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„Act Local – Fokus Rhein-Main“: Marko Mebus
 

„Act Local – Fokus Rhein-Main“: Marko Mebus

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Ein Hit jagt den Nächsten

Foto: Peter Tümmers
Foto: Peter Tümmers
Vergangenen Freitag waren drei Gitarristen zu Gast, nun steht der nächste Act fest: Am 27. November werden drei Bläser bei „Act Local – Fokus Rhein-Main, Part 2“, dem Livestream-Konzert der hr-Bigband, auftreten. Einer von ihnen ist der Trompeter Marko Mebus. Ein Interview.
JOURNAL FRANKFURT: Wie überrascht waren Sie über die Einladung der hr-Bigband für das Livestream-Konzert im Sendesaal am kommenden Freitag?
Marko Mebus
: Sehr überrascht. Ich bin, kann man mittlerweile wohl so sagen, fester Ersatz der Trompeter und habe schon so manche Schlacht mit ihnen schlagen dürfen, aber in diesen Situationen sitzt man natürlich auf dem Stuhl eines Anderen. Dieses Mal hat man mich eingeplant, und das fühlt sich besonders an.

Wie gefällt Ihnen das „Act Local – Fokus Rhein-Main“-Konzept? Kollege
Peter Klohmann hat sich ja in diesem Zusammenhang schon für die „Soforthilfe auf dem kurzen Dienstweg“ bedankt?

Eine tolle Idee. In der Jazzwelt, die vergleichsweise klein sein mag, aber dennoch enorm umfangreich und vor allem global vernetzt ist, geht der Trend zunehmend in Richtung ausländischer Topacts als Gastsolisten. Ohne diese grandiosen Musiker klein reden zu wollen, finde ich es schade, denn ich alleine kenne sicher ein Dutzend vergleichsweise unbekannte Musiker, die auf diesen großen Bühnen sicher nicht enttäuschen würden. Angesichts der Krise ist es ein ganz besonderes Zeichen, das hier gesetzt wird, indem man sich auf „regionale Ware" besinnt und uns damit über den Winter hilft.

Apropos Klohmann und Kerstin Haberecht – sind Ihnen der Kollege/die Kollegin bekannt (ich denke doch), wenn ja woher und wie gut passt die Konstellation für den Abend?
Als ich die Einladung bekam, musste ich lächeln. Beide sind mir wohlbekannt, mit Kerstin arbeite ich seit Jahren an der Musikschule des WBZ Ingelheim, davor haben wir uns immer wieder in der Mainzer Szene gesehen und gehört, und mit Peter habe ich schon öfter den Jazzkeller unsicher gemacht. Die also garantierte musikalische Kompatibilität mal beiseite, wird der Abend hinter der Bühne äußerst witzig werden mit den Zweien (selbstverständlich unter Einhaltung aller Abstands- und Hygienemaßnahmen).

Ein Wort zum Programm, der Musik von Art Blakey und den Jazz Messangers?
Die Jazz Messengers sind absolut legendär. Eine Talentschmiede, aus der einige der besten Trompeter aller Zeiten hervorkamen, und musikalisch ist jede erschienene Platte wie eine eingekochte Essenz, im Grunde jagt ein Hit den Nächsten und es gibt keinen vernünftigen Grund, die Nadel anzuheben und einen Titel zu überspringen. Ich bin selbst gespannt, welche Stücke für das Konzert ausgewählt werden!

Durch Ihr Studium bei Axel Schlosser und Frank Wellert haben Sie ja einen Bezug zur hr-Bigband, zu „orchestriertem“ Jazz auch durch die Arbeit mit dem Landesjugendjazzorchester Rheinland-Pfalz?
Gerade dadurch, ja.Bigbands haben mich von Anfang an geprägt. Zunächst an meinem Gymnasium in St.Goarshausen, später dann auf Landesebene mit dem LaJazzO Rheinland-Pfalz (oder auch Phoenix Foundation), gefolgt von dem Bundesjazzorchester und nun Bands wie dem Sunday Night Orchestra oder eben der hr-Bigband, wenn mal ein Stuhl verwaist sein sollte. Von der Satzstimme über das Solomikro bis zu den hohen Tönen an der ersten Trompete macht es einen Riesenspaß und ich möchte es nicht missen – doch gerade das passiert mir derzeit. Besonders große Ensembles haben es 2020 schwer.

Wie stark hat Sie die Pandemie/der Shutdown als Livemusiker getroffen, hatten Sie finanzielle Einbußen oder sind Sie bis jetzt gut durch die Zeit gekommen?
Vergleichsweise gut. Wie mittlerweile bekannt sein sollte, hat die Soforthilfe bei uns Soloselbstständigen nicht gegriffen, denn die eigene Lebenserhaltung zählt nicht zu den anerkannten Betriebskosten; blöd, wenn ich der Betrieb bin. Ich habe in den vergangenen Jahren vorsichtig gehaushaltet und mit Puffer geplant, das hat mir bislang geholfen, auch hatte ich seit Mai immer wieder ein bisschen zu tun sowie ein paar gute Seelen, die an mich gedacht und mich unterstützt haben (ein dankender Gruß dabei an meine wunderbare Bigband in Frankfurt-Schwanheim, die ich mit Freuden leite).Trotz allem ist meine Bilanz dieses Jahr ernüchternd. Buchungen verschoben oder abgesagt, Clubs vergeben keine Termine, da sie auch nicht wissen, was morgen ist. Die schlimmste Folge der Maßnahmen ist das Gefühl der Nutzlosigkeit, wenn nichts stattfindet und man seine Fähigkeiten für eine ungewisse Zukunft erhält und weiterentwickelt. Viele Kolleg:innen werden, wenn es so weiter geht, daran zugrunde gehen, wenn es nicht vorher der Kontostand besiegelt.

Sie waren ja auch bei den Livestreams des Jazzkeller dabei – wie war diese Erfahrung für Sie?
Wie ein kühles Glas Sprudel in der Wüste. Musik mit echten Leuten zu machen und damit auch ein Publikum zu erreichen, wenn auch über Mikrofon und Kamera, ist eine Wohltat. Ich habe enormen Respekt vor der Mannschaft des Kellers, die trotz widrigster Umstände investieren und mit höchstem Aufwand weiterhin Livemusik möglich machen, wo die meisten anderen Clubs längst die Lampen ausschalten.

Gibt es CD-Produktion von oder mit Ihnen?
Ich bin bereits auf einigen Alben zu hören, beispielsweise des BuJazzO. Dieses Jahr habe ich gleich fünf Produktionen in der Röhre: Ein Duo-Album mit dem wunderbaren Bastian Weinig, mein Debütalbum als Bandleader mit dem Marko Mebus Quintet, ein Beitrag mit ebendiesem Quintett auf der nächsten Compilation von „Jazz Montez" hier in Frankfurt, das Debüt von The Big Leppinski, einem faszinierenden Large Ensemble aus Nürnberg und die neue CD des Silent Explosion Orchestra aus dem Saarland. Das Erscheinen dieser Scheiben werde ich natürlich auf meiner Webseite bekanntgeben.

Im Februar haben Sie ja noch bei „Jazz im AF“ gespielt. Da wurde Ihre Musik als „Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne“ angekündigt und eine Nähe zum ECM-Jazz beschworen? Wo würdest Sie sich selber positionieren?
Im Herzen überall. Meine eigene Musik geht sicher in diese Richtung, als Solist bewege ich mich jedoch gerne durch die Stilistiken und störe mich manchmal fast daran, dass man sich in eine Rolle reduziert sieht. Egal, was ich spiele, gehe ich davon aus, dass man mich erkennt und raushört.

Auf Ihrer Webseite stellen Sie sich als Trompeter, Komponist, Arrangeur vor? Dazu kommt ja auch der Job als Dozent. Sie lehren Jazz-Trompete am Dr. Hoch's Konservatorium. Gehört dieses Paket zum Selbstverständnis des Künstlers Mebus – und das schon im zarten Alter von 27?
Das alles fügt sich wunderbar zusammen, ja. Ohne meine stetig wachsende Erfahrung in der Praxis wüsste ich ja gar nicht, worauf ich meine Schüler da genau vorbereite. Alles ergänzt sich, wobei das Spielen selbst für mich im Mittelpunkt steht. Zu allem Überfluss bin ich auch noch mein eigener Buchhalter (ein verdammt schlechter).

Im Netz werden Sie als Mainzer Musiker tituliert, in Ihrer Rubrik Vita auf der Webseite wird nur verraten, dass Sie im örtlichen Musikverein mit zehn Jahren Trompete gelernt haben …

Aufgewachsen bin ich am schönen Mittelrhein, in St. Goar-Biebernheim. Dort gibt es meinen alten Musikverein immer noch, und ich denke gerne an die Zeit dort zurück. Schade, dass mich keiner mehr für Polkas und Märsche anruft.
 
23. November 2020, 13.31 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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