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Spurensuche im ehemaligen Monza
 

Spurensuche im ehemaligen Monza

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Tobias Rehberger und die zerlegte Skulptur

Zusammen mit einem Team der ARD machte sich der Künstler auf die Suche nach Teilen einer Installation aus dem Club Nusoul. Das führt zu Tauwetter bei der DekaBank, die sich für die Kunsträumung entschuldigt.
Es ist ein Wiedersehen. "Das kommt mir bekannt vor", sagt Tobias Rehberger. Und dann: "Jetzt wo wir es gefunden haben, kann es auch vernichtet werden." Der Städelschul-Professor steht vor einer unscheinbaren schwarzen Holzkiste, der mit Sprühfarbe ein Muster verpasst wurde. Einst war sie Teil einer Installation Rehbergers im Raucherbereich des Clubs Nusoul. Eine Skulptur, wenn auch vielleicht nicht als solche zu erkennen. "Bei einem Werk Michelangelos würde man es sehen, wenn ein Kopf oder ein Arm fehlt", sagt Rehberger.

Der Club Nusoul existiert nicht mehr, die DekaBank entzog den Brüdern Zeleke die Lizenz zur Party, nachdem eine Mietzahlung versäumt wurde. Das ist der eine Teil der Geschichte. Der andere ist, dass Tobias Rehberger darauf drängte, dass sein Werk nicht weiterverkauft, nicht teilentsorgt, nicht an Dritte weitergegeben werden dürfe. Das aber geschah unter den Augen der Sparkassen-Finanzgruppe beziehungsweise deren Unternehmen Deka, ein weltweites Fonds-Konglomerat mit milliardenschweren Immobilien. Bislang weigerte sich die Bank, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, sie habe den Wunsch des Künstlers missachtet. Jetzt aber, als ein Team der ARD-Tagesschau den Künstler mit seiner Kunst zusammenbringt, ändert sich das.

Die Reste der Installation finden sich im ehemaligen Monza-Club, das Journal Frankfurt deckte die Geschichte im Februar auf, da gab es das Monza noch. Mittlerweile finden dort, bis zur endgültigen Entwicklung des Gebäudes in der Berliner Straße 74, wöchentlich Kunstausstellungen statt, kürzlich auch eine des HfG-Stundenten Marek Kochanowcz, der sich künstlerisch mit dem verschwundenen Rehberger auseinandergesetzt hat.

In einer schriftlichen Stellungnahme gibt die DekaBank nun erstmals zu, vom Wunsch des Künstlers vor der Räumung gewusst zu haben: „Die Deka nahm von sich aus vor der Räumung der Mietfläche Kontakt mit Herrn Professor Rehberger auf, um ihm 'die Möglichkeit einzuräumen, Ihre Interessen und Wünsche angemessen zu berücksichtigen' " Der Künstler antwortete schriftlich, dass es sich "um eine ortsbezogene Kunstgestaltung" handele, die nur im Kontext mit dem Nusoul selbst einen künstlerischen Wert besitze. Rehberger bekräftigt im persönlichen Gespräch, dass er diese Arbeit als Geschenk an seine Freunde angefertigt habe – und eine Weitergabe nicht wünschte. "Wir bedauern sehr, dass der Wunsch von Herrn Professor Rehberger, die Objekte nicht in Hände Dritter gelangen zu lassen, von uns nicht konsequent umgesetzt wurde. Dies ist unser Versäumnis und entspricht nicht dem Anspruch unseres Hauses an den Umgang mit Kunst", schreibt die Bank nun. Und weiter: "Die entstandenen Unannehmlichkeiten für Herrn Professor Rehberger und sein Wirken als Künstler bedauern wir sehr und haben dies auch in einem persönlichen Gespräch zum Ausdruck gebracht.“

Tobias Rehberger drückt es anders aus: "In dieser Angelegenheit gibt es keine Gewinner." Für die DekaBank ist das entfernte Kunstwerk besonders aus zwei Gründen ein Verlust (wenn man einmal vom Imageschaden absieht): Erstens hat die Bank in den vergangenen Jahren immer wieder Werke von Rehberger für ihre Sammlung angekauft. Zweitens liegt in der Zerstörung eines solchen Werks eine nicht unerhebliche Kapitalvernichtung vor. Tobias Rehberger sieht es locker. "Der Wert lässt sich schwer beziffern - es war ein Geschenk, es hat also niemand dafür bezahlt. Das Geschenk wurde zerstört, also auch nie verkauft." Und wenn es doch bezahlt worden wäre? "Dann wäre es sicherlich teurer geworden als der durchschnittliche Samstagnachmittageinkauf", sagt Rehberger in der Tagesschau. Es sei nun schon das zweite Mal, das ein Kunstwerk zerstört worden sei, damit müsse man leben. "Wenn man an die Badewanne von Joseph Beuys denkt, befindet man sich da ja aber auch nicht in allerschlechtester Gesellschaft."
 
30. Oktober 2013, 09.36 Uhr
Nils Bremer
 
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