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Oberbürgermeister-Kandidat Stefan "Shantel" Hantel
 

Oberbürgermeister-Kandidat Stefan "Shantel" Hantel

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"Frankfurt fehlen vorausschauende Ideen und Innovationen“

Foto: Horst A. Friedrichs
Foto: Horst A. Friedrichs
Als Shantel ist der Musiker Stefan Hantel in der ganzen Welt unterwegs.Jetzt will er in seiner Heimatstadt Oberbürgermeister werden. Was sind seine Gedanken und Pläne? Und meint er das wirklich ernst? Ein Besuch.
"Ich trete an, parteilos, unabhängig“, sagt Stefan Hantel während er einen Kaffee in seiner Küche zubereitet. In der Frankfurter Innenstadt zwischen Konstabler und Wallanlagen ist sein Zuhause. Er will der Stadt etwas geben, nicht ganz uneigennützig, natürlich. Er liebt seine Stadt, das kosmopolitisch weltoffene Frankfurt. Deutschlands internationalste Stadt, die im aktuellen Städteranking nicht mal mehr in der Top 20 zu finden ist. Es könnte doch eigentlich besser sein: lebenswerter, offener, dynamischer. Eine Stadt, wie er sagt, in der sich Kinder und alte Menschen sicher bewegen können. Eine Stadt, die ihre Kulturinstitutionen umarmt – und die rascher entscheidet als derzeit. Mehltau habe sich über das politische System gelegt. „Zwischen CDU, SPD und Grünen wird parteipolitisch taktiert. Die Parteiräson dominiert politische Entscheidungen. Frankfurt fehlen vorausschauende Ideen und Innovationen.“

„Frankfurt am Main ist die wichtigste Stadt in Europa! Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen. Wir müssen in der Lage sein, mit allen gesellschaftlich relevanten Gruppen, visionäre Ziele zu entwickeln“, sagt er und ist plötzlich ganz in seinem Element. „Machen wir gemeinsam aus Frankfurt den vielfältigsten und lebenswertesten Schmelztiegel in Europa und der ganzen Welt. Eine Stadt, die für alle Einkommensgruppen lebens- und liebenswert ist. Machen wir nicht dieselben Fehler wie in London, Paris oder Berlin. Frankfurt muss richtungsweisend sein. Wir müssen in der Lage sein über Parteigrenzen hinweg Bündnisse zu kreieren und die Bürger als aktiven Teil einer großen, international aufgestellten Stadtkultur zu betrachten und zu respektieren.“

Bevor wir also ans Eingemachte gehen, ans Programm, mit dem Stefan Hantel bei der Wahl im Februar die Frankfurter begeistern will, muss die erste Frage lauten: Warum versucht er sein Glück nicht bei einer der regierenden Parteien? „Weil mich Partei-Filz und Klüngel nicht interessieren und weil Gefälligkeit und Linientreue nicht zwingend Kompetenz ersetzten“, sagt er. „Für mich ist ein Oberbürgermeister ein integrativer Tausendsassa und Manager, Mediator, Zuhörer, Lautsprecher falls nötig, in erster Linie aber ein Freund, Nachbar, Kollege.“ Ein Mensch, der in der Lage sein müsse, mit allen gesellschaftlichen Gruppen zu kommunizieren und alle Möglichkeiten ausschöpft, um einen identitätsstiftenden Konsens herbeizuführen. „Das erscheint mir kaum möglich, wenn Arbeitsprozesse durch Fraktionszwang und innerparteiliche Strukturen verlangsamt, blockiert oder gar sabotiert werden. Ich möchte Konsens und nicht Dissens.“

Kommunizieren mit den Bürgern will Stefan Hantel auf vielen verschiedenen Ebenen beispielsweise bei einem öffentlichen Brunch. „Warum nicht eine Frankfurter Küche beim OB, die durch die Stadtteile zieht – es wird zusammen gekocht, gegessen und diskutiert. Es geht darum, Eitelkeiten abzulegen und das direkte Gespräch und auch die direkte Kommunikation mit dem Bürger zu suchen. Kurzum: Mich interessiert jeder Mensch in dieser Stadt. Ich rede mit allen, von jung bis alt, jedem, der ein Interesse daran hat, die Stadt voranzubringen. Ich will kreative und weltoffene Bürger mit Fantasie. Transparenz auf allen Ebenen – das ist es was ich will.“

Wie realistisch ist es, dass Frankfurt einen ganz anderen Oberbürgermeister bekommt? Einen Musiker, dessen Bucovina Club weltberühmt ist und den deswegen diese Welt eher nach Berlin denn nach Frankfurt verorten würde. Und was würde das mit der Frankfurter Lokalpolitik machen? Das Szenario ist schnell erklärt: Als parteiloser Oberbürgermeister würde Shantel Teil einer Regierung sein, die aus Sozialdemokraten, Christdemokraten und Grünen besteht. In diesem Magistrat hätte er auch keine Entscheidungsgewalt – er ist primus inter pares, erster unter Gleichen, mehr nicht. Seine einzige Macht, die er ausüben kann: die Posten der Regierung neu verteilen. Aber: Will er das? Wird er nicht auf Unwillen stoßen, ihn einzubeziehen – und auch auf Hass, dass dieser politische Nobody die Party crasht? „Ohne Liebe kein Hass“, sagt Shantel und fügt dann hinzu: „Ich möchte das Frankfurter Potential maximal ausschöpfen, für mich ist Teamfähigkeit, Anwesenheitspflicht und Fairplay eine Grundvoraussetzung für jeden Stadtverordneten und jeden Stadtrat. Ich gehe davon aus, dass wir alle in dieser Stadt das Interesse teilen, sie besser zu machen. Ich will mich nicht mit Gedenktafeln in dieser Stadt verewigen, sondern das positive Lebensgefühl in Frankfurt voranbringen.“

Warum hat sich in den vergangenen Monaten bei Shantel ein Schalter umgelegt, der ihm nahelegte, in die Niederungen Frankfurter Lokalpolitik einzusteigen? „Die Stadt agiert derzeit unter ihrem Niveau“, sagt er. Es sei an der Zeit, den „Turbolader mit Hybridantrieb“ einzuschalten. „Vielleicht sind die Ansätze der aktuellen Besetzung auch nicht so schlecht, aber Parteipolitik und Fraktionszwang sind kontraproduktiv. Man muss ehrlich und transparent wirtschaften, schneller kommunizieren und agieren.“ Nur so könne sich Frankfurt zu einer modernen, international zugkräftigen Metropole wandeln. Der Funktion des Stadtoberhaupts müsse man neues Leben einhauchen – ob Berufspolitiker dafür taugten, zieht er grundsätzlich in Zweifel. Kann es ein Musiker besser? „Als selbständiger Unternehmer in der Musikindustrie, Geschäftsführer einer Plattenfirma, Verleger sowie international tourender Künstler, arbeite ich seit mehr als 30 Jahren weltweit erfolgreich. Mehrsprachige Vertragsverhandlungen gehören zum Tagesgeschäft, Kompromissfähigkeit und schnelle Entscheidungen inklusive.“ Sein Ziel sei eine zukunftsweisende Stadtentwicklung. Es geht darum, das Lebensgefühl der Bürger zu lesen und greifbar zu machen. Das ist wie ein großes Orchester zu dirigieren, da ist dann auch der Musiker und Orchesterleiter Shantel gefragt.

Dann hören wir mal rein ins Album „Stadt für alle“ im zweiten Teil dieses Textes.

Der Text ist zuerst im Journal Frankfurt vom 22. August 2017 erschienen und hat nicht nur in Frankfurt, sondern auch bundesweit Wellen geschlagen. Wegen des großen Interesses über die Stadt hinaus, haben wir uns entschieden, ihn hier in kompletter Länge online zu stellen. Allen, die gerne frühzeitig über solche und andere stadtrelevanten Themen informiert sein möchten, empfehlen wir ein Abonnement unseres Print-Heftes :*
 
6. September 2017, 10.59 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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