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Foto: red
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Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen

Die „ungeliebten Kinder“ von Dribbdebach

Seit einem Übergriff auf die Polizei im September in Alt-Sachsenhausen wird im Magistrat über eine Vorverlegung der generellen Sperrstunde gesprochen. Die Gastronomiebetreibenden im Party-Viertel fühlen sich von der Stadtpolitik missverstanden.
Vergangene Woche hatten die Alt-Sachsenhäuser Gastronomen Thomas Winterscheid (Ponyhof), Jürgen Vieth (u.a. Oberbayern und Frau Rauscher) und Oliver Thies (Klapper 33) sich in einem Offenen Brief an den Magistrat gewandt. Wie bereits am Donnerstag berichtet, geht es dabei um die Vorverlegung der generellen Sperrstunde von 5 auf 3 Uhr. Durch einen Übergriff auf Polizebeamt:innen am 21.September vor einem Lokal auf der Großen Rittergasse, bei dem Gäste dieses zur Sperrstunde nicht verlassen wollten und dadurch ein Tumult mit rund 50 Personen entstand, erlangte das Thema Aufmerksamkeit im Magistrat. Die Vorverlegung der Sperrstunde sei jedoch nicht die Lösung, so das Argument der Sachsenhäuser Gastronomiebetreibenden. Insgesamt 36 Gastronomiebetriebe in Alt-Sachsenhausen haben den Offenen Brief unterzeichnet und fordern eine Stellungnahme der Verantwortlichen.

Für den Betreiber der Diskothek Ponyhof, Thomas Winterscheid, liegt die vorverlegte Sperrstunde in seiner Kernbesuchszeit. „Ich öffne um 23 Uhr. Die meisten Gäste kommen dann zwischen 0 und 1 Uhr aus den Lokalen, um bei mir tanzen zu gehen“, so Winterscheid. Um 21 Uhr aber gehe niemand in eine Diskothek. Bei einer vorverlegten Sperrstunde würden sich die Gäste eher entscheiden in das Bahnhofsviertel oder andernorts in die Innenstadt zu fahren, um zu feiern. „Kommt die Sperrstunde um drei Uhr, würde ich mir nach der Pandemie einen neuen Standort suchen. Und der wäre ganz sicher nicht in der Stadt Frankfurt“, sagt der Ponyhof-Betreiber. Zudem wolle Winterscheid Planungssicherheit für die Zeit nach der Pandemie, mit der vorverlegten Sperrstunde gebe es diese nicht.

Statt ein früheres Ende für die Feiernden in Alt-Sachsenhausen, fordern die Wirte die vollständige Abschaffung der Sperrstunde sowie ein Alkohol- und Glasverbot auf den Straßen. „Die Polizei bezieht sich auf die nicht-repräsentativen Statistiken aus den vergangenen Monaten.“ Wer unter den Gastronomiebetrieben nicht an Corona zugrunde gehe, der werde in Alt-Sachsenhausen an der vorverlegten Sperrstunde zugrunde gehen. „Ich will mich nicht mit Belüftungsanlagen und Hygienemaßnahmen um Kopf und Kragen verschulden, wenn ich danach um drei Uhr zu machen muss.“

Winterscheid verstehe nicht, wieso man nun büßen müsse, „für etwas, für das man nichts kann.“ „Hätte zu der Zeit des Übergriffs keine Sperrstunde gegeben“, argumentiert Winterscheid, „hätte der Wirt des Lokals auf der Großen Rittergasse auch nicht die Polizei rufen müssen, sondern hätte die Gäste in Ruhe austrinken lassen können.“ Eine Sperrstunde jedoch fördere, dass es mehr Menschen gleichzeitig auf die Straßen treibe.

„Auch für uns geht es um Lebenswerke“

„Uns kommt es so vor, als soll diese Entscheidung jetzt unter dem Radar passieren, während sich alles um Corona dreht“, kritisiert der Klapper 33-Betreiber Oliver Thies. Das Lokal existiert in Alt-Sachsenhausen seit über 40 Jahren. „Wir fühlen uns manchmal so als wären wir die Schwarzen Schafe in Frankfurt, aber nach außen wird Werbung mit uns gemacht.“ So fühle man sich in Alt-Sachsenhausen häufig als halte einen die Politik für „ungehobelte und ungebildete Wirte“, sagt Thies. „Aber auch für uns geht es hier um unsere Lebenswerke, die wir uns mehr als unser halbes Leben lang aufgebaut haben.“

Von der Stadt fühle man sich deshalb auch manchmal im Stich gelassen und wie ein „ungeliebtes Kind“, sagt Jürgen Vieht, der in Alt-Sachsenhausen sechs Lokale betreibt. „Neue Verordnungen werden uns nicht zugeschickt. Wir müssen uns diese meist mühsam zusammensuchen. Das war bei der Wiedereröffnung nach dem Lockdown nicht anders“, sagt Vieth. Die Hygienekonzepte hätten sich die Betreiber selbst aus dem Internet gesammelt. Als dann die Sperrung des Opernplatzes kam, seien die Gruppen von dort häufig anschließend nach Alt-Sachsenhausen gekommen. „Wir bekommen hier zum Teil die gesellschaftlichen Probleme abgeladen. Die Personen, die hier Probleme machen, sind überwiegend unter 20. Warum gibt es in Sachsenhausen keine Streetworker oder ein Jugendzentrum, dass sich den jungen Menschen annimmt?“

Die Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen sei eine Ausnahme, im Rest der Stadt gebe es diese nicht. „Warum sollen wir eine Sperrstunde bekommen und die anderen nicht?“ Bis zum Jahr 2001 habe es eine Sperrstunde ab 1 Uhr gegeben, samstags ab 2 Uhr. Diese sei jedoch 34 von 52 Wochen im Jahr ausgehebelt worden, um Messe-Gästen eine Möglichkeit zum Weggehen bieten zu können, erklärt Vieth. Dabei erinnert der Wirt, der seit fast 30 Jahren Gaststätten in Sachsenhausen betreibt, an Zeiten, in denen es im Party-Viertel noch etwas anders zuging. „In der Zeit als die Sperrstunde bei 1 Uhr lag, gab es in Alt-Sachsenhausen Vorfälle mit fünf Toten, diese sind alle zwischen 22 und 0 Uhr passiert. Mit der Sperrstunde hatte es alles nichts zu tun.“

Mit dem 8. Polizeirevier arbeite man gut zusammen. Dass es manchmal zu Zwischenfällen komme, sei jedoch normal. Das Alkohol- und Glasverbot auf den Straßen könne zumindest dafür sorgen, dass erst gar keine Flaschen zum Werfen vorhanden seien und sich Minderjährige und sehr junge Menschen nicht auf den Straßen betrinken könnten.
 
3. November 2020, 10.39 Uhr
Johanna Wendel
 
Johanna Wendel
Jahrgang 1993, Technikjournalismus-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, seit Januar 2019 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Johanna Wendel >>
 
 
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