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Foto: hes
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Kunstprojekt

Guerilla Stricken in der Neuen Altstadt

Die Neue Altstadt ist seit vergangenem Wochenende ein Stück bunter: Das Geländer neben dem Schirn Café wurde mit Hilfe von 35 Kilogramm Wolle und 100 Kilometern Garnlänge in eine Straßenszenerie verwandelt. Dabei handelt es sich um sogenanntes Guerilla Stricken.
Yarnbombing, Guerilla Stricken, Urban Art, Strickgraffiti – es gibt viele Namen für das Kunstprojekt, das seit vergangenem Wochenende in der Neuen Altstadt zu sehen ist. Dabei handelt es sich um eine Form der Street Art, bei der gestrickte Kunst im öffentlichen Raum angebracht wird. David Wasser ist der Mann hinter dem Projekt. Die Idee entstand im November 2018 beim sogenannten Yarncamp – einem Camp rund ums Stricken, Häkeln und Nähen. 15 bis 20 Künstlerinnen und Künstler konnte Wasser für das Projekt gewinnen, die im April anfingen zu häkeln und zu stricken. Während diese quer aus Deutschland kommen, lebt Wasser selbst seit 30 Jahren in Frankfurt. Nach einem Location-Scouting fiel die Entscheidung auf die Neue Altstadt, erzählt er. Eine gute Wahl, wie sich jetzt zeigt: Die „Wollkenkratzer“, angebracht an den Säulen neben dem Schirn Café in der Neuen Altstadt, ziehen viele Blicke auf sich. Sogar die Stadtführungen halten hier schon und bringen Touristinnen und Touristen das Guerilla Stricken näher. Wasser selbst schaut täglich nach seiner Kunstinstallation; er habe Angst gehabt, dass sie Schaden vom Regen davontrage. „Doch bis jetzt sieht alles gut aus.“

Und das tut es tatsächlich: Mit viel Liebe zum Detail haben die Künstlerinnen und Künstler aus rund 35 Kilogramm Wolle und 100 Kilometern Garnlänge eine Straßenszene nachgestellt. Dort fahren Autos, Busse und Einsatzfahrzeuge. Aber es gibt auch Gullideckel, Katzen, Mäuse und Hunde, Blumenkästen und vieles mehr zu entdecken. Um die Säulen herum wurden Wolkenkratzer gestrickt, da finden sich beispielsweise der Messeturm und der Henninger Turm. Von den oberen Quersäulen hängen Wolken herab. Dabei sieht die Wollkunst nicht nur hübsch aus, sondern vermittelt durchaus auch Botschaften: Ein Zebrastreifen in Regenbogenfarben beispielsweise steht als Symbol für die queere Community.

Eine Genehmigung von der Stadt habe er nicht eingeholt, gibt der Künstler zu. „Das hätte wahrscheinlich ewig gedauert.“ Bis jetzt habe es aber keine Beschwerden gegeben. Die Strickkunst soll so lange zu sehen sein, „bis sie nicht mehr schön aussieht“, sagt Wasser. In Zukunft plane er weitere solcher Guerilla-Aktionen. Wo und was genau er sich vorstellt, möchte er noch nicht verraten.
 
7. November 2019, 12.25 Uhr
Helen Schindler
 
 
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