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Buchvorstellung "Frankfurt für Anfänger"

Frankfurt – Das ist Liebe auf den zweiten Blick

Der ehemalige Lokalchef und Berater der Oberbürgermeisterin Petra Roth a.D., Matthias Arning, will den Lesern seines neuen, schön illustrierten Buchs seine Wahlheimat näher bringen. Er selbst ist als Eingeplackter längst Fan.
„Junge, willst Du da wirklich hin?“, soll die in Bochum lebende Großmutter damals den jungen Matthias Arning gefragt haben, der tatsächlich in Frankfurt Politikwissenschaft studieren wollte. Und auch wenn oftmals gesagt wird, dass doch keiner freiwillig nach Frankfurt zieht, Arning hat es nicht bereut und gibt mit seinem Buch „Frankfurt für Anfänger“ neu Zugereisten eine kleine Hilfestellung für die oftmals als kalte Bankermetropole verschriene Stadt. Frankfurt hat Arning geprägt, hier arbeitete er als Lokalchef bei der Frankfurter Rundschau, die er tatsächlich in seinem sehr subjektiven Werk auch verewigt hat (die FAZ aber nicht), und hier trat er als Referent der einstigen Oberbürgermeisterin Petra Roth in Erscheinung. Seit 36 Jahren lebt der Autor nun am Main, liebt es mit dem Rad die Stadt zu erkunden, auch wenn die Stadt für Radler – wie er sagt – „ein Scheiß“ ist. Doch eben mit seinem Velo erkundete er nochmals für Recherchezwecke seine Wahlheimat, bei der es sich eigentlich nur um Liebe auf den zweiten Blick gehandelt habe. Die Faszination aber, die sei geblieben, sagt Arning. Die vielen wahnsinnig netten Menschen hätten ihn beeindruckt, ebenso dass es in Kalbach tatsächlich einen Fleischautomaten gibt, den ein Metzger aufgestellt hat. Steak 24/7 für alle, die die Fleischeslust auch mal zur Unzeit packt. Natürlich hat dieser Wunderautomat ebenfalls Eingang in das Handbuch für Eingeplackte gefunden.

Die sonnige Farbe Gelb sticht beim Durchblättern des Buches gleich ins Auge und ein Highlight sind die vielen Illustrationen von Eva Feuchter, die gerade ihr Kommunikationsdesignstudium in Mainz abgeschlossen hat und sich, als Pfälzerin, für das Buchprojekt erst vorsichtig Frankfurt nähern musste. Bei ihr sei es weder Liebe auf den ersten noch zweiten Blick gewesen, gibt sie offen zu. Aber ein paar Orte haben sie denn doch beeindruckt, etwa das Café Iimori, wo es den Grüntee-Kuchen gibt, wohingegen Arning eher den Cheesecake preferiert, oder das Museum Angewandte Kunst.

In 56 kurzen und knackigen Kapiteln stellt Arning Frankfurter Klassiker wie den Eisernen Steg, Adorno und Handkäs vor, beschreibt in flüssiger Schreibe Wahrzeichen wie die Paulskirche, die für ihn Sinnbild des toleranten, freiheitlichen Geistes der Stadt ist, er verrät kleine Fluchten wie den Botanischen Garten und die Schwanheimer Düne, listet Meilensteine auf wie die Deutsche Nationalbibliothek oder auch die Auschwitzprozesse. In der Rubrik „Strandgut“ verbiegt sich Arning auch nicht und stellt Offenbach vor, nicht ohne den ein oder anderen Seitenhieb auf die Stadt. Und dann wären da noch die Frankfurter Ansichten mit Standpunkten zum Radfahren in der City und zur Neuen Altstadt oder dem Riedberg. Und so lernt auf 207 Seiten nicht nur der Neuankömmling Frankfurt besser kennen, auch die schon länger hier Lebenden dürften noch die ein oder andere Neuentdeckung auftun. Und weil man Frankfurt nachsagt, dass sich die Population rein statistisch alle sieben Jahre komplett erneuere, wird es an Leserschaft für das Werk bestimmt nicht mangeln.

>>Matthias Arning: Frankfurt für Anfänger. Frankfurter Ansichten Verlag, 18,90 Euro, www.frankfurteransichten.net
 
30. Mai 2018, 10.12 Uhr
Nicole Brevoord
 
 
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