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Mit dem Jeep nach Afrika (Teil 41)
 

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Mit dem Jeep nach Afrika (Teil 41)

An der kenianischen Grenze

Wir sind nach 8 Stunden Fahrt endlich im Hotel an der Grenze zu Kenia angekommen. Es gibt nur Wasser aus Eimern und im Hotel ist es dreckig, nichts zum Wohlfühlen. Ich war noch beim Zoll und beim immigration office und hab flugs die Ausreise vorbereitet. Morgen um 8 Uhr macht der Zoll in Kenia auf und dann werden wir dastehen. Leider haben wir keinen getroffen, der mit uns fährt oder dem wir uns anschließen können. Wir werden sehen. Überall auf der Strecke sind bewaffnete Männer. Es ist mir schon ein wenig mulmig im Bauch, aber wir werden es schaffen. Peter schreibt euch, was wir so erlebt haben...
Bericht von Daniel Preuß

Abendessen bei Jana und Koratu 

Ich beginne mit dem gestrigen Abend, also 13. Februar abends. Wir sind bei Jana und Koratu im Camp. Ein blühender tropischer Garten, von der Trompetenblume über Hibiskus, Jakaranda, Palmen etc. fehlt hier nichts. Ich entdecke ein paar Kolibris und versuche, sie im Abendlicht auf den Sensor, beinahe hätte ich Film gesagt, zu bannen. Fast schon zu schattig. Daniel knüpft Kontakte mit einem deutschen Ehepaar, die ein Charityprogramm hier im Ort durchführen. Hier sind wieder zwei Hundchen, Momo und ..., die natürlich Aufmerksamkeit haben wollen. Jana stellt uns ihre Mama vor, die mir freundlicherweise ihre Ölgemälde zeigen will. Bei der Gelegenheit lerne ich das herrliche Haus von Jana kennen. Ein Atriumhaus, liebevoll deutsch, afrikanisch eingerichtet. Die beiden hübschen Zwillinge spielen Gesellschaftsspiele und lassen sich willig fotografieren.

Eine Regenfront zieht auf. Ich muss rasch mein Zelt aufbauen, denn es gibt hier keine Zimmer mehr und weitersuchen wollen wir nicht. Es sind noch deutsche Biker hier, die Äthiopien per Radl erkunden. 700 km haben sie in 3 Wochen schon heruntergereifelt, kein Vergnügen bei der Hitze und dem unwegsamen, bergigen Gelände, aber wer’s mag.

Ein kräftiger Wind setzt ein und wenige Minuten später folgt ein tropischer Regenschauer, der Frische bringt und den Staub bindet. Wir trinken guten äthiopischen Kaffee und essen hausgemachten Rührteigkuchen. Traumhaft in dieser Umgebung und es schmeckt ausgezeichnet. Der Regen lässt nach. Es ist noch etwas Zeit bis zum Abendessen und ich versuche, die Stimmung in Bild und Film einzufangen. Alle Radler sind jetzt von ihrer Tour zurück und hungrig. Jana trägt um 19 Uhr das Abendessen auf. Es beginnt mit einer Rote-Beete-Suppe mit Knoblauch, es folgen Salat und Kartoffelbrei mit Linsen, alles liebevoll selbst gekocht. Zum Nachtisch gibt's gebackene Bananen mit Ananas.

Ich hatte darum gebeten, für meine Videokamera eine echte Kaffeezeremonie einfangen zu dürfen. Jana erfüllt mir diesen Wunsch und eine Hausangestellte im traditionellen Gewand beginnt, die frisch gerösteten Bohnen mit einer Art Mörser zu zerstoßen. Kaffeeduft zieht herauf. Gleichzeitig wird Weihrauch entzündet und Gras mit Blüten ausgebreitet. Auf einem kleinen Holzkohlefeuer steht die gusseiserne, langhalsige und rundbauchige Kaffeekanne, in der bereits das Wasser zu kochen beginnt. Die zerstoßenen Bohnen werden mit einem Löffelchen oben in den schlanken Hals der Kanne gegeben. Weihrauch und Kaffeeduft mischen sich. Gespannt warten wir auf das erste Tässchen. Eigentlich ist es schon zu spät für den Koffeinschub, aber das wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Man muss normalerweise mindestens drei Tässchen trinken, das Ganze dauert eine Stunde und trägt zur Geselligkeit bei. Ein schöner Brauch, der leider während der italienischen Besatzung des Landes von Cappuccino und Latte macchiato verdrängt wurde.

Morgen werden wir im südlichen Hochland die Provinz Kaffa erreichen, wo seit Jahrhunderten wilder Kaffee wächst und unsere Etymologen fragen sich allen Ernstes, warum der Kaffee Kaffee heißt. Was für ein Schwachsinn. Den Namen Kaffa gibt es seit mehr als 2000 Jahren. Merkwürdigerweise heißt Kaffee hier Buna. Vielleicht stammt ja daher das Wort Kaffeebohne... (war nur ein Scherz). Die Frucht nennt sich jedenfalls Kaffeekirsche, nach dem Pflücken wird sie in der Sonne getrocknet und enthält je zwei „Bohnen" die man dann rösten kann, was hier traditionell noch zu Hause geschieht. Ich habe nach den drei Tässchen doch noch in meinem Zelt Schlaf gefunden, wenn auch ca. 1000 Hunde bellten und morgens um 5 Uhr der Muezzin vom Minarett der Moschee rief.

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Fahrt zur kenianischen Grenze 

Um 7 Uhr wird's in meinem Zelt sonnenhell und es ist Zeit, aufzustehen. Bei Daniel oben im Dachzelt regt sich auch schon etwas. Wir haben heute einen ganz schönen Streifen zu fahren und wollten eigentlich schon früher los, aber um 8 Uhr gibt's Frühstück und das wollen wir uns hier in der deutschen Oase nicht entgehen lassen. Also rasch das Zelt abgebaut, geduscht und zur Terrasse. Die Hundchen sind schon munter und Kurato ist fleißig im Garten und recht die Blätter zusammen, die der gestrige Windstoß von den Bäumen blies. Er will heute mit den Radlern für drei Tage durchs Land radeln. Daniel und ich sind die ersten am Frühstückstisch. Es gibt Omelette, Vollkornbrot, selbstgebacken, Baguette, Marmelade, Käse und frische Früchte aus dem Garten: Mango, Maracuja, Avocado etc. dazu frisch gepressten Fruchtsaft. Einfach einmalig. Leider sind wir nur einen Tag hier und heute geht's zur kenianischen Grenze. Ein Steifen von ca. 500 km auf nicht immer asphaltierter Straße.

Punkt 9 Uhr rollen wir vom Hof Richtung Süden. Am Ortsausgang entdecken wir eine neu gebaute Toyotawerkstatt. Überall neue Pick-ups und Geländewagen. Auf gerader Straße geht's dahin. Zunächst noch Eukalyptusbäume, die übrigens seit 1911 hier auf den gerodeten Waldflächen angebaut werden und zur Brennholzerzeugung genutzt werden. Auf der Straße sind wieder zahlreiche Menschen zu Fuß unterwegs, Hirten mit ihren Zeburinderherden, Schaf- und Ziegenhirten. Immer ein buntes Bild sind die regenbogenfarbenen Sonnenschirme, unter die sich zum Teil bis zu drei Leute drängen. Die Straße geht bergauf und bergab und man sieht sie bis zum Horizont dahin ziehen. Auf meiner Seite entdecke ich ein paar Lehm überzogene Rundhütten, neben Makati gedeckten Lehm- und Steinhäusern, alles sehr sauber. Weite Hügel erstrecken sich zu beiden Seiten der Straße und überall wohnen Menschen und bestellen Felder oder treiben Vieh zur Weide.

Die Sonne steigt und es wird heiß. Wir erreichen den Weiler Virga alem und glauben zunächst, dass wir uns verfahren haben, da der Pointer im GPS vom Weg abzeigt. Aber es ist nur eine neue Straße und wir erreichen nach einer weiteren Stunde den Ort Dila. Also doch richtig. Es ist für Daniel sehr ermüdend, zu fahren, da alle paar hundert Meter Herden die Fahrbahn kreuzen, aber auch Kinder plötzlich auf der Fahrbahn stehen und mit scharfem Hupen zurückgetrieben werden müssen. Jeder denkt, die Straße gehöre ihm. Wir können selten mal 80 km/h fahren, meist 50 und weniger.

Schon sind fast vier Stunden vergangen, als wir den größeren Distrikt Ort Aghere Myriam erreichen und dringend einer Pause bedürfen. Wir steuern ein Hotel an, parken das Auto im bewachten Innenhof und genießen im Hotelgarten, umringt von einheimischen Geschäftsleuten, den vorzüglichsten Kaffee. Leichter Rauchgeschmack, mal was anderes. Wir ergänzen außerdem unsere Wasservorräte. Weiter geht's.

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Abwechslungsreiche Landschaften 

Wir befinden uns mitten im Riftvalley und der Charakter der Landschaft wechselt. Es wird absolut tropisch afrikanisch, saftiges Grün, Bananenplantagen, kleine Eukalyptuswäldchen, Bambus, Palmen. Dazwischen kann der Blick plötzlich wieder weit schweifen, über Hügel hinunter ins Tal und zu weit entfernten blauen Bergen, die über 3000 m Höhe erreichen, da wir ja auf 2500 m Höhe fahren. Immer wieder die schnurgerade Straße bis zum Horizont, aber ständig aufpassen, hupen, bremsen, wieder anfahren, das nervt kolossal, auch mich als Beifahrer.

Noch immer sind es fast 300 km bis zur Grenze. Die Landschaft wechselt. Termitenhügel tauchen auf, überall rote Erde und natürlich ist hier eine Umleitung und es geht wieder im roten Staub weiter. Die Umleitung kommt uns sehr lange vor und wir haben Angst, uns verfahren zu haben, aber nein, da ist sie wieder, die Schlaglochpiste. Die Termitenhügel werden größer und größer. Ich fotografiere Daniel neben einem doppelt so hohen Hügel. Ein paar Regentropfen verschmieren die Frontscheibe, aber wirklich nur Tropfen, obwohl dicke Wolken aufgezogen sind, es wird schwül.

Wieder ändert sich der Landschaftstyp. Jetzt ist die Erde hellgrau und auch die Termitenhügel haben die Farbe gewechselt. Es ist fast 17 Uhr, die letzten Kilometer vor der Grenze rollt unser Toyota Landcruiser hinunter nach Moyale in eine Talsenke, umgeben von entfernten Gebirgszügen im Abendlicht. Rasch tanken wir, finden neben der Tankstelle das Hotel Kebele molla, in dem wir bleiben wollen. Auf Daniels Vorschlag erledigen wir noch den Zoll fürs Fahrzeug (Carnet) und Immigration, was in wenigen Minuten erledigt ist und fahren dann zurück zu unserem Hotel. Natürlich gibt’s kein Wasser. Also fällt die Dusche flach, das ist uns jetzt alles egal. Jedenfalls mundet das erste Bier und kurz darauf bereits das zweite. Während Daniel sich draußen vor der Tür mit Einheimischen unterhält, schreibe ich diesen Bericht. Morgen heißt es: Auf Wiedersehen Äthiopien, hello Kenia.In Ausgabe 01/07 des Journal Frankfurt berichteten wir über die 26-jährige Damaris Haensel. Damals war die angehende Haupt- und Realschullehrerin noch mitten in den Vorbereitungen für ihre ungewöhnliche Reise, die sie im Geländewagen bis nach Tansania führt. Der Weg nach Dar es Salaam, Tansania, ist lang. Seit mehr als 30 Tagen ist die Gruppe des Trail for Africa unterwegs. Sie besteht zum einen aus Offroad-Fahrern, die für die Expeditionsfahrt bezahlt haben und zum anderen aus Vertretern von Streetkids International (Damaris Haensel, dem Geschäftsführer der "Streetkids" Daniel Preuß und dem Kameramann Peter Becker), die sich auf den Weg zu den Waisenkindern gemacht haben. Früher als eigentlich geplant, hat sich die Gruppe nun getrennt: Daniel Preuß und Peter Becker fahren in einem Geländewagen zu den Kindern nach Dar es Salaam, um bei ihrer Ankunft wie geplant das Multipurpose Education Center (MEC) zu eröffnen und Damaris Haensel hat sich entschieden, die Expeditionsfahrt in der großen Gruppe mit mehreren Geländewagen fortzuführen.
 
16. Februar 2007, 09.35 Uhr
Peter
 
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