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Rassismus gegen Kommunale Ausländervertretung
 

Rassismus gegen Kommunale Ausländervertretung

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Die üblen Folgen einer Diskussion um die Mohren-Apotheken

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Bei der Ausländervertretung herrscht Entsetzen über die Reaktionen auf einen Antrag, in dem der Begriff Mohren-Apotheke als rassistisch bezeichnet wurde. Der Antragstellerin schlug blanker Hass entgegen.
Thomas Kirchner ist integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Frankfurter Römer. Vor wenigen Tagen machte er eine klare Ansage in Richtung Kommunale Ausländervertretung: Kümmert Euch um wichtigere Dinge als den Namen von Apotheken – zum Beispiel den Kampf gegen Antisemitismus. Damit goss der Stadtverordnete zusätzliches Öl in ein ohnehin schon lichterloh brennendes Feuer.

Mit ihrem Antrag hatte die Kommunale Ausländervertretung bundesweite Aufmerksamkeit bekommen – und bekam in den vergangenen Tagen das ganze Spektrum von Kritik bis zu offenem Hass zu spüren. Die Ausländervertretung schildert, dass es eine Vielzahl von beleidigenden E-Mails gegeben habe, außerdem Mails, die darlegen wollten, dass der Begriff Mohr nicht rassistisch sei – was die KAV auf ihrer vergangenen Sitzung am Montag noch einmal deutlich zurückwies – und schließlich jene Kommentare "deren Absender die Diskussion um das Wort 'Mohr' ausnutzten, um ihren Wortschatz an anderen ähnlich rassistischen Ausdrücken herauszulassen", so Virginia Wangare Greiner, die Antragstellerin. Immer wieder sei dabei deutlich ein „Wir“ und „Ihr“ formuliert worden.

In Briefen an die Geschäftsführung der Ausländervertretung, die die Verfasser mit vollem Namen unterzeichnet haben, heißt es unter anderem:
"Euer Gedankengut ist krank und IHR gehört wegen Verleumdungen und äußern von Rassismusvorwürfen vor den Kadi!!"
oder
"Kümmert euch mal lieber um das aggressive jugendliche Moslempack auf deutschen Strassen! Wenn Ihr mit unserer Kultur nicht zurecht kommt, tut uns einen grossen Gefallen und geht einfach Nachhause"

Die Reaktionen, die die Antragstellerin Virginia Wangare Greiner erfahren habe, seien in Anzahl und Inhalt noch viel schlimmer gewesen. Auch Drohanrufe habe es gegeben.

In der vergangenen Sitzung stellte sich das gesamte Gremium hinter die Antragstellerin. Für Herrn Kirchner entwickelt sich die Pressemitteilung derweil auch zum Bumerang. Laut Angaben der Kommunalen Ausländervertretung hat der integrationspolitische Sprecher bislang dem Gremium nur einen Kurzbesuch abgestattet, bei den letzten Sitzungen, in denen der entsprechende Antrag auch besprochen wurde, sei er nicht dabeigewesen. Man habe ihn auch zu einer Ausstellungseröffnung mit dem Titel 'Unbekannte Helden - Rettung der Juden' eingeladen und anderen ähnlichen Veranstaltungen mehr. "Aber heute wirft er uns vor, nichts gegen Antisemitismus zu tun. Die zahlreichen Aktionen, die wir dazu durchführen, sind ihm anscheinend nicht bekannt", so der KAV-Vorsitzende Jumas Medoff.

Kirchners Stellungnahme wird in einer Mitteilung der KAV als "entsetzlich" bezeichnet. Insbesondere dessen Versuch, den Begriff Mohr positiv zu deuten, stieß den Abgeordneten auf. "Die KAV weist Herrn Kirchner darauf hin, dass Rassismus nicht verhandelbar ist und verurteilt jeglichen Versuch, 'Halb-Rassismus' zu tolerieren", heißt es.

Die KAV sieht sich durch die Reaktionen aber dennoch ermuntert, auf dem richtigen Weg zu sein. "Wir haben offensichtlich etwas angesprochen, was für die Bevölkerung ein äußerst wichtiges Thema ist." Und: "Wir fordern alle demokratischen Kräfte auf, gemeinsam gegen Hass, Intoleranz und Rassismus anzutreten."

In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir Zitate von Jumas Medoff und Virginia Wangare Greiner fälschlicherweise dem Geschäftsführer der KAV zugeschrieben. Den Fehler bedauern wir und haben ihn korrigiert.
9. Februar 2018
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, seit 2004 beim Journal Frankfurt, seit 2010 Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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Leser-Kommentare

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Peter Weissbach am 19.2.2018, 17:50 Uhr:
Dass Ausländer wochenlang auf einen Termin warten für eine Arbeitserlaubnis und sich dennoch wiederholt erfolglos mitten in der Nacht in der Klyerstrasse anstellen müssen, Arbeitserlaubnisse ohne erkennbare Gründe eingeschränkt, befristet und entzogen werden, das ist diskriminierend. Aber die KAV kümmert sich lieber um irgendwelche Leuchtturmprojekte. Sinnlos.
 
Thorsten Stichweh am 12.2.2018, 13:56 Uhr:
Müssen sich dann die 100 Frankfurter die Mohr mit Nachnamen heißen auch umbenennen? Ja man muss was gegen Rassismus tun aber die Kirche im Dorf lassen.
 
Uwe Looschen (Pringles-AUTOMATde) am 12.2.2018, 13:46 Uhr:
Ich halte es für sehr anmaßend, dass die KAV sich ermuntert und auf dem richtigen Weg sieht. Ich habe die bundesweiten Reaktionen z.B. in der Presse verfolgt. Dass deren Populismus bzgl. der Mohren-Apotheke korrekt war, habe ich in keinem einzigen Kommentar gehört. Für die KAV wäre es besser gewesen, ein wenig Demut zu zeigen. Denn deren Anstoß an den Namen Mohr ist to much gewesen. Eine Entschuldigung der KAV wäre auch angebracht gewesen. Toleranz heißt auch, dass man Dinge aus vergangenen Jahrhunderten anerkennen kann; sofern man sich mit der Geschichte auch beschäftigt (will).
 
Vivian Darkbloom am 9.2.2018, 18:09 Uhr:
Virginia Wangare Greiner setzt sich gegen weibliche Genitalverstümmelung ein, auch für Mädchen und Frauen, die beschnitten worden sind und darunter leiden.
Ich schäme mich für den Hass, der ihr entgegenschlägt. Ich wünsche ihr alles gute und dass das bald aufhört.
(Die CDU hat sich hier auch erbärmlich verhalten, ausgerechnet dem KAV Rassismus vorzuwerfen.)
 
 
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