtungswaffe“
In seinem neuen Buch schreibt Klaus Gietinger darüber, warum das Auto keine Zukunft hat. Im Interview mit dem JOURNAL FRANKFURT erzählt er, warum er dafür Morddrohungen erhält und wie er zu den IAA-Protesten steht. – Weiterlesen >>
Text: Elena Zompi / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Ein halbes Jahr nach der Wallraff-Reportage, die Missstände in der Psychiatrie am Klinikum Höchst aufgedeckt hat, hat ein externer Berater einen Zwischenbericht veröffentlicht. Darin kritisiert er vieles, lobt aber auch so manche bereits eingeleitete Veränderung. – Weiterlesen >>
Text: Helen Schindler / Foto: Marius Becker/dpa
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  1496