Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Zehn Jahre "Neue Wut"
 

Zehn Jahre "Neue Wut"

0

Filmemacher Martin Keßler zieht Bilanz

Foto: Martin Keßler
Foto: Martin Keßler
Ein Jahrzehnt lang hat Filmemacher Martin Keßler soziale Proteste mit der Kamera begleitet: Gegen die Hartz IV-Reform und Studiengebühren, aber auch Blockupy und Pegida. Am Dienstag zieht er im Naxos-Kino Bilanz.
Sieht man sich die Nachrichten an, könnte man meinen, die Menschen werden immer wütender: Im Jahr 2004 gingen sie gegen die Hartz-IV-Reformen auf die Straße, 2006 protestierten Studenten gegen Studiengebühren, es gab Demos gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007, vier Jahre später campierte Occupy vor der EZB, um gegen die Ursachen der Finanzkrise ein Zeichen zu setzen, darauf folgte Blockupy - mit allen Nebenwirkungen. Nicht von ungefähr ist seit Jahren die Rede von "Wutbürgern", die Politik in die eigenen Hände nehmen wollen.

Der Frankfurter Filmemacher Martin Keßler hat all diese Proteste mit der Kamera begleitet und Dokumentarfilme daraus gemacht. Über Jahre hinweg erkannte er ein Phänomen, das er die "Neue Wut" nannte - das war nicht nur der Titel seines Films über die Hartz-IV-Proteste, sondern auch der Name seines Langzeitprojekts. Nach zehn Jahren als Chronist zieht er am Dienstagabend in der Naxos-Halle Bilanz, schaut zurück auf die sozialen Proteste, zeigt Filmausschnitte und diskutiert die Hintergründe mit Politikern wie Ulrich Wilken (Linke) und Mike Josef (SPD), Gewerkschaftsvertretern, Globalisierungskritikern sowie Aktivisten.

Woher kommt diese "neue Wut"? Keßler zufolge sind sie Ausdruck davon, dass die Akzeptanz von politischen Parteien schwindet. "Die Menschen fühlen sich nicht mehr angemessen vertreten", sagt er. Dass die Pegida-Aktivisten genauso argumentieren, ist Keßler auch aufgefallen. Es gebe viele Parallelen zwischen Pegida und den Hartz-IV-Protesten - auch die Kundgebungen der Islamisierungsgegner in Dresden und Frankfurt hat er dokumentiert.

Martin Keßler reflektiert und kritisiert in seinen Filmen auch die Rolle der Medien. "Hysterisch und übertrieben" nennt er etwa die Berichterstattung zu den jüngsten Blockupy-Protesten in Frankfurt. Überwiegend sei über die Krawalle am Vormittag berichtet worden - das sei unverhältnismäßig. "Die Berichterstattung wird immer kurzarmiger und die Zusammenhänge geraten unter die Räder", sagt Keßler. Dabei spielten die Medien eine zentrale Rolle, weil sie Debatten anstoßen, aber auch Akteure diskreditieren - wie es etwa zuletzt bei Blockupy-Organisator Ulrich Wilken nach den Ausschreitungen am 18. März geschehen sei.

Doch leider seien in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten geringer geworden, Dokumentarfilme zu machen, die über Zusammenhänge aufklären. Man dürfe Protestbewegungen nämlich nicht isoliert betrachten, sagt Keßler und verweist dabei zum Beispiel auf die Proteste in Spanien, die er ebenfalls begleitet hat. Mehrere Filme hat Keßler bereits über den Protest gegen den Bau von Staudämmen im Brasilien gedreht.

Seine Bilanz fasst er so zusammen: "Im Laufe der Jahre konnte man verfolgen, dass die Bündnisse immer breiter und die Akzeptanz zivilgesellschaftlicher Proteste in Deutschland größer geworden ist", sagt Keßler. "Soziale Proteste sind in der Lage, etwas zu bewegen. Die Hartz-IV-Proteste haben die Regierung Schröder zu Fall gebracht und die Studentenproteste in Hessen die Regierung Koch."

>> Zehn Jahre Neue Wut – Eine kritische Bilanz mit Filmemacher Martin Keßler, Naxos-Kino, Waldschmidtstraße 19, 12. Mai, Beginn: 19.30 Uhr. Eintrit 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.
12. Mai 2015
Lukas Gedziorowski
 
Lukas Gedziorowski
Jahrgang 1985, Studium der Germanistik in Frankfurt, seit 2011 freier Journalist, seit 2013 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Lukas Gedziorowski >>
Mail schreiben
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Lost Stories: neue Form der Erinnerungskultur
0
Das Leben eines jeden Menschen ist es wert, erzählt zu werden
Die Austellungsreihe Lost Stories will den Umgang mit Altern, Sterben, Tod und Vergänglichkeit in den Alltag holen und eine neue Form der Erinnerungskultur kreieren. Das Pilotprojekt startet in Frankfurt, noch bis zum 23.7. läuft eine Crowdfunding-Aktion. – Weiterlesen >>
Text: Helen Schindler / Foto: Symbolbild © Pixabay
 
 
Sommerwerft 2019 vom 19.7.-4.8.
0
Kreativität statt Konsum
Am Freitag startet das kostenlose Theaterfestival Sommerwerft. Mit 300 Künstlerinnen und Künstlern ist es noch größer als im vergangenen Jahr. Und auch hier ist das Thema Klimaschutz angekommen: Durch eine Neuerung werden in diesem Jahr 36 000 Kilogramm CO2 eingespart. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: Stefano Strampelli
 
 
Haus am Dom: Sommerkino auf der Dachterrasse
0
Filme voller Musik, Liebe und Politik
Sommer ist Freiluftkino-Zeit: Auf der Dachterrasse des Hauses am Dom werden auch in diesem Jahr wieder Filme unter freiem Himmel gezeigt. Von 19. Juli bis 11. August werden acht verschiedene Filme auf die Leinwand projiziert. – Weiterlesen >>
Text: hes / Foto: D. Wiese-Gutheil/Haus am Dom
 
 
 
Interview mit Initiator vom Burg Herzberg Festival
0
Love and Peace
Das Burg Herzberg Festival feierte schon 2018 seinen 50. Geburtstag, ein Jahr vor Woodstock. Das JOURNAL FRANKFURT sprach mit Gunther Lorz, dem Geschäftsführer des Festivals, das dieses Jahr vom 25. bis 28. Juli im osthessischen Breitenbach stattfindet. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Graham Nash
 
 
Vom 13. Juli bis 22. September ist im Fotografie Forum Frankfurt die deutschlandweit erste eigene Ausstellung Michel Campeaus zu sehen. Noch vor der Digitalisierung widmete sich der Fotograf der analogen Fotografie, dem Zentrum seines Schaffens. – Weiterlesen >>
Text: Simge Selvi / Foto: FFF/Michel Campeau
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  660