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Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier

B3 Biennale

Am Puls der Zeit

Das bewegte Bild als treibende Kraft des 21. Jahrhunderts: Die B3 Biennale feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Bernd Kracke, künstlerischer Leiter, zieht im Interview seine persönliche Bilanz und gibt einen Ausblick.
Journal Frankfurt: Herr Professor Kracke, vor zehn Jahren wurde die B3 Biennale des bewegten Bildes aus der Taufe gehoben. Wie kam es eigentlich dazu, ein solches Festival ins Leben zu rufen?
Bernd Kracke: Man könnte sagen: Die Idee lag in der Luft. Anfang der 2010er-Jahre, in einer Zeit, als das bewegte Bild durch Digitalisierungsprozesse in allen gesellschaftlichen Bereichen, in der Wissenschaft und in der Kunst, zu nachhaltigen Transformationsprozessen geführt hat, brauchte es im Filmland Hessen ein Festival, das auf diese Entwicklungen reagiert. Es sollte allerdings nicht nur ein weiteres Filmfestival sein, sondern das bewegte Bild als treibende kulturelle Kraft des 21. Jahrhunderts thematisieren. Die Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach war somit die Keimzelle des neuen crossmedialen Bewegtbild-Festivals für die Vernetzung und den Diskurs aus allen Bewegtbildbereichen. Im Dezember 2012 wurde die B3 Biennale mit einer Kick-off-Gala in der Deutschen Bank und einer Ausstellung und einem Konferenzprogramm in der Naxos-Halle vorgestellt.

Wie ging es dann weiter?
2013 fand dann die erste große B3 Biennale im Frankfurter Kunstverein und vielen anderen Locations im Rhein-Main-Gebiet mit dem Fokusthema „Expanded Narration“ statt, womit u.a. die neuen Entwicklungen im Storytelling der TV-Serien wie z.B. Breaking Bad und deren genre- und medienübergreifender Einfluss auf das bewegte Bild thematisiert wurden. Die Multimedia Performance-Pionierin Laurie Anderson erhielt 2013 den ersten B3 BEN Award für ihr Lebenswerk. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Lebensgefährten Lou Reed widmete sie ihm ein legendäres Konzert im Gibson.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz der vergangenen zehn Jahre aus?
Die B3 hat sich sehr organisch und aufgrund der internationalen Resonanz positiv entwickelt als vitale Plattform für das bewegte Bild und das Storytelling. Anfangs war für den Zweijahresrhythmus immer ein speziell dem Nachwuchs gewidmetes Format für die Zwischenjahre geplant. Das hat auch 2014 stattgefunden. Aber schon bald zeichnete sich die große Dynamik in den Entwicklungen rund um das bewegte Bild ab, die eine engere Taktung im Jahresturnus nahelegte. Nach ersten Kooperationen mit der Frankfurter Buchmesse haben wir dann ab 2019 auf die jährliche B3 umgestellt und den Fokus auf den Nachwuchs in das Gesamtkonzept integriert.

Was im Dezember 2012 seinen Anfang nahm, ist über verschiedene Festivalauflagen gewachsen und hat viele Transformationen durchlaufen. Wir hatten unser B3-Festivalzentrum im Frankfurter Kunstverein und im Museum Angewandte Kunst, wir haben, als letzte Veranstaltung überhaupt, die alte Deutsche-Bank-Zentrale in der Frankfurter Innenstadt künstlerisch mit unserer Leitausstellung bespielt, bevor die Gebäude abgerissen wurden. Mit den Themen war die B3 immer am Puls der Zeit: Expanded Narration (2013), Expanded Senses (2015), On Desire (2017), Realities (2019), Truths (2020) und Identity (2021). Und auch die Verbundenheit zu den mit dem B3 BEN Award ausgezeichneten Künstler:innen, Regisseur:innen und Musiker:innen, darunter Brian Eno, Laurie Anderson oder Steve McQueen, sprechen für die Relevanz des Festivals.

Ziel der B3 ist es, eine interdisziplinäre Allianz für das bewegte Bild zu schaffen. Ist eine solche Allianz heute angesichts der Bilderflut noch möglich?
Ich denke, gerade weil wir in den letzten Jahren von einer regelrechten (Bewegt-) Bilderflut überrollt werden und eben weil wir in einer Welt leben, die visueller ist als je zuvor, ist der genreübergreifende Diskurs unabdinglich. Auch wenn die Flut schier unüberschaubar scheint, lassen sich doch Entwicklungen und Strömungen ausmachen, die viel über uns Menschen und unsere Gesellschaft generell verraten. Wo lauern Potenziale für Gesellschaft(en), Wissenschaft und Kunst, wo Gefahren? Die B3 ist eine Plattform, auf der über Audiovisualität in all ihren Facetten nachgedacht und diskutiert wird. Hier treffen eine interessierte Öffentlichkeit auf Professionals und junge Talente aus den Kreativ- und Medienbranchen auf Vertreter:innen der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft. Es braucht diese Allianzen, das demokratische Miteinander und den Austausch – in diesen schweren Zeiten mehr denn je.

Der Fokus bei der diesjährigen B3 liegt auf Transformation. Inwiefern spielt diese in den Beiträgen der Künstlerinnen und Künstler eine Rolle?
In unserer schnelllebigen, von heftigen und nachhaltigen Paradigmenwechseln dominierten Zeit spielen Transformationen eine ganz zentrale Rolle in den ausgewählten Beiträgen. Der schreckliche russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie, die ökologischen wie ökonomischen Herausforderungen: All das geht an den Künstler:innen nicht nur nicht vorbei, vielmehr sind sie wie Seismographen unserer Gegenwart. Wir haben wieder ein spannendes, nachdenklich machendes und provokatives Programm auf die Beine gestellt. Das Programm umfasst 120 Kunstwerke von 93 Künstler:innen, 40 Filme, 51 Sprecher:innen und 33 im Rahmen des Talentforums entstandene Projekte.

Was wird zu sehen sein?
Um ein paar Spotlights zu werfen: Niels Juul, einer der erfolgreichsten Produzenten Hollywoods, wird in einer Masterclass u.a. über neue Möglichkeiten der Projektfinanzierung durch Kryptowährungen sprechen. In einem Konferenzfokus zur Transformation der Demokratie werden wir uns mit Vorträgen von Dr. Mariana Bozesan und Prof. Dr. Stephan Brunnhuber vertieft mit Fragen der Demokratie als Staatsform und sozialstruktureller Philosophie auseinandersetzen. Gretchen Stoeltjes beeindruckender Dokumentarfilm „Shouting Down Midnight“ erzählt vom Kampf der ehemaligen texanischen Senatorin Wendy Davis, die 2013 fast elf Stunden gegen ein geplantes texanisches Abtreibungsgesetz gewettert hat – eine Ermüdungsrede, um eine rechtzeitige Abstimmung über ein Gesetz zu verhindern.

Wie werden VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality) unser Leben verändern?
Wenn man sich anschaut, welchen Einfluss VR und AR schon heute haben, sei es in der Architektur oder im Design, wo beides als Unterstützung und Visualisierung im Entwurfsprozess genutzt wird, in der forensischen Polizeiarbeit, im Bereich der Games und der Kunst, lässt sich erahnen, dass noch viel mehr zu erwarten ist. Auch für unseren Alltag. Ich denke da zum Beispiel an visuelle Hilfen in der mobilen Fortbewegung, an Plakate und Leitsysteme mit digitalen Visualisierungen. Die Verbindung von bewegtem Bild und Mobilität eröffnet ganz neue Dimensionen des VR-Infotainments, das sicher im Kontext des autonomen Verkehrs noch ganz neue Bedeutung erhalten wird, sowohl in der privaten als auch in der beruflichen Nutzung.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Welche Themen werden die B3 im kommenden Jahrzehnt beschäftigen?
Ganz sicher wird das bewegte Bild in neue, bisher noch ungeahnte narrative und experimentelle Sphären vordringen, die dann auch die B3 beschäftigen. Einige Themen, so düster und komplex sie auch sein mögen, werden uns über Jahre und Jahrzehnte hinweg beschäftigen: der Klimawandel mit all seinen Folgen, das sich verstärkende soziale und ökonomische Ungleichgewicht innerhalb von Landesgrenzen, aber auch im globalen Kontext, die Verteidigung von Freiheit und Demokratie, die schon heute, mehr denn je, auf dem Prüfstand stehen. Vor diesem Hintergrund ist und bleibt die Förderung von jungen Talenten zentral. Denn, frei nach Joseph Beuys: Ohne Nachwuchs gibt es niemanden, der oder die die Zukunft erfinden kann, die wir uns wünschen. Aus diesem Grund wollen wir junge Menschen dazu motivieren, sich hochwertig in den Bereichen Kunst und Gestaltung ausbilden zu lassen, deshalb wünscht sich die B3 eine große Teilnahme und Resonanz von jungen Filmschaffenden, Künstler:innen, Gestalter:innen, Forscher:innen und natürlich auch von Schüler:innen.


>> B3 Biennale des bewegten Bildes: 15.–23. Oktober 2022, Tickets gibt es auf der Website der B3 Biennale
 
14. Oktober 2022, 10.07 Uhr
Jasmin Schülke
 
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt. – Mehr von Jasmin Schülke >>
 
 
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