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Goetheplakette from Frankfurt with Love
 
Goetheplakette from Frankfurt with Love
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Diese Dankesrede von Moses Pelham ist eine Liebeserklärung an Frankfurt
Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Anlässlich der Verleihung der Goetheplakette der Stadt Frankfurt, hielt der Preisträger Moses Pelham eine bemerkenswerte Rede. In ihr dankt der Musiker seiner Heimatstadt und vielen Weggefährten.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Feldmann, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, liebe Freunde,

herzlichen, aufrichtigen Dank für diese wunderbare Würdigung meiner Arbeit.

Dass das, womit meine Mitstreiter und ich unsere Leben verbringen, auch auf dieser Ebene nicht unbemerkt bleibt, nicht nichts ist, ist gut fürs Herz. Ist ein Geschenk. Und eine Ermunterung, damit fortzufahren. Auch wenn es mal schwer ist. Und das ist es von Zeit zu Zeit.

Es ist fabelhaft jetzt hier zu stehen mit dieser Plakette, die nach dem Größten unserer Stadt benannt ist. Dem ich – daraus muss, kann und will ich keinen Hehl machen – nacheifere, wenn ich versuche, wie er es formulierte, Vortreffliches zu erkennen und es festzuhalten wage.

Goethe war es auch, der formulierte:
„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Ich wiederholte diese, seine Worte schon des Öfteren.

Sie sind Leitsatz meines aktuellen Albums „Herz“, waren meine Worte, als ich in diesem Jahr in München mit meiner Band Glashaus für Mut in der Kommunikation geehrt wurde und waren mir oft genug in Stunden von Zweifel Mahnung.

„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Vielleicht sind diese Worte auch ein Weg, mir selbst zu erklären, dass ich heute hier stehen darf. Denn das, womit ich mich beschäftige, was ich, wenn Gott es will, am Ende meiner Mühen erhalte, will nichts anderes als das Herz meines Nächsten erreichen. Von Herzen. Gleich wie naiv oder pathetisch das klingen mag: wahrhaftig von Herz zu Herz.

Man sagt, der Prophet gilt nichts im eigenen Lande. Aber hier stehe ich mit dieser Ehrung meiner Stadt, mitten in meiner Stadt.

Nicht weit von wo ich zur Schule ging und Lehrer wie Mitschüler mit meinen ersten Reimen belästigte. Es soll in der Bettinaschule noch immer Bänke geben, auf denen meine Reime stehen.

Hier in der Nähe der Hauptwache, wo ich als Teenager Edwin Lopez, auch bekannt als Eddie Action, und Rico Sparxx kennenlernte, der uns, wie ein großer Bruder, Hip-Hop lehrte, mir diesen Weg der Kommunikation schenkte und mich stolz machte, als er mich in seine Crew "We wear the crown" aufnahm.

Ich stehe hier mitten in Frankfurt, in fußläufiger Entfernung des ehemaligen Sinkkastens und des Funkadelics, wo wir unsere ersten Auftritte hatten und dazwischen im Crown Sound Studio unsere ersten Aufnahmen machten.

Hier in Frankfurt, der Heimat von Sven Väth, Michael Münzing und Luca Anzilotti, deren Erfolge es überhaupt möglich machten, dass wir in ihren Studios erste Platten aufnehmen durften.

Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe der Konstablerwache, wo mein Freund Eddie Hartsch seinen Skateboardladen betrieb, in dem wir uns trafen, um von dort aus zu Veranstaltungen in der ganzen Republik zu fahren, um dort deutlich zu machen, dass – wie wir zu sagen pflegten – Frankfurt im Haus ist.

Derselbe Skateboardladen, in dem ich Stephan Weidner kennenlernte, dessen Texte mir Hoffnung schenkten, als ich verzweifelt darüber, dass mein damals noch englischsprachiger Sprechgesang eher als weiteres perkussives Element wahrgenommen wurde, wusste, dass die Kommunikation von Herz zu Herz in unserem Lande natürlich in unserer Sprache und nicht über den Umweg der englischen geschehen musste, aber alles, was ich an deutschsprachiger Popmusik bis zu diesem Zeitpunkt gehört hatte, auf mich unaufrichtig und alles andere als von Herzen kommend wirkte.

Hier in Frankfurt, wenige S-Bahnstationen von meinem Heimatstadtteil, in dem wir sodann begannen, selbst mit der deutschen Sprache zu experimentieren. Das Wort „Projekt“ im Namen Rödelheim Hartreim Projekt offenbart doch, dass das Ganze, so nötig es uns erschien, noch immer ein Experiment war, dessen Ausgang niemand vorauszusagen vermochte.

Ich stehe hier in meiner Stadt, in der ich Mitstreiter fand, Freunde, die mir beistanden und ermöglichten meine Vision zu verwirklichen.

Hier in Frankfurt, wo wir 1990 3p gründeten und bis zum heutigen Tage den Betrieb aufrechterhalten.

Hier in Frankfurt, wo es – und das hat man ja leider fast schon wieder vergessen – mit CBS, wo mein Freund Dr. Udo Kornmeier arbeitete, und später Sony Music auch Musikindustrie gab, deren Geschäftsführer Jochen Leuschner uns unter Vertrag nahm und uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnete.

Ich stehe hier mitten in Frankfurt, wo ich in den vergangenen 28 Jahren mit Martin Haas 388 veröffentlichte Lieder zutage förderte, von denen manche für immer im Herzen des einen oder anderen Hörers sein werden.

Hier, wo ich geboren bin, wo meine Familie und Freunde sind.

Und man sagt, der Prophet gilt nichts im eigenen Lande.

Ich weiß nicht, ob meine Geschichte in einer anderen Stadt möglich gewesen wäre, ich hege daran, offengesprochen, meine Zweifel, aber ich weiß, dass sie sich hier ereignete. Weil hier Menschen waren, die es möglich machten. Menschen, die ein offenes Ohr für mich hatten und deren Liebe mich trug.

Ein Hoch auf Frankfurt am Main, unsere Stadt, meine Heimat, die mich heute erneut beschenkte. Ich will hier damit fortfahren, mein Herz auszuschütten und – wenn Gott will – damit das Herz meines Nächsten erreichen. Ich will mich hier dieses Preises und Eurer Liebe würdig erweisen.

Dem Wahren Schönen Guten.

From Frankfurt with Love.

Oder wie es in „You remember“ heißt:

"Mit perfektionierten Worten weg von Blödsinn und Spaß und zwar direkt aus diesem Ort hier, in dem Goethe schon saß."

Von Herzen vielen Dank.

8. November 2017
Moses Pelham
 
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