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Städtische Bühnen: Denkmalschutz
 

Städtische Bühnen: Denkmalschutz

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Keine Rekonstruktion des Schauspielhauses

Foto: © Harald Schröder
Foto: © Harald Schröder
Eine Rekonstruktion des Schauspielhauses von 1902, wie es die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt fordert, wird es nicht geben. Kulturdezernentin Ina Hartwig nannte am Dienstag die Gründe für diese Entscheidung.
Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sprach sich am Dienstag gegen eine Rekonstruktion des Schauspielhauses von 1902 und damit gegen das Begehren der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt aus. In einem komplexen, demokratischen Prozess, der durch umfangreiche Prüfungsverfahren, umfassende Untersuchungen der vorhandenen Bausubstanz und öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie eine intensive politische Debatte begleitet worden ist, habe der Vorschlag keine Mehrheit gefunden.

Die Anforderungen an einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Spielbetrieb könne mit einer Rekonstruktion nicht garantiert werden; der Platzbedarf sowie die Bühnentechnik seien mit den vor mehr als 100 Jahren gängigen Theaterstandards nicht vereinbar. Dies gelte auch für die Publikumsbereiche: „Zeitgemäße Bühnenbauten – zum Beispiel das Schauspiel Kopenhagen – geben dem angrenzenden Stadtraum, etwa über offene Foyers und allgemein zugängliche Erdgeschossbereiche öffentlichen Raum zurück“, sagte Hartwig.

Zudem sei von dem ursprünglichen Gebäude laut den Untersuchungsergebnissen der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen nur noch rund 25 Prozent der Rohbausubstanz vorhanden. Es handele sich dabei vornehmlich um die Fundamente und tragende Wände der unteren Geschosse. Da das Gebäude im Krieg weitgehend zerstört wurde, liege der Erhalt der originalen Baudekoration, also der schmückenden Elemente des Gebäudes, bei weniger als zehn Prozent. „Im Falle einer Rekonstruktion müsste das Gebäude aus der Kaiserzeit folglich nahezu komplett neu nachgebaut werden, ohne dass die heutigen Anforderungen des Schauspiels auch nur annähernd abgebildet würden“, so die Kulturdezernentin. Die Stadtverordneten hätten sich aus diesen Gründen am 3. September gegen eine bauliche oder konzeptionelle Rekonstruktion des Schauspielhauses von 1902 ausgesprochen.
 
16. September 2020, 12.30 Uhr
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Leser-Kommentare

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Axel Spellenberg am 18.10.2020, 13:49 Uhr:
So werden falsche Darstellungen zur Grundlage von Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung. Weder wurde das Alte Schauspielhaus "im Krieg weitgehend zerstört", noch ist es nach der Rekonstruktion nicht nach den modernsten Standards bespielbar. Nach der Darlegung der Kulturdzernentin wären viele historische Theaterbauten in Deutschland und Europa nicht bespielbar. Sind es aber, und erfreuen sich größter Beliebtheit. Zahlreiche deutsche Theaterbauten wurden nach Kriegszerstörungen- oder Beschädigungen rekonstruiert und sind heute bespielbar. Das Alte Schauspielhaus von Heinrich Seeling - der zahlreiche noch bespielbare Theaterbauten schuf - wurde im Krieg lediglich am Bühnenturm teilzerstört und brannte aus. Die massiven Mauern trotzten Bomben und Brand, nicht aber der sinnlosen Zerstörung nach dem Krieg. Der Großteil der noch weitgehend erhalten gebliebenen Jugendstilfassade bestand noch und wurde im Zuge des Neubaus der Theaterdoppelanlage abgebrochen, der Jugendstildekor komplett abgeschlagen. Das war eine barbarische Zerstörung und Vernichtung eines BAUKUNSTWERKS des JUGENDSTILS von höchstem Rang. Der Jugendstil war eine Gegenbewegung zum Historismus u. a. eines Kaiser Wilhelm II., die häufig gelesene Darstellung, es handele sich um einen "Kaiser-Wilhelm-Bau" ist daher widerlegt. Aber damit lässt sich Stimmung gegen den Wiederaufbau des größten Jugendstilwerkes in Frankfurt machen. Auch mit der Darstellung der mangelnden Bespielbarkeit. Stadtverordnete sind großteils Laie im Theaterbau und richten sich dann nach solchen Darstellungen. Sehr wohl können Altes Schauspielhaus und eine neue Oper am Standort Willy-Brandt-Platz erbaut werden. Das ist theaterwirtschaftlich, funktional und finanziell optimal. Lediglich Teilflächen für Lager und Kulissen müssten ausgelagert werden, wofür die notwendigen Interimsflächen nach Beendigung des Interims weiterhin genutzt werden können. Frankfurt ist es dem renommierten deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling bis dato schuldig geblieben, seinen Ruf, architektonisches Werk und Kunstwerke wiederherzustellen. Baukunst ist nach Vitruv "Die Mutter aller Künste" - wer hätte es nach dem Krieg denn gewagt, Kunstwerke wie Gemälde oder Skulpturen zu vernichten, nur weil sie beschädigt waren? Die Einstufung von Baukunst in eine der modernen Nachkriegspolitik im Wege stehende, überfällige "Bausubstanz" zieht sich von 1945 bis 2020, es ist nichts anderes als einen unwissende, die KUNST ignorierende Politik.
 
Matthias Müntze am 16.9.2020, 23:31 Uhr:
Die Behauptung, dass eine moderne Spielstätte hinter einer dekorativen Fassade nicht möglich sei, ist ein vorgeschobener Grund: die rekonstruierte Dresdener Semperoper, aber auch originale historische Spielstätten, wie das Burgtheater, die Opéra Garnier und unzählige weitere, beweisen, dass dies geht. Hinter der dekorativen Fassade kann moderne Technik gesetzt werden. Ähnliche Behauptungen, es sei "unmöglich" wurden vor der Wiederherstellung des Hühnermarktes auch von "Experten" hervorgebracht: Die Decken seien zu niedrig, die Räume zu klein, u.s.w. Der SPD, die unlängst erklärt hat, dass die Kernidentitäten von Frankfurt in den Bauten von Ernst May liegen (also nicht etwa in den Museen, der Alten Oper, dem Dom, dem Römer, etc.), geht es vielmehr darum aus ideologisch bedingten Feindschaft gegen dekorative und ornamentierte Fassaden die Zustände des 20. Jahrhunderts zu konservieren und den ästhetischen Fortschritt zu behindern. Auf der Website der SPD-Fraktion kann man auch pikanterweise lesen, dass modernes Theater nicht hinter historischen Fassaden möglich sei. Die Frankfurter SPD wendet sich damit gegen unser kulturelles Erbe. Diese Entwicklung ist sehr gefährlich, weil für den Tourismus die ästhetische Weiterentwicklung Frankfurts wichtig ist. Diese bekommen wir nicht mit den gescheiterten Methoden des 20. Jahrhunderts
 
 
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