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Corona-Impfung

Ein Virus, zwei Impfstoffe, viele Fragen

Die EU hat den zweiten Impfstoff zugelassen; ab dem 19. Januar sollen die ersten Impfzentren in Hessen öffnen. Dr. Udo Götsch, Arzt beim Frankfurter Gesundheitsamt, beantwortet die wichtigsten Fragen und erklärt, warum er eine Impfung für sinnvoll hält.
Mit dem Wirkstoff des US-Unternehmens Moderna ist am Mittwoch in der EU ein zweiter Corona-Impfstoff zugelassen worden. Zuvor hatte sich die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) für die bedingte Zulassung für Personen ab 18 Jahren ausgesprochen. In den USA, Kanada und Israel ist der Impfstoff bereits zugelassen; neben Biontech/Pfizer wird nun auch Moderna Deutschland beliefern. Am 19. Januar öffnen die ersten Impfzentren, auch in Hessen. Laut Dr. Udo Götsch, Arzt des Frankfurter Gesundheitsamtes, ist dies ein wichtiger Schritt, um zu einem normalen Alltag zurückzukehren.

Herr Dr. Götsch, sollten sich die Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus impfen lassen?
Dr. Udo Götsch: Ja, das sollten sie. Wir haben gesehen, dass durch die bisherigen Maßnahmen, insbesondere durch die Lockdown-Maßnahmen, eine anhaltende Senkung der Infektionszahlen – zumindest in Europa – nicht erreicht werden konnte. Wir sehen, dass die Intensivstationen voll sind und das Krankenhauspersonal als auch die Intensivstationen an ihre Grenzen stoßen. Hinzu kommt, dass auch junge Menschen nach einer Infektion einen langfristigen Schaden davontragen können. Wir alle sehnen uns danach, zu unserem normalen, alltäglichen Leben zurückkehren können, bei dem die Schulen öffnen, wir reisen, und Kulturveranstaltungen stattfinden.

Erste Impfungen wurden bereits durchgeführt. Sind denn bislang Nebenwirkungen bekannt?
Insgesamt haben wir aktuell knapp 4000 Impfungen in Frankfurt durchgeführt, noch sind uns keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt. Im Grunde ist es nicht anders als bei anderen Impfstoffen auch; es kann zu Schmerzen an der Einstichstelle und zu grippeartigen Symptomen wie Müdigkeit, Fieber, Gliederschmerzen oder Kopfschmerzen kommen.

Mit dem Wirkstoff von Moderna wurde nun der zweite Impfstoff in Europa zugelassen. Inwiefern unterscheiden sich dieser zu dem Wirkstoff von Biontech?
Es gibt einige technische Unterschiede, wie zum Beispiel, dass der Impfstoff nicht so stark tiefgekühlt werden muss. Nach dem Auftauen ist er bis zu 30 Tage haltbar, der Biontech-Wirkstoff hingegen nur fünf. Doch auch der Moderna-Impfstoff hat das gleiche Wirkprinzip und muss zweimalig injiziert werden. Beide setzen auf ein sogenanntes mRNA-Vakzin, die Erbinformation in Form von Boten-RNA enthalten. Diese enthält den Bauplan, der von den Körperzellen genutzt wird, um das Antigen nachzubauen.

Nun wird also genetisches Material geimpft. Verändert sich dadurch auch unser Erbgut?
Nein, auf keinen Fall. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der ständig in der menschlichen Zelle abläuft – quasi bei allen Reparaturvorgängen, die im Körper ablaufen. Zum Beispiel, wenn Sie sich verletzen, aber auch generell, wenn Proteine gebildet werden. Das funktioniert nur dann, wenn der Körper auf sein genetisches Programm zurückgreift und die fehlenden Proteine ergänzt. Bei der Impfung nutzt man quasi diese Abläufe des menschlichen Körpers aus, bietet ihm nur Gen-Sequenzen an, die ihm sonst nicht zur Verfügung stehen würden.

Wie lange hält die Immunität durch die Impfung an?
Da die Zulassungsstudie der Unternehmen erst ein paar Monate zurückliegt, können wir dazu aktuell natürlich noch nichts sagen. Hinzu kommt, dass eine Abnahme der Antikörper nicht auch gleichzeitig beweist, dass die Impfstoffwirkung nachlässt. Wir sehen das beispielsweise auch bei der Impfung gegen Hepatitis B: Da sinkt auch im Laufe der Zeit der Antikörper-Titer, dennoch ist durch die sogenannte zelluläre Immunität ein zwar schwer nachweisbare, aber dennoch vorhandene Immunität gegeben.

Auch wenn man sich selbst nicht anstecken kann, besteht die Möglichkeit das Virus trotz Impfung weiterzugeben?
Auch wenn man geimpft ist, bedeutet das natürlich nicht, dass man zu 100 Prozent vor einer kurzfristigen Besiedlung des Rachens mit Coronaviren geschützt ist. Das kann man nicht verhindern. Aber der Körper wird dann keine Vermehrung dieser Zellen im eigenen Organismus zulassen, da er ja immun ist. Ob das, was sich kurzfristig angesammelt hat, und beispielsweise durch Husten weitergegeben wird, noch ansteckend ist, halten wir für sehr unwahrscheinlich. Zumal die Anzahl der Viren, die sich auf der Rachenschleimhaut befindet, auch wieder sinkt.

Generell gilt: Viren verhalten sich anders als Bakterien, die sich außerhalb der menschlichen Zellen teilen können. Viren müssen immer in die menschliche Zelle eindringen. Ein Virus als solches kann sich nicht vermehren, es muss immer die Werkzeuge des menschlichen Körpers nutzen, es missbraucht diese quasi.

Gibt es Personen, die sich nicht impfen lassen sollten?
Aktuell ist der Biontech-Impfstoff ab einem Alter von 16 Jahren zugelassen, die Moderna-Variante ab 18 Jahren. Doch auch das könnte sich noch ändern, wenn dort mehr Informationen für Kinder vorliegen. Einschränkungen gibt es nur bei akuten, fieberhaften Erkrankungen oder wenn Allergien auf bestimmte Bestandteile des Impfstoffs vorliegen. Bei Schwangeren und Stillenden sollte ebenfalls individuell abgewogen werden, ob eine Impfung sinnvoll ist.

Wie stehen Kolleginnen und Kollegen zur Impfung?
Die Bereitschaft beim medizinischen Personal, sich impfen zu lassen ist sehr groß. Es gibt wenig Skepsis.
 
7. Januar 2021, 12.16 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
 
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