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Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin
Foto: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

Frankfurter Buchmesse

Meinungsfreiheit oder nicht?

Weil erneut rechtsextreme Verlage auf der Buchmesse ausstellen dürfen, hat die Autorin Jasmina Kuhnke ihre Auftritte vor Ort abgesagt. Sie fürchtet um ihre Sicherheit und fordert, Nazis keinen Raum zu bieten. Die Verantwortlichen argumentieren mit der Meinungsfreiheit.
Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch auf der diesjährigen Buchmesse, die von Mittwoch bis Sonntag in Frankfurt stattfindet, Verlage aus der rechten Szene vertreten. Die Autorin Jasmina Kuhnke sagte ihre Auftritte dort nun aus Angst um ihre Sicherheit ab. „Selbstverständlich bedauere ich, dass mir nur das Mittel des Boykotts bleibt, um mich als Schwarze Frau zu schützen“, schreibt Kuhnke in einer Stellungnahme.

Unter dem Namen „Quattromilf“ setzt sich die Autorin in den sozialen Medien gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Auch in ihrem ersten Roman, den sie auf der Buchmesse vorstellen wollte, geht es um die Rassismus-Erfahrungen einer Schwarzen Frau. Im Frühjahr war Kuhnkes Adresse mitsamt dem Aufruf „Massakriert Jasmina Kuhnke“ veröffentlicht worden. Die vierfache Mutter musste daraufhin umziehen. Auf der Buchmesse sollte sie nun unter anderem im Rahmen der ARD Buchnacht auftreten. Weil dieser Auftritt nur unter „besonderen Schutzmaßnahmen“ möglich sei, sei er nicht angekündigt worden. Nun hat Kuhnke ihn ganz abgesagt.

Grund für die Entscheidung der Autorin sei unter anderem die Teilnahme des Verlags „Jungeuropa“, der mit einem Stand auf der Messe vertreten ist. Inhaber des Verlags ist Philip Stein, Aktivist der Neuen Rechten; empfohlen wird der Verlag – genauso wie der Karolinger-Verlag, ein weiterer Gast der diesjährigen Buchmesse – beispielsweise auf der Webseite des Antaios-Verlags des Publizisten und neurechten Aktivisten Götz Kubitschek.

Tumulte an Ständen rechte Verlage 2017

Jener Antaios-Verlag hatte schon auf der Buchmesse 2017 für Aufsehen gesorgt. Bei Veranstaltungen mit AfD-Politiker Björn Höcke und dem Kopf der sogenannten „Identitären“, Martin Sellner, kam es damals am Stand des Verlags zu Rangeleien zwischen linken und rechten Aktivist:innen, bei denen die Polizei eingreifen musste. Schon am Tag zuvor war der Münchener Verleger Achim Bergmann am Stand der „Jungen Freiheit“ von einem rechten Anhänger verletzt worden.

Schon damals begründeten die Verantwortlichen der Buchmesse den Aufritt rechtsextremer Verlage mit der Meinungsfreiheit. Auch im Vorfeld der diesjährigen Messe hieß es: „Die Rede- und Meinungsfreiheit ist Grundlage unserer Branche und jeder Demokratie. Das bedeutet nicht, dass die Frankfurter Buchmesse alle Meinungen teilt oder befürwortet.“ Weil das Meinungsspektrum innerhalb der Gesellschaft jedoch breit gefächert sei, gehöre es dazu, „sich mit anderen, fremden Positionen inhaltlich auseinanderzusetzen.“

Es sei untragbar, „Nazis Raum zu bieten, sich darstellen zu dürfen“, erklärt hingegen Autorin Jasmina Kuhnke. Unterstützung bekommt sie auch vonseiten der Bildungsstätte Anne Frank. „Es ist ein Desaster, wenn sich Betroffene von Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit von der Frankfurter Buchmesse zurückziehen, weil sie sich dort nicht sicher fühlen“, sagt Direktor Meron Mendel und erklärt, die Verantwortlichen hätten aus den Ereignissen der vergangenen Jahre nichts gelernt. „Einfach mal Nein sagen und zwei, drei Quadratmeter Messefläche nicht an Rechte vermieten“ wäre „ein starkes Signal für alle, die von Rassismus bedroht sind“, sagt auch der Fraktionsvorsitzende der Linken im Römer, Michael Müller. Er habe Respekt vor allen, die sich den Rechten entgegenstellten und konsequent der Messe fernblieben, so Müller. „Es sind jedoch die Falschen, die fernbleiben.“
 
19. Oktober 2021, 18.36 Uhr
Laura Oehl
 
Laura Oehl
Jahrgang 1994, Studium der Musikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, Journalismus-Master an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, seit Dezember 2020 beim JOURNAL FRANKFURT. – Mehr von Laura Oehl >>
 
 
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