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Keep calm and do burpees! #freeletics
 

Keep calm and do burpees! #freeletics

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Iris muss die Frau von Hades sein

Foto: Patrick Schabe
Foto: Patrick Schabe
Freeletics ist der neue Trendsport. Unsere Kunstredakteurin stellt sich für 15 Wochen der Herausforderung und berichtet hier wöchentlich von ihren (schmerzhaften) Erfahrungen.
Die vergangenen Monate war meine sportlichste Aktivität wahrscheinlich das schlaue Nicken vor Gemälden in Kunstausstellungen. Doch eine App sorgt gerade dafür, dass sich das ändert. Eine App, in denen die Übungen nach griechischen Göttern benannt sind und Turnübungen Namen wie Burpees haben. „Burpees? Klingt nach rülpsen“, lautet der Kommentar meines Chefs als ich ihm das erste Mal von Freeletics erzähle. Als nächstes vermutet er dann, Freeletics sei eine Sekte. Dieser Banause. Es ist ein Sport, der aus hochintensivem Training mit dem eigenen Körpergewicht besteht und der inzwischen eine millionenstarke Community vorweisen kann. Zugegeben, bei meinen ersten Burpee-Versuchen musste ich zwar nicht rülpsen, elegant war mein Auftritt jedoch auch nicht unbedingt.

Das erste Mal: Ich stehe mit dem Handy in der Hand in meinem Schlafzimmer und schaue mir zum etwa zehnten Mal das Video von dem unverschämt fitten Vorturner an. Gerader Stand, Hände auf Fußhöhe bringen, in den Push-Up Stand gehen, Füße schwungvoll wieder nach vorne zu den Händen bringen und dann einen Standsprung machen. Ich kapiere es erstmal nicht. Kann ein Körper überhaupt so beweglich sein? Ich probiere es zaghaft aus und bekomme einen Lachanfall, weil ich mir so dämlich vorkomme. Etwas beherzter starte ich den nächsten Anlauf – und lande ordentlich auf der Nase. Aber so richtig. Ich verzichte jetzt mal auf detaillierte Beschreibungen meiner etwa tausend misslungenen Burpees, nur so viel: Es gingen so einige Flüche über meine Lippen bis ich endlich zwanzig am Stück schaffte, ohne mir einen halben Knochenbruch oder einen mittelschweren Infarkt zuzuziehen.

Freeletics ist kein grundsätzlicher neuer Sport, aber zurzeit erfährt er unter diesem Namen einen regelrechten Hype. Kaum notwendiges Zubehör, App für unterwegs, sehr günstiger, personalisierter Coach, dazu detaillierte Trainingserläuterungen in Form von Videos. Ziel ist es stets, die vorgegebenen Wiederholungen in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Je besser man ist, desto mehr Punkte erhält man und steigt so im Level auf. Geht man exakt nach Regelwerk vor, erhält man einen Stern. Es ist fast wie bei einem Computerspiel. Und ja, es ist wirklich motivierend, für seine Leistung Punkte zu erhalten.

Nach vier Wochen freiem Training fühle ich mich bereit für den Coach. Der Coach: Geliebt, gehasst, berühmt und berüchtigt. 15 Wochen, um den Körper in ungeahnte Bestform zu bringen. Ich bin nicht dick und auch nicht vollkommen unsportlich, aber wie wohl fast jede Frau meiner Generation hadere ich seit Teenager-Zeiten mit meinem Äußeren. Daran sind natürlich nur die bösen Medien mit ihrem verkorksten Schönheitsideal schuld. Aber egal, eigentlich bin ich einfach dieser typische „ich-mache-ein-halbes-Jahr-lang-jeden-Tag-Sport-und-dafür-dann-zwei-Jahre-gar-nichts“-Mensch. Diesmal wird alles anders, das weiß ich. Warum? Weil Freeletics Spaß macht. Ja, wirklich. Es macht Spaß morgens um 7 Uhr bei Nieselregen im Park zu sein und wie eine Bekloppte Workouts abzurackern, die alle nach griechischen Göttern benannt sind. Denn es ist einfach ein tolles Gefühl, anschließend sagen zu können: „Ich war morgens um 7 Uhr bei Nieselregen im Park und habe zweihundert Burpees gemacht.“

In meiner ersten Woche statten mir Hera und Iris einen Besuch ab. Hera stellt nicht wirklich eine Bedrohung dar: Ein paar 400-Meter Sprints, ein paar High-Knees (auf der Stelle rennen und Knie möglichst weit nach oben ziehen), das bekomme ich dank der paar Wochen eigenständigem Training hin. Iris ist da schon eine ganz andere Nummer. „Die Personifikation des Regenbogens“ heißt es bei der verlässlichen wissenschaftlichen Quelle Wikipedia. An schöne, bunte Himmelsverfärbungen muss ich während des Workouts allerdings nicht denken, mir wird eher schwarz vor Augen. Erst einen Kilometer laufen, dann fünf Runden lang abwechselnd 100 Jumping Jacks (Hampelmänner) und 100 Mountain Climbers (man kann das übrigens alles googlen). Den krönenden Abschluss bildet ein weiterer gerannter Kilometer. Es ist die Hölle. War Iris die Frau von Hades? So muss es sein. Es könnte zumindest eine Erklärung für diese Qualen sein. Alles tut weh. Mein Bizeps pocht, mein Trizeps pulsiert, meine Waden brennen und irgendeine Stelle unter meinem Hintern, deren Namen ich gar nicht kenne, droht zu explodieren.

Aber ich ziehe es durch, bis zum Ende. Etwa bei Jumping Jack Nummer 362 schaffe ich es sogar, den Gedanken an Schokokekse zu verdrängen. Genau genommen denke ich ab da gar nichts mehr. Anschließend liege ich auf meiner Fitnessmatte, starre in den grau verhangenen Himmel und lächle. Oh ja, es ist ein glückseliges Lächeln, denn es gibt einfach kein besseres Gefühl als etwas durchzuziehen, dass man sich noch eine Stunde zuvor nicht zugetraut hat. Knapp 56 Minuten habe ich gebraucht, einen Stern gab es auch. „Das geht noch besser“, denke ich während ich meine schmerzenden Oberschenkel massiere. Heute sind 56 Minuten meine persönliche Bestzeit, in zwei Wochen bin ich vielleicht schon zehn Minuten schneller. Der Schmerz wird vergehen, aber das großartige Gefühl über die eigene Leistung wird bleiben. Die erste Woche ist geschafft, morgen steht als erstes Training für die zweite Woche Kentauros auf dem Plan. Das angeblich schlimmste Workout bei Freeletics. Ich freue mich schon.
 
14. Oktober 2014, 11.33 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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