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Foto: AdobeStock/Matthias Stolt
Foto: AdobeStock/Matthias Stolt

Corona-Krise

Lernen, zu Hause zu lernen

Die Corona-Krise hat – je nach Geschlecht und sozialem Status – teilweise zu erheblichen Lerndefiziten bei Kindern und Jugendlichen geführt. Dies ergab eine Studie der Goethe-Universität. Anhand der Ergebnisse wurde nun ein Beratungsangebot in Frankfurt geschaffen.
Welche Auswirkungen hatten der Lockdown und die coronabedingten Schulschließungen auf Kinder und Jugendliche? Wie haben sich die Online-Angebote auf das Lernverhalten ausgewirkt? Diesen und weiteren Fragen hat sich die Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität in einer Studie gewidmet. Die Ergebnisse zeigen teils deutliche Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern auf; diese seien unter anderem auf das Geschlecht zurückzuführen. Demnach sollen Jungen größere Einbußen erfahren haben als Mädchen. Weiter heißt es, vor allem Jugendliche aus Haushalten mit „niedrigem sozio-ökonomischen Status“ wiesen nun größere Defizite auf.

„Bildungsbenachteiligungen gab es vor und während der Pandemie. Und es wird sie auch danach geben“, sagt Thomas Dreisörner, einer der Verfasser der Studie. Die Pandemie habe erneut „wie unter einem Brennglas gezeigt“, wo Kinder und Jugendliche besonders gefährdet seien. Probleme beim Arbeiten und Lernen zu Hause seien weniger die technischen Ressourcen, sondern die persönlichen. Denn ohne direkte Ansprache im Präsenzunterricht sind es die eigenen Lernstrukturen, auf die die Schülerinnen und Schüler angewiesen sind, erklärt Dreisörner. Diese fehlen zwar vor allem Grundschulkindern, die sich noch keine eigenen haben aufbauen können, aber auch ältere Schüler sind betroffen. „Die Kinder und Jugendlichen heutzutage sind sehr medienaffin. Sich da zu Hause nicht ablenken zu lassen, kann schwerfallen“, so Dreisörner.

Ein Faktor, der helfen könne, sei die Unterstützung durch das Elternhaus. „Wie gehen die Eltern mit der neuen Situation um? Wie viel Druck üben sie auf die Kinder aus? Das kann einen erheblichen Einfluss auf die Situation der Minderjährigen haben“, erklärt Dreisörner weiter. In diesem Kontext sei es wichtig, die eigenen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen zu aktivieren. „Am Ende müssen die Jugendlichen mehr Zeit in Lernaufwand investieren – auch um Verlorenes aufzuarbeiten. Dafür brauchen sie Methoden, um das alleine hinzubekommen.“

Auf Grundlage der Studie haben die Projektverantwortlichen Andreas Frey, Christoph König und Thomas Dreisörner inzwischen ein Beratungsangebot entwickelt, dass sich vor allem an jene Jugendliche richten soll, deren Abschluss gefährdet ist. Vorgesehen bei dem von der Beisheim Stiftung und dem Goethe Corona-Fonds geförderten Projekt „CoBi“ – so der Name des Programms – sind jeweils fünf Termine, in denen es letztendlich vor allem darum gehe, Motivationsfragen und individuelle Ressourcen zu erarbeiten, verdeutlicht Dreisörner das Konzept. „Wir arbeiten zum Beispiel zusammen an einem strukturierteren Umgang mit Medien, geben ihnen aber auch Werkzeuge wie Apps an die Hand, mit denen sie ihr Lernverhalten analysieren können.“

Die ersten Termine des Pilotprojekts haben bereits stattgefunden, derzeit nehmen zehn Jugendliche daran teil. Im Rahmen der Pilotstudie sind 36 Jugendliche der Klassen neun bis zwölf involviert. Im Anschluss daran, wenn die Ergebnisse ausgewertet sind, soll das Projekt mittelfristig ausgedehnt und hessenweit angeboten werden. Wer Interesse an der kostenlosen Teilnahme hat, kann sich zudem unter cobi@psych.uni-frankfurt.de melden.
 
10. November 2021, 11.48 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
 
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