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4. StoryDrive-Konferenz auf der Buchmesse
 
4. StoryDrive-Konferenz auf der Buchmesse
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Von Zeitreisen und Attentätern
Geschichten werden nicht nur in Romanen erzählt. Das weiß man auch auf der Buchmesse schon seit längerem - und veranstaltet seit vier Jahren die Konferenz "StoryDrive". Für Erzählformen in Zeiten der Neuen Medien.
Unter dem Motto „Fiction is Real“ beschäftigte sich die Buchmessen-Konferenz „StoryDrive“ mit Erzählformen im Zeitalter der Neuen Medien und des Transmedia-Booms. Für die vierte Auflage hatte man die Veranstaltung auf einen Tag begrenzt und verzichtete weitgehend auf eine starre Struktur aus Vorträgen und Fragerunden. Vielmehr war das Auditorium rund um vier Expertentische in der Funktion zwischen „Rekapitulation“, „Twitter“-Anfragen oder „Q & A“ angeordnet. Glücklicherweise brach man das interaktive Reglement am Nachmittag etwas auf, da es mitunter viel Zeit verschlang.

Rund ein Dutzend Multimedia-Projekte wurden vorgestellt, die mitunter erst in der Planungsphase standen. Kristian Costa-Zahn vom „UFA Lab“ präsentierte etwa “RLF” als Verbindung aus Fiktion und Dokumentation. Basierend auf Friedrich von Borries kapitalismuskritisches Buch „Das richtige Leben im Falschen“ soll eine fiktive Revolution mit realen (Netz-)Interviews und echten Design-Produkten angereichert werden.
Der kanadische Produzent Corey King von „ZenFri Inc.“ brachte das Emergent Reality Game „Clandestine: Anomaly“ mit, in das der Spieler als wahrer Protagonist ohne Avatar eintauchen kann. Das per App funktionierende Spiel kann im Freien gespielt werden und baut die Umgebung direkt mit ein, um sie in die Fantasy-Welt zu integrieren.

Das Ende des bedruckten Papiers rief der russischen Bestsellerautor Dmitri Gluchovski aus, dem es per kostenloser Online-Publikation gelang, seinen Science Fiction-Roman „Metro 2033“ (dt. bei Heyne) als Franchise auszuweiten. Inzwischen existieren rund 40 Fanromane nebst Videogames über das entworfene Universum, die vom Autor selbst überwacht werden.
Mehrere vorgestellte Projekte wie die Zeitreiseserie „Collider“ weiten ihre Stoffe auf miteinander vernetzte Plattformen vom Kino über TV-Specials zu Comics, Video Games und Web-Serien aus. Daher müsse man die sechs „Collider“-Hauptcharaktere möglichst lange am Leben erhalten, erläuterte Triona Campbell von der irischen Firma „beActive International“. Aber eigentlich sei Transmedia ein alter Hut, den es schon seit 1911 gebe und etwa von Disney seit Jahrzehnten praktiziert werde.

Dagegen schwor die komplett in rot auftretende Sarah Doole von der britischen „Freemantle Media“, die Erfolgsserien wie „Sherlock“ oder „Dr. Who“ betreute, auf die Macht des traditionellen Fernsehens. Nirgendwo sonst könne man so viele Menschen auf einmal erreichen. Allerdings bringen Abosender wie Netflix mit abrufbaren Formaten die TV-Macht langsam ins Wanken.

Eingebettet war der Expertenmarathon in zwei traditionelle Programmpunkte: Neben der Keynote von US-Produzent Zek Kadison („12 Runden, „My Sassy Girl“), der die Zusammenarbeit von Kreativen aus allen Bereichen forderte, berichtete Regisseur Ziad Doueiri (Foto) zu Beginn von seinen Problemen bei der Herstellung der eindringlichen Romanadaption „The Attack“. Von Focus Feature einst als Starprojekt mit Tom Hanks angedacht, musste Quentin Tarantinos Ex-Kameramann sein auf Yasmina Khadras „Die Attentäterin“ basierendes Drehbuch nach der plötzlichen Entlassung im langen Rechtstreit zurück klagen. Nach Fertigstellung zogen die libanesischen Produzenten des kontroversen Stoffes ihren Namen zurück, weil entsprechend der Vorlage auch in Israel gedreht wurde. Doueiri forderte, Filmemachen in Hollywood solle wieder billiger werden und sprach sich gegen Tabus oder Restriktionen in der Kunst aus. Sein von der Buchmesse mit dem Preis für die beste Literaturverfilmung ausgezeichneter Film wird im November von Senator auf DVD/Blu-ray veröffentlicht.
16. Oktober 2013
Gregor Ries
 
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