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Foto: Adobe Stock/Wagner
Foto: Adobe Stock/Wagner

10 Jahre AfE-Turmsprengung

„Randale, Bambule, Frankfurter Schule“

Vor zehn Jahren wurde der AfE-Turm am Campus Bockenheim gesprengt. Er war Symbol der linken Studentenbewegung in Frankfurt. Seine Sprengung wurde teils als Versuch der Plattmachung empfunden.
2014 war es so weit. Das Ende des AfE-Turms der Goethe-Uni war besiegelt. Einst das höchste Gebäude der Stadt (1972), war er zugleich ein Symbol für gesellschaftlichen Aufbruch. Der Abteilung für Erziehungswissenschaften verdankte er seinen Namen und auch die Gesellschaftswissenschaften beherbergte er. Die gehobene Lage hatte dabei Symbolcharakter: Für viele unterstrich sie die wichtige Stellung der Gesellschaftswissenschaft, also Soziologie, Erziehungswissenschaften und Politologie, an der Goethe-Uni, die bundesweit unter diesem Namen einzigartig war.

Das passte gut in die Zeit. Die aus der 68er-Bewegung kommenden gesellschaftlichen Veränderungen führten zu Umbrüchen an der Uni. Ab 1973 wurde der Turm von den Fachbereichen größtenteils selbst verwaltet, ehe 2001 der Übergang in eine Zentralverwaltung die Autonomie infrage stellte. Die „Neue Linke“ mit ihrer Gegenkultur stand in Tradition der „Frankfurter Schule“ und ihrer „Kritischen Theorie“ um Adorno und Horkheimer, damit war sie den bürgerlichen Kräften von jeher ein Dorn im Auge.

Der AfE-Turm in Frankfurt-Bockenheim als Festung linker Studentenbewegungen

Nach außen brachial und grau, im Inneren voller Leben, Überzeugungen und dem Wunsch nach einer neuen Gesellschaft. Die linke studentische Bewegung machte sich den Turm zu eigen, diskutierte, protestierte dort und besetzte ihn mehrmals. Graffitis und Zigarettenqualm, Piratensender und Lesegruppen, Zeitschriften und neue Politikformen, dazu Professoren, die Tipps für Besetzungen gaben – so beschreibt die taz-Autorin Tania Martini ihre eigenen Erfahrungen. Slogans wie „The Tower is ours“ oder „Randale, Bambule, Frankfurter Schule“ zeugen vom Kampfgeist und dem im Turm vorherrschenden Selbstverständnis.

Der Turm, der Protest und der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung verwuchsen miteinander. Die Studenten füllten die graue Betonhülle mit Lebendigkeit, waren pulsierendes Herz und Seele des Turms. Im Gegenzug schien dieser sie vor der bürgerlichen Normalität zu schützen, war ein Ort der Gemeinschaft und des Widerstands. Seine Bauweise machte ihn zu einem verlässlichen Verbündeten für Blockaden. Lediglich die beiden Treppenhäuser mussten mit Tischen und Stühlen versperrt werden, die Aufzüge wurden nach oben gefahren und auf Nothalt geschaltet, schon glich der Turm einer Festung.

Seine symbolische Zerstörung mit Sprengkraft: Eine Anbiederung an die herrschende Klasse?


Im „flur_funk“, einer Zeitschrift der Fachschaften 03 und 04, hieß es bereits schon 2009: „Beim Umzug wird es um mehr als einen Ortswechsel und den Einzug in neue Gebäude gehen, er wird zum willkommenen Anlass, mit etablierten ‚Unordnungen‘ aufzuräumen.“ Dort sprachen sie von der Zerstörung eines Raums, „der wie kein zweiter am Campus von den Studierenden geprägt“ wurde. Aus Angst vor erneuten Besetzungen wurde der leerstehende Turm bis zur Sprengung mit Stacheldraht gesichert.

Für den Abriss des Turms war zunächst keine Sprengung vorgesehen. Der neue Eigentümer, die „ABG Frankfurt Holding“, entschied sich während der Abrissarbeiten dann aber doch für einen Antrag auf Sprengung, dem stattgegeben wurde. Die Sprengung am im Februar 2014 war ein großes Medienspektakel mit vielen Schaulustigen, zumal der AfE-Turm das bis dahin höchste Gebäude in Europa war, das gesprengt wurde. Für Unterstützer des Turms hatte dies einen besonderen Beigeschmack, symbolisierte die Sprengung für sie das Plattmachen ihrer Ideale und Vorstellungen.

Es folgte der Umzug auf den „schicken“ Campus Westend, sozusagen die Anti-These des AfE-Turms. Neue Lehrstühle entstanden, die sich nicht der kritischen Theorie verpflichtet sahen: ein Ende von 30 Jahren Ausnahmezustand, wie Martini es bezeichnet. Selbstverwaltung sucht man auf dem neuen Campus bisher vergebens.
 
24. Februar 2024, 12.47 Uhr
Florian Aupor
 
 
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