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Foto: El Franco Lee II, DJ Screw in Heaven, 2008, Acryl auf Leinwand, 96,5 x 121,9 cm © Schirn
Foto: El Franco Lee II, DJ Screw in Heaven, 2008, Acryl auf Leinwand, 96,5 x 121,9 cm © Schirn

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Hip-Hop wird museal

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt in der Ausstellung „The Culture“ den Einfluss der Musikrichtung, die ihre Anfänge im Underground nahm, den Mainstream eroberte und nun Einzug ins Museum hält.
Vor rund 50 Jahren wurde im New Yorker Stadtteil Bronx der Grundstein für eines der erfolgreichsten Genres der Musikgeschichte gelegt. Viele sehen in einer Party des DJs Cool Herc die Geburtsstunde des Hip-Hop. Weltweit bekannt wurde Hip-Hop dann 1979 durch den Track der Sugerhill Gang „Rapper‘s Delight“ („I said a hip, hop, the hippie, the hippie to the hip hip hop a you don‘t stop the rock...”).

Und heute? 50 Jahre später ist Hip-Hop reif fürs Museum. Zumindest ist die Musikrichtung schon lange nicht mehr Underground, sondern hat längst den Mainstream erobert und übt einen erheblichen Einfluss auf u.a. Sprache, Konsum und auf die Bildende Kunst aus. Hip-Hop ist von einer Form der Selbstermächtigung zur globalen Industrie geworden. Die Schirn Kunsthalle widmet diesem Phänomen eine Ausstellung und will deren Einflüsse aufzeigen.

„Von Anfang an übte Hip-Hop Kritik an vorherrschenden Strukturen und kulturellen Erzählungen“

Doch was ist Hip-Hop überhaupt? Zwar wird er synonym für die Musik verwendet, doch er umfasst mehr. Durch große Blockpartys entwickelte er sich zu einer eigenständigen Kultur, die auf den vier Säulen Rappen, DJing, Breakdance und Graffiti gründet.

„Von Anfang an übte Hip-Hop Kritik an vorherrschenden Strukturen und kulturellen Erzählungen und bot neue Möglichkeiten, um Erfahrungen auszudrücken und Alternativen zu bestehenden Machtverhältnissen zu schaffen. Dies ging mit einem wachsenden sozialen und politischen Bewusstsein sowie Wissensbildung einher, die als fünfte Säule angesehen wird. Heute ist Hip-Hop vor allem ein globales Phänomen, das zahlreiche Innovationen in Musik, Mode, Technologie sowie bildender und darstellender Kunst vorangetrieben hat“, ist in der Ausstellungsbeschreibung der Schirn zu lesen.

Schirn Kunsthalle Frankfurt: „The Culture“ vs. Kultur

Basierend auf den Ursprüngen des Hip-Hop in den USA präsentiert die Ausstellung in der Schirn über 100 Arbeiten zumeist aus den vergangenen 20 Jahren, darunter Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Videos sowie Mode von international bekannten Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart, darunter Lauren Halsey, Julie Mehretu, Tschabalala Self, Arthur Jafa, Kahlil Joseph, Virgil Abloh und Gordon Parks. Sie gliedert sich in die sechs Themenbereiche Pose, Marke, Schmuck, Tribut, Aufstieg und Sprache. „The Culture“ beleuchtet damit nicht nur die politischen und kulturellen Merkmale, sondern widmet sich auch ästhetischen Aspekten, wie Luxuslabels, Zahnschmuck und anderem.

Die Ausstellung will zudem zeitgenössische Themen und Debatten aufgreifen – von Identität, Rassismus und Appropriation bis hin zu Sexualität, Feminismus und Empowerment. Der Ausdruck „The Culture“ stammt aus der schwarzen Diaspora-Kultur, die von Hip-Hop tief geprägt wurde. In den Kunstinstitutionen hingegen ist der Begriff Kultur mit einem europäisch oder westlich geprägten Verständnis von Ästhetiken, Werten und Traditionen verbunden.

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Was ist zu sehen? Eine Auswahl

Der viel zu früh verstorbene Künstler Jean-Michel Basquiat gestaltete für die Musiker K-Rob und Rammellzee das Cover ihres Albums mit Kronen, Knochen und Blitzen. Die Platte wurde auf Basquiats Label Tartown veröffentlicht, zu lesen ist das in bewusst simpel gehaltenen Buchstaben. Dies zeigt die enge Verbindung von Kunst und Hip-Hop, die von Anfang an bestand.



Rammellzee und K-Rob, mit Jean-Michel Basquiat, Beat Bop / Test Pressing, 1983, Nachdruck 2001, Vinylplatte, 31,1 x 31,1 cm © Schirn

Eine solche Verschränkung findet sich auch in der Arbeit der Künstlerin Tschabalala Self wieder, die eine junge Frau in einem zweiteiligen rosa gepunkteten Outfit auf dem Boden sitzend zeigt. Sie hält einen Telefonhörer in der Hand und lächelt. Die Arbeit basiert auf den persönlichen Erinnerungen der Künstlerin an ihre Schwester Princetta, die Einrichtung soll an deren Jugendzimmer im Haus der Familie in Harlem erinnern. Ein Poster von Lil’ Kim – ein Werbebild für ihr Debütalbum Hard Core von 1996 – hängt an der Wand über der Szene. Jenes Poster war für die Künstlerin von großer Bedeutung: Es zeigt ihr Interesse an der Rolle des schwarzen weiblichen Körpers in der zeitgenössischen schwarzen Kultur.



Tschabalala Self, Seta's Room 1996, 2022, Fototransfer, Papier, Acrylfarbe, Faden und bemalte Leinwand auf Leinwand, 243,8 x 213,4 cm © Schirn

Roberto Lugo ist ein in Philadelphia lebender Künstler, der sich auf seine ganz eigene Art der Töpfer- und Keramikkunst widmet: So hat er eine klassische Vase mit dem Konterfei von Notorious B.I.G. versehen. Der Musiker, der im Alter von 24 Jahren in Los Angeles ermordet wurde, war einer der bekanntesten Hip-Hop-Protagonisten der 90er-Jahre und Wegbereiter in den Mainstream.



Roberto Lugo, Street Shrine 1: A Notorious Story (Biggie), 2019, Glasierte Keramik, 137,2 x 68,6 cm © Schirn

„Grillz“ heißt der Statement-Schmuck, der über die Zähne gestülpt wird. Der Konzeptkünstler Hank Willis Thomas lenkt den Blick auf einen solchen Schmuck, seine Fotografie zeigt einen geöffneten Mund, der die Buchstaben „Black Power“ freigibt.



Hank Willis Thomas, BlackPower 2006, Chromogener Druck, 40,6 x 50,8 cm © Schirn

Derrick Adams inszeniert Jay-Z als Gentleman mit Hut, weißem Schal, Zigarre und edlem Schmuck. Es ist das Bildnis eines Künstlers, der zum Star geworden ist. „I’m not a businessman, I’m a business, man!“ (Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin ein Geschäft, Mann!), verkündete Jay-Z im Jahr 2005. Kurz darauf durchbrach er als erster Rapper die Milliarden-Dollar-Marke mit seinem Nettovermögen.



Derrick Adams, Heir to the Throne, 2021, NFT, Dauer: 11 Sekunden © Schirn

Hip-Hop-Künstlerinnen und -Künstler werden seit einigen Jahren immer stärker selbst zur Marke bzw. zur Marke gemacht – mit eigenen Modelinien oder Kooperationen mit Luxuslabels. Hassan Hajjaj hat die Rapperin Cardi B auf zwei grünen, gestapelten Plastikkisten vor einem Sternenbanner Platz nehmen lassen, das Bildnis wird umrahmt von Teedosen – eine Komposition, die an Warhol erinnert. Wer ist hier Star, was ist Produkt? Die Grenzen verschwimmen.



Hassan Hajjaj © Schirn

Info
„The Culture“ – das Begleitprogramm

28. Februar, 19 Uhr: Opening Ceremony (Eintritt frei) mit DJ-Sets von Haitian Star aka Torch (Advanced Chemistry) und Chelo.
29. Februar, 19 Uhr: Die Co-Kuratorinnen Asma Naeem (Direktorin des Baltimore Museums of Art) und Andréa Purnell (Saint Louis Art Museum) sprechen mit Schirn-Kurator Matthias Ulrich über den Einzug von Hip-Hop in die zeitgenössische Kunst.
5. März und 7. Mai, 19.30 Uhr: Miriam Davoudvandi, Moderatorin und DJ, spricht mit Protagonistinnen der deutschen Hip-Hop- und Rap-Szene. U.a. zu Gast: Sabrina Setlur.
13. April, 20 bis 24 Uhr: Schirn at night: Ausstellungsbesuch und Party: Live-Performances und eine Hip-Hop Jam von Be Shoo.
20. April, 15 bis 21 Uhr: Kinderkunstnacht: Workshops, Familienführungen, Kinderdisco, ab vier Jahren.
27. April: Blockparty im Kunstverein Familie Montez. Der Kunstverein präsentiert in Kooperation mit der Schirn die Videoinstallation ISDN von Stan Douglas. Infos: www.kvfm.de
17. bis 19. Mai, jeweils 19.30 Uhr: Word Cup reloaded: In der Veranstaltungsreihe, die sich am ehemaligen Hip-Hop-TV-Format Word Cup anlehnt, blicken Tyron Ricketts und Gäste auf die Hip-Hop-Kultur im deutschen Kontext.

Die Ausstellung in der Schirn wird im Kunstverein Familie Montez mit der Videoinstallation ISDN von Stan Douglas fortgesetzt und mit einer Ausstellung der Meilensteine des Hip-Hop im MOMEM sowie mit einer Filmreihe zur 50-jährigen Geschichte des Hip-Hop im DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum ergänzt. Zu sehen sind „Wild Style“ (1982), der gemeinhin als erster Hip-Hop-Film gilt, „Beat Street“ (1984) sowie der Dokumentarfilm „Style Wars“ (1983). Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

Ausstellungsdauer: 29. Februar bis 26. Mai., Schirn Kunsthalle Frankfurt, www.schirn.de
 
28. Februar 2024, 12.00 Uhr
Jasmin Schülke
 
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt. – Mehr von Jasmin Schülke >>
 
 
Fotogalerie:
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