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Kulturdezernentin will Kinder- und Jugendtheater
 

Kulturdezernentin will Kinder- und Jugendtheater

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Der „Masterplan Zoo“ wird konkret – und erntet Kritik

Foto: Stadt Frankfurt am Main
Foto: Stadt Frankfurt am Main
Die Weiterentwicklung des Frankfurter Zoos ist ein Dauerthema. Neben dem Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus ist ein Conservation Center geplant. Nun gab Kulturdezernentin Ina Hartwig erstmals konkrete Zahlen bekannt – und sieht sich einmal mehr Kritik ausgesetzt.
Der Frankfurter Zoo zählt zu den wichtigsten in Europa, mit seiner engen Bindung zur Zoologischen Gesellschaft hat er ein Alleinstellungsmerkmal, das so weltweit nur noch in London und New York vorzufinden ist. Mit seiner Lage in der Innenstadt birgt er ein Potenzial, das genutzt werden sollte – bisher aber nicht voll ausgeschöpft wird. Gespräche und Visionen für den „Masterplan Zoo“ gibt es schon lange, mit konkreten Zahlen und Fakten war man bislang aber zurückhaltend.

Ein viel diskutierter Plan könnte nun endlich Realität werden: Das denkmalgeschützte Zoo-Gesellschaftshaus am Alfred-Brehm-Platz 16 wird zum Theater für Kinder und Jugendliche umgebaut. Dort, wo momentan eine Mindernutzung mit viel Leerstand herrscht, sollen nach einer Kernsanierung sowohl Räume für junge Theaterkultur als auch für Ausstellungen des Zoos entstehen. „Wir hatten den Prüfauftrag der Koalition, zu untersuchen, ob sich das Haus eignet, und die Antwort lautet: Ja, es eignet sich hervorragend“, so Ina Hartwig. „Dort soll ein Ort mit Strahlkraft entstehen, der sowohl ein eigenes Programm entwickelt als auch kooperiert und einlädt“.




© Stadt Frankfurt am Main

In Verbindung mit der Forschung und dem Naturschutz im Zoo böte sich eine einmalige Gelegenheit. Doch der Weg bis dahin ist lang: Das mitunter denkmalgeschützte Gebäude muss zunächst kernsaniert werden. Allein dafür rechne man mit Kosten von etwa 35 Millionen Euro. Darüber hinaus sind ein Rückbau der Zwischengeschosse sowie die Aufstockung durch ein Dachgeschosses geplant, um den ursprünglich herrschaftlichen Charakter des Gebäudes wiederaufleben zu lassen. Der Innenraum wird sich dann aufteilen, verrät Andreas Schröder, der Geschäftsführer der MBF GmbH. „Die Hälfte der Fläche wird für den Zoo sein, die andere für das Theater.“

Für Letzteres stehen momentan zwei Konzepte in der engeren Auswahl, die entweder eine große Bühne oder zwei kleinere mit unterschiedlich großen Zuschauerräumen vorsehen. Der größte böte Platz für rund 500 Personen. Die konkrete Umsetzung des neuen Theaters soll in einem Architektenwettbewerb ermittelt werden, zuvor muss die Stadtverordnetenversammlung einem Konzept allerdings noch zustimmen. Auch genaue Zahlen wurden erstmals besprochen. „Die Kosten werden sich auf etwa 48 bis 52 Millionen Euro belaufen und wir rechnen mit einer Bauphase von rund 36 Monaten“ erklärt Schröder. Allein für die Grundsanierung des Gesellschaftshauses müsse man mit etwa 35 Millionen Euro kalkulieren, egal welche Nutzung man anstrebe.

Zuvor steht die Realisierung des zweiten großen Projekts des Zoos auf der Agenda: Der Ausbau des Geländes am Osteingang. Am sogenannten Entrée Ost ist der Bau des Conservation Centers geplant. Das Gebäude mit einer Nutzfläche von 4500 Quadratmetern verteilt auf fünf Etagen soll die komplette Zoologische Gesellschaft beherbergen, Wohnraum für Pfleger bieten und zu „einer Denkfabrik für Forscher“ werden. Auf die Frage, was Frankfurt von solch einer Einrichtung habe, hat Michael Brambacher von der Zoologischen Gesellschaft eine Antwort: „Das Center würde wie ein Leuchtturm für Frankfurt fungieren, der internationale Bedeutung erzielen kann. Es ist ein Ort, an dem Forscher und Naturschützer gemeinsam arbeiten können.“ Auch hier belaufen sich die Kosten geschätzt auf 22 Millionen Euro, der Baubeginn ist für 2021 angesetzt. Zwei Mammutprojekte die nun auf den Weg gebracht werden sollen. „Mir ist bewusst, dass in Frankfurt einige große Projekte auf der Agenda stehen“ erklärt Hartwig. „Doch ich stehe hinter unserer Vision und setze auf Fördermittel vom Land, denn es ist ein Projekt, das regionale Strahlkraft haben wird.“

Kritik am Vorgehen der Kulturdezernentin

Doch wie so oft es gibt auch Kritik. Die richtet sich weniger gegen das geplante Projekt selbst, sondern vielmehr gegen das Vorgehen der Kulturdezernentin. Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU, äußert sich empört, da Ina Hartwig die vorgestellten Pläne nicht vorher in der Koalition und der eigens eingerichteten Steuerungsgruppe diskutiert habe. Auch die Pressekonferenz, in der die Pläne am vergangenen Freitag den Medien präsentiert wurden, sei nicht in der Koalition kommuniziert worden. Teilweise wussten nicht einmal die Parteigenossinnen und -Genossen von dem kurzfristig anberaumten Pressegespräch; parallel fand zudem eine Pressekonferenz von Stadträtin Sylvia Weber, auch SPD, statt. Eine solche nicht abgesprochene Terminüberschneidung ist doch eher ungewöhnlich. Ähnlich verhielt es sich schon bei dem ebenfalls sehr kurzfristig angesetzten Medientermin zum Caricatura-Museum vor rund einer Woche – auch von diesem Termin wusste außerhalb des Teams von Ina Hartwig niemand in der SPD.

Laut Thomas Dürbeck sei auch noch gar nicht sicher, ob die Pläne der Dezernentin überhaupt realisierbar sind. „Ich bin natürlich für das Kinder- und Jugendtheater, aber wir haben noch gar nicht die Debatte geführt wie dieses konkret genutzt werden soll. Wie sieht das Konzept aus, wird es beispielsweise ein festes Ensemble geben und wechselnde Produktionen? Erst, wenn wir das wissen, können wir sagen, was wir brauchen und welche Kosten zu erwarten sind“, so Dürbeck. Bei den aktuellen Schätzungen zur Finanzierung sei noch nicht sicher, so Dürbeck, ob der Magistrat die von der Dezernentin erarbeitete Vorlage überhaupt bewilligen werde – und ob die aktuelle Haushalts-Situation solche Ausgaben möglich macht. Thomas Dürbeck findet dazu klare Worte: „Die Kulturdezernentin scheint unter Druck zu stehen, weil ihr immer wieder vorgeworfen wird, sie handle nicht beziehungsweise treffe Entscheidungen zu langsam. Dann kommen solche Schnellschüsse, ohne ausreichende Planung oder richtige Absprachen. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, muss ich sagen: Wir wissen nicht, wo wir das Geld hernehmen sollen.“




© dirschl.federle_architekten

Update: Der Artikel wurde am 17. März 2019, um 23:58 Uhr, um die Statements von Thomas Dürbeck ergänzt.
16. März 2019
Sina Eichhorn/Ronja Merkel
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Thomas Bäppler-Wolf am 19.3.2019, 08:59 Uhr:
Schon auffallend, dass die Kritik immer nur von Herrn Dürbeck kommt, der sich selbst gern als der Retter der kulturellen Vielfalt dieser Stadt sehen würde.
Abgesehen davon, dass die Diskussion um die Städtischen Bühnen seit zwei Jahren von der CDU und damit vornehmlich Herrn Dürbeck in einer Art und Weise geführt wird
welche die Stadt immer weiter von einem gemeinsamen Ziel entfernt, hätte Herr Dürbeck es bestimmt gern wenn die Oper in Zukunft "Thomas Dürbeck Gedächtnis Oper" heißen würde.
Nun der Zoo. Sehen wir es doch mal realistisch. Die CDU hat doch das Dezernat freiwillig an die SPD abgegeben. Wohl wissend, was alles auf die Stadt und das Kulturdezernat zukommt.
Städtische Bühnen, Zoo, Kinder und Jugendtheater, Bolongaropalast, Museen usw. Auf gut deutsch: Geben wir den Mist mal aus der Hand, dann können wir besser dagegen ankämpfen.
Herr Dürbeck sollte mal mitarbeiten und nicht gegen die Dezernentin ankämpfen was er seit ihres Amtsantrittes macht.
Besser wird es für die Stadt mit einem selbsternannten Kulturselbstdarsteller bestimmt nicht. Das können andere besser.
 
QR Code ART am 19.3.2019, 08:39 Uhr:
Wäre es nicht sinnvoll den Zoo aus der Innenstadtlage auf ein schöneres, größeres Gelände der Stadt, nach außen, zu verlagern? Die Kosten könnte man locker durch den Verkauf des Innenstadtgeländes decken und hätte sogar noch was übrig. Mit eigener U-Bahn Station. Es gibt dazu genug Gelände (z.B. im Quadranten Bonames, Nieder-Eschbach, Harheim und Nieder-Erlenbach).
 
 
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