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Zwischenruf der Frankfurter Hauptschule
 

Zwischenruf der Frankfurter Hauptschule

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Das Bahnhofsviertel bleibt dope

Foto: privat
Foto: privat
„Wir wollen Junkies statt Gastro.“ Die Gruppe Frankfurter Hauptschule kämpft mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Gentrifizierung des Bahnhofsviertels – hier schreiben die Künstler über ihr Selbstverständnis.
Hier spricht die Frankfurter Hauptschule. An die Metropolen der Welt. Im Namen der Opfer. Daniel Wirtz & seine Stehgeiger sind angetreten, das Bahnhofsviertel hochzujazzen. Aber wir fiedeln dagegen! Wollen Junkies statt Gastro und Straßendreck statt Schlager. Wir re-claimen Straßen und Stadt wie in den Neunzigern. Recht auf Stadt als Faustrecht. Das Bahnhofsviertel bleibt dope & kriminell, denn wir sind Rudis galore und dafür stehen wir mit unserem Namen. Wir fordern Stadt als Schule, das Bahnhofsviertel als Pausenhof. Ding Dong, 15 minutes break. Lebenslanges Lernen, Hefte zu – Praxistest. Wir verteilen Kopfnüsse und -noten. Hurra Hurra, die Schule brennt. Wir rufen auf zu Tag-Team-Fights und korrekter Klopperei. Tabula Rasa als Strategie, denn TAB ist nur ein Fertighaus für arme Seelen. Lofts für alle oder gar nix. Kunst raus, Gastro raus, nur mit Penny in die Zukunft. Galerien in den Speckgürtel und Wirtz zurück nach Hause (Heinsberg). Singend im Duett mit Pizza Hannah Montana. Gemeinsam dahin, wo das Pfefferspray wächst. Klassenkampf 2.0. Radikale Schulreform, der Stärkste fliegt, Oberstufe abgeschafft. Wir sind der Dicke mit der Gang, sind die Coole mit der Dogge – Oskar Mahler wir ziehen dir die Stulle aus der Tasche. Wir lauern auf, wenn’s finster wird und muckelig, wir sind die, vor denen Eltern warnen. Wir sind der, der die Nacht durchflattert, wir zocken dich bareknuckle und im Scrabble ab, wir sind die Frankfurter Hauptschule und haben Bock auf Stress. Wir raten Viertel down wie Standard & Poor’s, haben Herz und Faust für Schluffis, Ärmste, Taugenichtse. Sind Robin Hood auf Crystal Meth, Lucky Luke – Hero der Kindheit, wir fixen schneller als unsere Schatten. Wir lassen uns nicht vertreiben von Daueropfern mit Schlager-Face, Opfer-Abo im Jamba-Style. Knietief im Dispo gehst du schneller ein als Bubble-Tea. Denn: Wer zuletzt lacht, hat HIV. Wir bleiben hier, sitzengeblieben wie immer und Versetzung nicht in Sicht. Du fragst, wer ist WIR und wir fragen, was willst eigentlich DU? Ihr seid bloß Hobby-Sheriffs aus dem Knabenchor, Gymnasiasten à la carte. Mit MG vs. G13, wir schießen scharf mit der Pöbel-Pumpgun und nehmen keine Geiseln. Wir sind die Frankfurter Hauptschule und Zeugnisvergabe ist jetzt.

Mit der Ankündigung einer Performance provozierte die Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule die Stadtgesellschaft. Las sich die Ankündigung doch so, als würde auf der Bühne Heroin konsumiert. Ihr Zwischenruf erscheint im gedruckten Journal Frankfurt und hier – und darf gerne diskutiert werden.
 
17. November 2015, 11.24 Uhr
Frankfurter Hauptschule
 
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Fotogalerie:
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Leser-Kommentare

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Wolff Holtz am 17.11.2015, 18:19 Uhr:
Was für Pappnasen!!! Die merken aber wirklich nicht, dass sie die krassesten Gentrifizierer sind!!? Wo waren die denn vor 10, 15, 20 Jahren (ich mach mein Ding seit 10 Jahren im Viertel, die Familie Hahn, jetzt Bernie Hahn und seine Brüder in vierter Generation seit über 100 Jahren) ...seit dem die Hipster im Viertel rumturnen wirds immer seltsamer und abstruser... Die sollten sich dringend mal mit dem mittlerweile auch 25 Jahre alten "Frankfurter Weg" und seinem Sinn und Zweck, den Hintergründen auseinadersetzen, statt versehentlich dafür einzutreten, dass die schwächsten der Schwachen, immer brutaleren Dealern schutzlos ausgeliefert sind...
 
 
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