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Foto: Guido Reni, Himmelfahrt Mariens © Städel Museum
Foto: Guido Reni, Himmelfahrt Mariens © Städel Museum

Städel Museum

Die Wiederentdeckung des Guido Reni

Das Städel Museum präsentiert das Werk des italienischen Barockkünstlers Guido Reni, der zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Maler Europas war. Zu sehen ist die größte Anzahl eigenhändiger Werke, die je an einem Ort gezeigt wurde.
Es gibt Künstler, die vergessen werden, weil sie zu erfolgreich waren, sagt Städel-Direktor Philipp Demandt. Dies scheint paradox zu sein, trifft aber auf eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern zu – besonders, wenn sie das Pech hatten, dass ihre Werke in späteren Epochen in Reproduktionen verkitscht wurden. Guido Reni war zu Lebzeiten bereits ein Star und erhielt auch deswegen den Beinamen „der Göttliche“. Seine Auftraggeber aus Adel und Klerus umwarben ihn. Er selbst war sich seines Ruhmes bewusst, eine Persönlichkeit, wie sie der Barock hervorbringen konnte. Guido Reni war begabt, erfolgreich und hoffnungslos spielsüchtig. Dies geht aus einer ausführlichen Lebensbeschreibung des Carlo Cesare Malvasia hervor, die dieser 1678 veröffentlichte.

Einer seiner größten Förderer war Papst Paul V. Borghese, von ihm ist eine Büste ausgestellt, die der Bildhauer Gianlorenzo Bernini, fertigte. Guido Reni selbst stieg zu einem der führenden Maler Roms auf. Er führt im Auftrag der Borghese große Projekte aus, bevor er 1614 wieder in seine Heimatstadt Bologna zurückkehrte, wo er ebenfalls große Aufträge übertragen bekam. Seine Malerei war über Jahrhunderte hochgeschätzt. Im 19. Jahrhundert wendete sich dann das Blatt. Der große Reni verlor an Popularität und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt. Die Ausstellung im Städel zeigt mit über 130 Gemälden, Zeichnungen und Radierungen die größten Anzahl an eigenhändiger Arbeiten, die jemals von Guido Reni an einem Ort gezeigt wurde.

Eines der Hauptwerke Guido Renis stammt aus der Sammlung des Städel Museums: Die „Himmelfahrt Mariens“ (um 1598/99), ein Gemälde, dass der Städelsche Museums-Verein 2014 zum 200. Jubiläum des Museums erworben hatte. Es ist keine dramatische Himmelfahrt, wie bei vielen seiner Zeitgenossen zu sehen, sondern eher ein leises sphärisches Schweben, das Reni darstellt. In der Bildmitte sitzt Maria in blassrotem Gewand und blauem Mantel. Sie hat die Arme weit ausgebreitet und den Blick verklärt gen Himmel gerichtet. Die deutschsprachige Kunstgeschichte bezeichnet dies als „himmelnden Blick“ und tatsächlich ist dies ein Markenzeichen Renis und hier wohl das erste Mal, dass dieses Motiv bildbestimmend bei der Hauptfigur zum Einsatz kam.

„Guido Reni ist ohne Zweifel DER Maler der Himmelsvision. Kein anderer Künstler der Frühen Neuzeit verschrieb sich in seinem Schaffen so konsequent der Veranschaulichung des Göttlichen, der Suche nach einem visuellen Äquivalent für die dem menschlichen Auge unzugängliche Welt jenseits des Irdischen, dem Entwurf einer Ästhetik des Paradieses“, schreibt Kurator Bastian Eclercy im zur Ausstellung erschienenen Katalog. Mehr als die Meisten sei Reni bestrebt gewesen, „die himmlische Atmosphäre mit malerischen Mitteln einzufangen und über den Sehsinn das Herz der Betrachter zu bewegen“.

Der Biograf Malvasia sieht in Guido Reni einen Gegenentwurf zu Caravaggio, und augenscheinlich steht Renis feine, sphärische Malerei in Kontrast zum dramatischen Chiaroscuro des Lombarden. Paradoxerweise wird Reni aber zu einem der ersten „Caravaggisten“. Beispielhaft dafür steht „Christus an der Geißelsäule“, ein Gemälde, das ebenfalls aus der Städel-Sammlung stammt. In den späten 1620er-Jahren hellt sich Renis Farbpalette auf, ein bevorzugtes Motiv ist der leidende, aber unversehrte Christus. Sein Spätwerk tendiert fast zur Monochromie. In der Ausstellung werden mit erstmaligen Gegenüberstellungen jüngste Forschungsentwicklungen präsentiert. Guido Reni, der Malerstar, ist dem Vergessen entrissen worden – hoffentlich für immer.

>>Guido Reni, Der Göttliche, bis 5. März 2023, Städel Museum, Weitere Infos: www.staedelmuseum.de
 
23. November 2022, 10.08 Uhr
Jasmin Schülke
 
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt. – Mehr von Jasmin Schülke >>
 
 
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