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Der Kampf um die Funzeln

Stadt und Bürgerinitiative streiten um die Gaslaternen

Die wenigen Gaslaternen im Stadtgebiet künden von vergangenen Tagen und verbreiten ein heimeliges Licht, findet eine Bürgerinitiative. Ganz anderer Meinung ist die Stadt, die sie aus Kostengründen ersetzen will.
Es gibt sie noch, die guten Dinge. Zum Beispiel im Dichterviertel in Eschersheim, aber auch im Riederwald oder im Holzhausenviertel. Rund 5000 mit Gas betriebene Laternen stehen auf Frankfurts Straßen. Und sie spenden, wenn man glaubt, was ihre Befürworter sagen, ein einmaliges Licht – warm, freundlich, auch insekten- und vogelfreundlich im Übrigen. Seit Jahren tobt ein Kampf. Es ist ein Kampf, wie es ein Schreiben des Verkehrsdezernats zurecht formuliert, auf dem „emotionsgeladenen Spannungsfeld zwischen Ästhetik, Verkehrssicherheit, Stadtgestaltung, Kosteneffizienz und CO2-Bilanz“. Im Juni 2009 hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, zu überprüfen, inwieweit die in Frankfurt noch mit Gas betriebenen Straßenlaternen gegen moderne LED-Lichter ausgetauscht werden könnten.

Christina Althen ist die Vorsitzende des Bürgervereins Dichterviertel. Aus Sicht des Vereins bringt die Umrüstung nur Nachteile: Die Kosten, so argumentiert sie, stünden in keinem Verhältnis zu den Einsparungen, die Stadt habe noch keine betriebswirtschaftliche Kostenrechnung vorgelegt; zudem fallen Begriffe wie „Lichtverschmutzung“. Dem widerspricht Ingmar Bolle energisch. Der Mitarbeiter des für den Austausch zuständigen grünen Verkehrsdezernenten Stefan Majer bemüht sich deutlich, den Streit mit Hilfe von Fakten zu entemotionalisieren. 6700 Kilowatt verbrauche eine Gaslaterne pro Jahr, eine LED-Beleuchtung dagegen nur 336, und das bei dreifacher Effizienz. Den jährlichen Betriebskosten von 42 Euro für eine elektrische Straßenlaterne stünden Kosten von 540 Euro für eine Gaslaterne entgegen. Noch dazu seien die Gaslaternen marode und überholungsbedürftig; Ersatzteile seien nur noch schwierig zu beschaffen.
„Es geht uns“, so Christina Althen dagegen, „um den kulturellen Faktor. Andere Städte erhalten Gaslaternen als touristische Attraktion.“ Stimmt, kontert Bolle, nur stamme die Gasbeleuchtung in diesen Städten noch aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, während die in Frankfurt installierten Leuchtkörper erst in der Nachkriegszeit installiert worden seien. Seltsamerweise stellen beide Parteien, Bürgerinitiative wie Verkehrsdezernat, die identische Frage: „Wie geht eine Stadt mit ihrem Geld um?“ Die Kosten für den Austausch, so die Bürgerinitiative, wären besser in andere infrastrukturelle und soziale Maßnahmen investiert. „Wir können uns“, so Bolle, „eine derart teure und ineffiziente Anlage nicht mehr leisten.“ Den Vorwurf eines fehlenden Kostenplans will er nicht kommentieren: „Das werden wir nicht mit einer Bürgerinitiative diskutieren, bevor wir es nicht den Stadtverordneten vorgelegt haben.“ Das wird noch in diesem Jahr geschehen. Bolle betont noch einmal: „Wir führen hier keinen Kulturkampf.“

Doch gerade das nimmt dem Verkehrsdezernat nicht jeder ab. Und den Einsatz von Bürgern als bloße Nostalgie abzutun, wäre unfair: So logisch die Argumente des Verkehrsdezernats auch klingen – nicht selten hat die Stadt in den vergangenen Jahren einen unsensiblen Umgang mit Objekten im öffentlichen Raum an den Tag gelegt.
 
22. Januar 2014, 11.22 Uhr
Christoph Schröder
 
 
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