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Buchmesse: Farbenvielfalt in der braunen Ecke
 

Buchmesse: Farbenvielfalt in der braunen Ecke

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Wie das Comic-Macher Netzwerk "Comic Solidarity" Zeichen setzt

Foto: tm
Foto: tm
Die Entscheidung des Börsenvereins rechte Verlage auf der Buchmesse zuzulassen ist umstritten. Zahlreiche Aktionen setzen Zeichen für Toleranz. Und wie ein kleines Dorf in Gallien gibt es diese Stände, die unmittelbare Nachbarn rechter Verlage sind.
Eine Mutter setzt sich beim Stand der Comic Solidarity in eine Ecke und stillt ihr Baby. Inmitten bunter Farben, Ballons und Pflanzen sieht man diesem Ort auf der Buchmesse gleich an, dass es ein Ort der Toleranz und Offenheit ist. Direkt gegenüber befindet sich der Stand der Jungen Freiheit, einer überregionalen Wochenzeitung, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt. Dort hat ein grimmig dreinblickender Luther die Hand zum Gruß erhoben. Neben ihm steht ein nicht minder unsympathischer Kreuzritter - Grau in Grau.

Eve Jay (l. i. Bild) begrüßt mich leicht gehetzt, in Turnschuhen und Jogginghose gekleidet. Sie ist Leiterin, Planerin und Kuratorin der Comic Solidarity. "Wir haben uns für die Regenbogenfarben entschieden, um für mehr Vielfalt und Liebe im Leben zu stehen", erzählt sie und nimmt ihre Brille von der Nase. Die Comic Solidarity ist ein Netzwerk für Comic-Macher. Es will die Lücke in der Repräsentation von Künstlern zwischen Hobbybereich und Verlagslandschaft schließen. Auch hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, Selfpublisher und digitale Künstler sichtbarer zu machen.

"Willkommen im teutschen Teich"
Und sie steht eben für Solidarität in allen Lebenslagen ein. Der Standort für die Messe wurde der Comic Solidarity von den Organisatoren vorgeschlagen. "Es fühlt sich schon etwas komisch an", sagt Jay. "Wenn dann unsere iranischen, chinesischen Comic-Macher gegenüber von der Jungen Freiheit lesen sollen." Für das 600 Mitglieder starke Netzwerk ist multikulti normal. Teilweise machen die Comic-Macher Solidarität auch zum Thema in ihren Comics, wie zum Beispiel in einer Comic-Reportage von Augsburger Design-Studierenden ("Geschichten aus dem Grandhotel"). Auf der Buchmesse wurde sich Jay ihrer Unterschiede zu den rechten Verlagen auf einmal bewusst. "Da verändert sich auf einmal die Wahrnehmung und plötzlich stehst Du mit stolz geschwellter Brust da", sagt sie. "Wir verstecken uns nämlich nicht hinter einem falschen Namen!"

Auch andere Nachbarn setzen Zeichen gegen die rechten Verlage. Die Indiecon zum Beispiel, dem Stand für unabhängige Magazine, hat ihre Stellwände, die zur Jungen Freiheit hin ausgerichtet sind, nackt und hässlich gelassen. Lediglich zwei Artikel des Cameo Kollektivs hängen daran: "Warum es nicht stimmt, dass Deutschland islamisiert wird" und "Warum es nicht stimmt, dass Migration zu Destabilisierung führt". Das Kollektiv will mit dem Cameo Magazin zu einem interkulturellen Austausch anregen. Und auf dem Stand der Stiftung Drei Steine ist Adolf Duck omnipräsent. Von Nils Oskamp gezeichnet, werden die Besucher dieses Standes von einer böse dreinblickenden Ente mit Hitler-Bart begrüßt: "Willkommen im teutschen Teich".

Gegenwind von allen Seiten
Die Buchmessen-Organisatoren selbst protestierten gegen die Präsenz rechter Verlage auf der Messe. Nicht nur setzen die Organisatoren den rechten Verlagen Stände gegenüber, die ein Gegengewicht darstellen. So platzierten sie dem Antaios-Verlag die Amadeu-Antonio-Stifung gegenüber, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Auch demonstrierten sie am Mittwoch mit Plakaten gegen die rechten Verlage. Und die Bildungsstätte Anne Frank hat die Aktion "mut mutiger mund auf!" auf der Buchmesse gestartet und macht mit Mund-Fotos im Netz und Buttons auf der Messe aufmerksam. Der Börsenverein begründet die Zulassung der rechten Verlage mit dem Argument der Meinungsfreiheit. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kritisierte diese Entscheidung.
13. Oktober 2017
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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Leser-Kommentare

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Nick Stolz am 20.10.2017, 13:48 Uhr:
Tolerieren niemanden anders als ihresgleichen aber erwarten das wir sie Tolerieren. Komische Welt.
Es ist ein Paradoxon es muss immer einen geben der gegen etwas Kämpft.
Ist wie die Gefaltfreiheit. Damit jemand gewaltfrei leben kann muss einer für sie kämpfen. Das gleiche ist es mit Intoleranz. Damit wir Tolerant leben könne (übersetzt für rechts: Links-Grün-Versifft) müssen manche Intolerant für Intoleranz sein.

Zitat: Wer aus der Geschichte nichts lernt ist dazu verdammt sie zu wiederholen.
(Also eine Welt die wie RTL ist will ich nicht immer diese wiederholungen.)
 
Daniel am 15.10.2017, 10:05 Uhr:
Ach je, dass Rassisten das Tolerant-Paradoxon einfach nicht verstehen können.... Hier eine kleine Nachhilfe: www.schleckysilberstein.com/2017/08/das-paradoxon-der-toleranz-einfach-erklart/
 
Alfred Vail am 13.10.2017, 17:28 Uhr:
"Zahlreiche Aktionen setzen Zeichen für Toleranz"

Zeigen Sie ihren Lesern doch einmal die Zeichen der "Toleranz" in Form der realen Verwüstung der Stände des Antaios und des Manuscriptum Verlags.

Soviel zum Thema Vielfalt, Demokratie und Toleranz.
 
Alfred Vail am 13.10.2017, 17:28 Uhr:
"Zahlreiche Aktionen setzen Zeichen für Toleranz"

Zeigen Sie ihren Lesern doch einmal die Zeichen der "Toleranz" in Form der realen Verwüstung der Stände des Antaios und des Manuscriptum Verlags.

Soviel zum Thema Vielfalt, Demokratie und Toleranz.
 
 
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