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Ana Marija Milkovics Kolumne
 

Ana Marija Milkovics Kolumne

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What else?

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic trinkt gerne Kapselkaffee von Nespresso. Dabei, glaubt sie, wähnt sie sich in guter Gesellschaft. Doch der Gedanke an das Müllaufkommen und die Privatisierung von Wasser mindern ihren Genuss.
Ich kaufe bei Nespresso meinen Kaffee ein. Das mag nicht besonders schlau sein. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, sagt der Volksmund. Aber der ist bekanntlich auch nicht immer schlau und konsequent. In schlechter Gesellschaft befinde ich mich nun wirklich nicht, wenn ich Nespresso Kaffee trinke. Weltverbesserer und Schauspieler George Clooney, der aktuell mit Amal, Michelle und Barack am Comer See weilt, tut es auch. Wahrscheinlich trinken nun auch Michelle und Barack Obama diesen Kaffee aus Kapseln.

Ich mag es, wenn die Espressomaschine morgens rattert, das Wasser in die Kapsel eindringt, um mit ordentlich Druck durch eine Perforation durchzudringen, deren Müllaufkommen, so lese ich, mit 5000 Tonnen jährlich beziffert wird. Eine ganze Industrie ist mit dieser Kapsel-Erfindung entstanden. Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass eine Kapsel von Nespresso mit nur 4,7 Gramm Kaffee aufgefüllt ist. Ein Freund von mir bereitet sich seinen Espresso jeden Morgen selbst zu. Er nimmt dafür 9 Gramm Kaffee. Den Kaffee kauft er natürlich bei Kaffee Wacker am Weckmarkt. 4,7 Gramm, so der Freund, können nicht gesund sein. Der Unterschied ist nicht unerheblich, bedenkt man, wie viele Kapseln Nespresso 20 Espressi von Wacker aufwiegen und welchen Verlust Wacker beim Verkauf von einem Pfund Kaffee im Vergleich zu Nespresso entsteht.

Menschenrechtlerin Amal Clooney sah ich kürzlich eine Rede zu Ehren ihres Mannes George halten. Einige finden, sie sei unglaubwürdig, weil sie mit einem Schauspieler verheiratet ist und Menschenrechte vertritt. Ich finde sie erhaben und schön. Amal sprach in ihrer Rede über Nutella. Nutella ist ein weiterer Bestseller des Nestlé Imperiums und anscheinend bereits fest verankert in der Familie Clooney. Ein Anwalt muss nicht zwingend ein guter Mensch sein. In manchen Fällen braucht auch ein schlechter Mensch einen guten Anwalt. Beides steht auch nicht in unmittelbarer Abhängigkeit.

Harvey Weinstein zum Beispiel, den nur noch Woody Allen in Schutz nimmt, ist wahrscheinlich kein guter Mensch, hat nun aber neben einem guten Freund auch einen guten Anwalt. Dieser war Dekan an der Elite-Uni Harvard und verlor seine Position, nachdem bekannt wurde, dass er Harvey Weinstein als Rechtsanwalt vertritt. Rechtsanwalt Ronald S. Sullivan Jr. ist schwarz und eigentlich ein Aushängeschild einer mehrfach in sich tief gespalteten Gesellschaft, die den amerikanischen Traum gemeinsam lebt. Anhaltende Studentenproteste sorgten dafür, dass Sullivan seine Stelle als Dekan verlor. Eigentlich gilt in einer Demokratie die Unschuldsvermutung. Eine schnelle moralische Verurteilung beugt der Unschuldsvermutung in besonderen Ausnahmefällen natürlich vor. Das ist in diesem Fall sogar verständlich, aber ist das auch für das Rechtswesen förderlich? Der Volksmund besagt bekanntlich, dass der Ausnahmefall die Regel bestätigt.

Kürzlich ging ich wieder am Goetheplatz oder Rossmarkt (ich kann die Plätze nicht auseinanderhalten) Kaffee einkaufen. Ich griff zu einer Schachtel, die mir besonders auffiel. Die könne ich nur als Ambassador kaufen, wurde ich belehrt. Ich wurde sauer. Ich schaue schon beflissentlich weg, wenn Nestlé weltweit von staatlichen Wasserbehörden die Wasserrechte aufkauft, um das Wasser direkt aus dem Grundwasser abzupumpen, genau genommen dort, wo das Wasser knapp ist. Das ist schlecht für die Menschen in Äthiopien, Afrika und Pakistan. Das ist hinreichend bekannt. Wenn ich nun aber den Status eines Ambassadors benötige, um 5 Gramm Kaffee in Alukapseln zu kaufen, geht mir der Irrsinn mit Nestlé eindeutig zu weit.
 
27. Juni 2019, 09.34 Uhr
Ana Marija Milkovic
 
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