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Musikszene Frankfurt in der Stadtbücherei
 

Musikszene Frankfurt in der Stadtbücherei

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Von Katzen und Menschen

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Auch wenn die Songwriter-Szene rund um Frankfurt näher zusammengewachsen ist, Reverend Schulzz aus Hanau und Fooks Nihil aus Wiesbaden treffen am 23. Mai, 20 Uhr in der Stadtbücherei das erste Mal aufeinander.
Folk Music kommt nie wirklich aus der Mode. Der Mythos lebt und damit die Erinnerung an magische Orte wie Greenwich Village und den Laurel Canyon. Da brauchte es eigentlich nie Neuschöpfungen wie „Neofolk“ oder „Anti-Folk“, um die nächste Renaissance zu beschwören. Folk als eine Säule der Popmusik war und ist immer präsent. Als die Idee aufkam, das erste Musikszene Frankfurt-Konzert in diesem Jahr wieder einmal singenden Songschreibern zu widmen, stand plötzlich die Überschrift „Westcoast/Eastcoast“ im Raum.

Wer die „Suite: Judy Blue Eyes“ perfekter intonieren kann als deren Urheber, drängt sich geradezu auf, die Westcoast zu verkörpern. Crosby, Stills & Nash lassen grüßen. Nur eine kleine Hommage im Repertoire von Fooks Nihil mit sonst eigenen Songs. Dass Max Ramdohr (Gitarre, Gesang), Florentin Wex (Bass, Gesang) und Max Schneider (Schlagzeug, Gesang) heute mit Satzgesang brillieren können, verdanken sie einem Zufall. Als sie Ende Juli 2015 die Record-Release-Party von Kenneth Minor im Kesselhaus eröffnen sollten, hatte ihr Schlagzeuger keine Zeit. „Wir wollten aber unbedingt spielen, also entschlossen wir uns, unplugged zu spielen“, erinnert sich Schneider. Ramdohr schnappte sich seine akustische Klampfe, Wex entschied für eine akustische Bassgitarre, Schneider konnte eine Snare mit Besen bedienen, stellte noch Hi-Hat und ein Becken dazu. „Hoffentlich wird das kein Reinfall“, hofften sie. Im Gegenteil: Es wurde ein Erweckungserlebnis. Auch die Entdeckung der Mehrstimmigkeit im Gesang. „Wir sind mit einem Wahnsinnselbstbewusstsein aus der Sache rausgegangen“, erzählt Ramdohr. Sie hatten ihr Trademark gefunden, konnten ihre auch psychedelische Vergangenheit abhaken. In den Plattenschränken der Eltern ließen sich die 60’s entdecken. Beatles und Stones waren Konsens. „Mein Bruder hatte Doors-Platten, dann kam Hendrix dazu, später auch Byrds und Buffalo Springfield“, kamen bei Wex immer mehr Einflüsse dazu. Ramdohr brachte den Blues ein.

Die neuen Fooks Nihil-Songs fürs Album, das im Lotte Linderberg-Studio produziert wird, haben mehr Dynamik, brauchen jetzt auch elektrische Instrumente für knackige Riffs statt Akkordgeschrammel. So gestalten die Drei ihren Wechsel hin zum Folk Rock. Was 1965 beim Newport Festival für Proteste der Puristen sorgte, darf heute ungestraft vollzogen werden. Wichtig ist, dass Charme und Spirit der Musik erhalten bleiben. „Wir sind relativ unprätentiöse Typen“, betont Ramdohr. Zwanghaften Versuchen, aktuellen Trends gerecht zu werden, erteilt Schneider eine Absage. „Wir machen das, worauf wir Bock haben.“

Dass Reverend Schulzz hier an der Eastcoast verortet wird, liegt nicht nur daran, dass der Hanauer im Profil Bob Dylan immer ähnlicher wird. Was er von ihm oder auch Neil Young gelernt hat, versuchte er in seiner Band The Crow Anfang der Neunziger, die Klassiker mit Gun Club- und Dream Syndicate-Ästhetik zusammenzubringen. Nach den „Combat Folk Songs“ mit dem Besten aus zwei Welten startete Schulzz 1998 solo als Singer/Songwriter durch, agierte immer minimalistischer, nahm seine vierte CD „In The Land Of The One-Eyed Cat“ im Duo mit Gero Takke auf, der als Co-Produzent neben elektrischer Gitarre noch Mandoline, Banjo, Ukulele Bass, Kalimba, Melodika und Percussion zu Reverends akustischer Gitarre und Mundharmonika beisteuerte. Für ein sehr dichtes, atmosphärisches Album, das diesmal nicht im Studio entstehen sollte, sondern „on location“. „Wie Field Recordings, die einen ursprünglichen Geist atmen“, tut Schulzz kund. „Solche alten Aufnahmen haben mich schon immer fasziniert.“ Also raus aus der Komfortzone, rein in die Wälder des Spessarts, wo im Februar 2017 im Flörbachtal eine Hütte bezogen wurde. „Die mussten wir erst einmal hochheizen, die war vollkommen ausgekühlt und drinnen war es kälter als draußen“, fröstelt es Schulzz noch heute.

Als mehrere Kubikmeter Holz verfeuert waren, konnten die Aufnahmen in der verschneiten Natur beginnen. „Man hörte das Holz im Ofen knacksen und man hörte auch das Metall, wie es sich ausdehnte“, konnte sich das Team mit dem einen, aber nicht dem anderen Hintergrundgeräusch anfreunden. „Holz ja, Metall nein – irgendwann war es uns dann aber egal“, lacht Schulzz. Es gehört einfach zur Atmosphäre der Aufnahmen. Die einzigen Kontakte zur Außenwelt während dieser Klausur waren von den Einheimischen misstrauisch beäugte Einkäufe im Dorfladen und der Besuch einer Katze, die nachts immer die Szenerie durch die Glastür beobachtete. Sie gab aber der Platte nicht ihren Namen. Das war ein anderer Stubentiger im fernen Thailand. Auch „Night Boat To Surat Thani“, „Merry V.“ oder „Krabi Town“ sind Asien-Impressionen. Die auch mal skurril bis kryptisch erscheinenden Texte sind zwar im Booklet abgedruckt, erklären will der Künstler seine Lyrics aber nicht. „Deshalb habe ich sie ja alle von Rauti illustrieren lassen“, verweist der Reverend auf das keine CD-Gesamtkunstwerk. „Aber das funktioniert nicht“, wird er immer noch auf seine Storys angesprochen. In der Stadtbücherei sowieso, wo alle wirklich zuhören.

Musikszene Frankfurt: Westcoast/Eastcoast, Ffm, Stadtbücherei, 23.5., 20 Uhr, Eintritt frei
16. Mai 2018
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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