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Blockupy-Proteste 2015
 

Blockupy-Proteste 2015

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Dumm, ignorant, kontraproduktiv

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Die Ziele von Tausenden friedlichen Demonstranten wurden durch die Gewalt von wenigen ad absurdum geführt. Was bleiben wird, ist nicht die notwendige Debatte über die Krisenpolitik, sondern Bilder brennender Autos.
Wenn Blockupy-Anmelder und Linken-Politiker Ulrich Wilken sagt, die Gewalt komme nun in jene Stadt, von der sie durch die EZB-Politik ausgehe, dann ist das mehr als eine verkürzte Weltsicht. Wenn schwarzvermummte Demonstranten einem Journalisten androhen, ihm das Handy kaputtzumachen, dann ist das mehr als ein plumper Eingriff in die Pressefreiheit. Und wenn Straßenbahnen beschmiert, Autos wahllos angezündet, Feuerwehrleute mit Steinen beworfen werden, dann zeigen sich darin vor allem zwei Dinge: Erstens, dass das Blockupy-Bündnis die Kontrolle über einen Teil seiner Bewegung verloren hat. Und zweitens dass hier ein Demo-Tourismus eingesetzt hat, der die notwendigen Debatten scheut und eine Vereinfachung der Weltlage zum Programm erhoben hat, um simpelsten revolutionären Gedanken nachzuhängen, die vom Großteil der Bevölkerung eben nicht geteilt werden. Es ist ein fast schon faschistoider Gedankenzug zu glauben, die Revolution in den Köpfen werde schon einsetzen, wenn die Gewalt erst einmal auf die Straße gebracht wurde.

Der Linken-Politikerin Janine Wissler muss man da für ihre Reaktion wiederum mehr als dankbar sein. Kopfschüttelnd stand sie Mittwochmittag auf dem Römerberg und gab ihr Unverständnis über die Gewalt gegen Menschen und gegen Sachen Ausdruck. "Was wird von dieser Demonstration, was wird von dieser eigentlich sehr guten, fröhlichen Stimmung bei den meisten Demonstranten bleiben?" Zugleich sagt sie: Wie soll man das verhindern? Wie soll man die Gewalttäter ausschließen?

Nun, vielleicht, in dem man sich von vornherein eindeutig von ihnen distanziert. Das aber ist nicht geschehen. Im Gegenteil: Das Blockupy-Bündnis hat sich sprachlich einer Metaphorik bedient, die den ausgerollten Stacheldrähten der Polizei in nichts nachsteht. Rhetorisch hält man es dialektisch: Gewalt, natürlich nicht, aber Widerstand von der Straße schließt die natürlich auch nicht aus. Siehe auch das Zitat von Ulrich Wilken oben. Oder in den Worten von Blockupy-Sprecher Christoph Kleine: "Wenn wir über Gewalt sprechen, müssen wir zuallererst über die tödliche, existenzielle Gewalt gegenüber den Menschen in Griechenland sprechen. Und wir müssen über die Gewalt der Polizei sprechen, über den massiven Einsatz von Tränengasgranaten und Wasserwerfern. Wenn wir das ins Verhältnis gesetzt haben, müssen wir auch sagen: Es gab neben vielen Aktionen im Rahmen unseres Konsenses bei den Protesten am Vormittag auch Aktionen, die wir nicht gewollt haben und nicht gut finden."

Zwei Tage vor dem Protest war auf der Blockupy-Website in einem Beitrag der interventionistischen Linken zu lesen: "Das ist für uns der politische Kern von Blockupy – heute schon aufblitzen zu lassen, was eine kommende radikale gesellschaftliche Linke sein könnte. Auch Götter können sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt." Was für eine schöne Lyrik! Nur verkennt sie leider, dass wir über die Ausrichtung der Krisenpolitik eine Debatte brauchen, verkennt ebenso, dass sich dieser Debatte viele Menschen verschließen werden, die die Bilder von zerstörten Polizeiautos sehen oder von Straßenbahnen, auf die Vermummte mit Feuerlöschern zustürmen, als wäre die Linie 11 das Ziel und nicht etwa die Bundesregierung oder der IWF oder die EZB. Wer so auftritt, mit dem möchte man halt auch nicht diskutieren - erst recht nicht über eine neue Gesellschaftsordnung.
18. März 2015
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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Leser-Kommentare

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dieter baden am 24.3.2015, 15:03 Uhr:
WENIGE? dann hätte die Polizei die schnell aus dem Verkehr gezogen.4000 waren es wohl
 
Samir Dieter Saadani Hassani am 21.3.2015, 01:57 Uhr:
Agent Provocateur
 
Michael Risse am 20.3.2015, 16:59 Uhr:
Zur gestrigen "Gross-Theater-Veranstaltung:
Blochupy hat uns Frankfurt Mietern schon vor zwei Jahren eine friedliche Demonstration vermasselt,
weil sie zugelassen,ja sogar gefördert haben,dass sich trotz behördlicher Warnungen,Autonome und
Vermummte an die Spitze unseres,und vieler anderer mit berechtigten Anliegen mit anderer Thematik,
des Demonstrationszuges stellten,was dazu führte,dass wir alle in der Wilhelm Leuschner-
strasse eingekesselt wurden,und dort stundenlang sinnlos rumstanden. Ich hätte im Interconti ,das von
einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei bewacht wurde,frühstücken gehen sollen,anstatt für 135 ?
Demoschilder gegen den Frankfurter Vermieter-Wucher & Terror anfertigen zu lassen. Ich habe auch einige
der krypto-stalinistischen Hinterzimmer-Strippenzieher-Wortführer von Blockupy kennengelernt.
Da sind Leute am Ruder,die jetzt mit Unschuldsmiene die Gewaltausbrüche bedauern,obwohl sie sich sicher
"klammheimlich" freuten,dass die Gewalttäter für sie ja letztlich einen kleinen Stellvertreterkrieg geführt haben.
Die Gewerkschaften und Blockupy hätten,vor allem die Gewerkschaften,hätten aus ihren Abertausenden von Mitgliedern
"Ordner "rekrutieren müssen,um den Berufschaoten schon im Ansatz das Handwerk zu legen.
Das es eine ganze Flotte von ausgebrannten Dienstfahrzeugen der Polizei gab,wirft ein sehr schlechtes Licht
auf die Polizeiführung. Es waren genug Polizisten in der Stadt,um genau so etwas Vorhersehrbares im Ansatz zu
verhindern. Wollte man so was vielleicht billigend in Kauf nehmen,damit man jetzt vielleicht doch mal wieder
in Richtung eines Polizeistaates marschieren kann.Das Feuerwehren und Krankenwagen angegriffen werden,ist bekannt,
denn dadurch vergrössert man den Schaden. Auch das muss die Polizeiführung wissen. Das ist Standardwissen.
Eigentlich müsste man die Polizeiführung anzeigen,wegen zugelassener Zerstörung von Volkseigentum(Dienstfahrzeuge)
und Beihilfe zur Umweltverschmutzung,begangen durch Handeln durch Unterlassen,nämlich nicht präventiv eingreifen,
bevor Dienst-Fahrzeuge angezündet werden.Jeder Schrebergärtner,der einen Autoreifen anzündet bekäme eine saftige Geldstrafe.
Im Übrigen muss die EZB und auch die Bundesbank endlich mal mit der gesamten Öffentlichkeit kommunizieren,
indem sie Geld in die Hand nehmen,und qualifizierte Professoren von untadeligen
Universitäten,in grossen Hörsälen,oder gar Messehallen,anschaulich erklärt,wie das in der Finanz-und Steuerwelt
so tickt,damit Stammtischgeschwafel von populistischen Schwätzern endlich aufhört. Die Materie ist halt sehr komplex.
Griechenland:Die Bevölkerung kann einem leid tun,denn sie sind von ihrer eigenen "Oberschicht" ,den wirklich gerissenen
Finanzoligarchen und gerissenen Berufspolitikern durch das Ausschütten von nicht gegenfinanzierten "Wohltaten" in diese
Misere reingetrieben worden.Diese Oligarchen haben sofort weit vor dem Beitritt in 2003 gespannt,dass die EU sie raushauen muss.
Und dann haben die sich gesagt:Jetzt ist Party,bis es knallt. Und wir können uns in der Zwischenzeit ungestört bereichern.
Wohlfahrtstaaten funktionieren aber nur,wenn genug Geld verdient wird.
Selbst Deutschland ist mit 20.000.000.000.000(=20 Billionen) seitens der öffentlichen Hand(Bund,Länder und Kommunen)
bei Gläubigern verschuldet,also höher als Griechenland, bereinigt gesehen.
Auch uns wird,mangels Rohstoffen, der Wohlfahrtsstaat um die Ohren fliegen,weil nicht finanzierbar.
Siehe Professor Walter Wittmann,Universität Fribourg,Schweiz,ISBN 978-3-280-05374-4
Die EZB,der IWF und andere versuchen Griechenland aufs Gleis zu setzten.
Der Euro ist eine Furzidee,die EU kann man ohne diese Zwangsgemeinschaftswährung ja noch halbwegs hinnehmen.
Michael Risse,Frankfurter Kaufmann
 
Jochen Rößner am 19.3.2015, 17:53 Uhr:
Ein Artikel, den man so unterschreiben kann. Was immer wieder erstaunt, sind die Darstellung und Wahrnehmungen der beteiligten Politiker. Ulrich Wilken zeigt sich entsetzt", "damit haben wir nicht gerechnet" etc. So klang das aber schon bei den Demos im November. Aber so ist das halt, Politiker "vergessen" nicht nur bei Wahlen, was sie wenige Monate vorher gesagt haben.
 
Ronald M. Filkas am 19.3.2015, 17:45 Uhr:
Die Frage muss erlaubt sein, ob Journalisten, die nur über die negativen Aspekte einer Demonstration schreiben, die friedlichen Teilnehmer aber nicht oder nur nebenbei erwähnen, nicht auch indirekt dazu beitragen, dass Demonstrationen eskalieren, denn nur dann werden sie wahrgenommen!
 
Ursula Schweiss am 19.3.2015, 16:20 Uhr:
Danke, Nils Bremer!
 
parai ba am 19.3.2015, 14:32 Uhr:
Liebe Blockupy, mit den Randalierern hast Du leider die Arschkarte gezogen. Die haben einen wesentlich stärkeren Eindruck hinterlassen als die vielen friedlich demonstrierenden. Vielleicht wäre es doch besser gewesen sich von denen zu distanzieren, als immer wieder Verständnis für die zu zeigen. Und bei aller Kritik gegen die EZB. Wie war das noch mal z. B. mit Jürgen Stark, den Nationalbanken und den nationalen Regierungen besonders deren Untätigkeit? Hatten die "Demonstranten" in der Straßenbahnlinie 11 einen Hedgefondmanager gesichtet und deshalb die Agression gegen den ÖPNV gerichtet?
 
Der Leser am 19.3.2015, 14:21 Uhr:
Amüsant, wie in vielen Medien und vor allem Leserkommentaren, sich die Rot-Rot-Grünen echauffieren und argumentieren, dass "ein paar linke Steinewerfer" doch so ganz und gar nicht repräsentiv seien für die Bewegung. Vor wenigen Wochen noch brandmarkten oft die selben Menschen aber die Pegidas dieser Nation, aufgrund ein paar rechter Trittbrettfahrer, als generell faschistisch und rechtsradikal. So biegt man sich die Welt, wie sie einem gefällt.
 
Joerg Weber am 19.3.2015, 13:55 Uhr:
Lieber Nils, sehr guter Kommentar und er spricht mir aus der Seele. Gewalt ändert nichts, aber es verändert Bewusstsein - darüber müßen wir uns klar sein. Dass die Medien leider wieder vor allem die Gewaltszenen transportieren liegt am Wesen der Medien, wobei wir ja auch einiges über die friedlichen Demonstranten lesen durften. Und dass eine Bewegung wie die gegen soziales Unrecht und eine Zweiklassengesellschaft nicht mehr aufzuhalten ist, ist gut und richtig - aber bitte ohne Gewaltexzesse. Wenn dann Blockupy immer wieder auf FB und anderen sozialen Medien versucht, die zu entschuldigen oder zu erklären, anstatt sich ganz klar und deutlich davon zu distanzieren kann das für mich nur heißen. Künftig demonstrieren - unbedingt! Mit Blockupy - no way.
 
Evelyn Joppen-Leysaht am 19.3.2015, 13:40 Uhr:
Herr Bremer, Sie geben wieder was viele Menschen und gestern vorallem auch Frankfurter denken. Demonstrationen ja, jeder soll seine Meinung sagen können. Wer dies aber durch Einsatz von Gewalt tut oder Gewalt in diesem Zusammenhang zulässt, hat dieses Recht verwirkt und ist mit Schuld, wenn sein eigentliches Anliegen nicht mehr gesehen wird. Das nun die Republik nicht über die Blockupy-Themen spricht, liegt an denen die bereits in den Morgenstunden Polizeiautos in Brand gesteckt haben, Ladengeschäfte demolierten und Eigentum Frankfurter Bürger beschädigten oder zerstörten. Und ehrlich gesagt, muss die Polizei solchem Verhalten massiv entgegen treten. Im Grundgesetz ist das Recht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung verankert, nicht aber das Recht das Auto des Nachbarn anzuzünden oder ganze Innenstädte zu verwüsten.
 
LepidopterZebra Arbez am 19.3.2015, 12:43 Uhr:
Ob mit oder ohne Gewalt: Diese Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten.Da können Sie ruhig noch tiefer in Ihr Wort-Schatz-Kästlein (faschistoid) greifen, Herr Autor.Wo ein paar Randalierer sich austoben, laufen neben ihnen Tausende, die vernünftig und ruhig an der Mit- und Umgestaltung dieses Systems arbeiten.
Wie sagten schon einst die Bremer Stadtmusikanten? "Etwas Besseres als den Tod werdet ihr überall finden!"
 
Patrick Philipiak am 19.3.2015, 11:18 Uhr:
Über die 99% friedlicher Demonstranten wird kein Wort verloren? Ganz schwacher Artikel.
 
Simon Umbach am 19.3.2015, 01:59 Uhr:
Die ganze Berichterstattung über Blockupy ist einfach unerträglich, die Medien berichten über brennenden Autos, während am selben Tag 15.000-20.000 Menschen friedlich demonstrieren. Es ist klar und war von vornherein absehbar, dass sich gewaltbereite Idioten unter den Teilnehmern befinden, aber dass wir uns hier über brennende Autos aufregen, während anders wo auf der Welt Menschen sich entscheiden müssen zwischen Nahrungsmitteln oder lebenswichtigen Medikamenten, ist absolut ekeleregend, was sind wir bloß für Menschen???
 
Mikel Bühring-Uhle am 19.3.2015, 01:00 Uhr:
Vielen Dank für diese klaren Worte. So sehen es in meinem Umfeld viele. Und einige haben auch gar keinen Bock mehr auf irgendwas, was mit Blockupy zu tun hat. Sehr schade.
 
 
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