Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Panorama
Startseite Alle NachrichtenPanorama
Quartettspiel mit Lokalkolorit
 

Quartettspiel mit Lokalkolorit

0

„Wir leben den Apfel!“

Foto: © Detlef Kinsler
Foto: © Detlef Kinsler
Kennen Sie den Freiherr von Berlepsch, den Ruhm aus Kelsterbach oder die Rheinische Schafsnase? Nein. Dann kaufen sie ihre Äpfel wohl im Supermarkt. Die Macher des „Hessischen Äppelquartetts“ brechen eine Lanze für die Apfelvielfalt.
Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel. Denkste. Wenn die beiden Fotografen und hessischen Traditionsbewahrer Boris Borm und Hubert Gloss ein neues Quartett vorstellen, dann darf man getrost davon ausgehen, dass sie weit mehr im Sinn haben als die Bespaßung ihrer Kundschaft. 2014 erschien in Zusammenarbeit mit Oliver Kirst das „Wasserhäuschen Quartett“. Ein Nischenprodukt dachten nicht wenige, aber die liebevoll gestaltete Huldigung an die „Jedermann-Bars“ und „Treffpunkte ohne Standesdünkel“ (so die Macher) geriet zum Kultobjekt und Bestseller, von dem drei Jahre später sogar eine zweite Folge erschien. Mit der Veröffentlichung ging eine Diskussion einher, wie sich über die Jahrzehnte das Wasserhäuschenstadtbild verändert hatte. Ein optischer Störfaktor für so manchen Stadtplaner, somit auch ein Politikum und gerade zuletzt im Zusammenhang mit angekündigten Pachterhöhungen wieder in den Medien.



© Detlef Kinsler

Rechtzeitig zum Herbstanfang, der Obstlese und Kelter- und Erntezeit kommt nun das brandneue „Hessiche Äppelquartett“ (www.allesgude.de) in den Handel. Hier treten 32 hier angebaute Äpfel in den Kategorien Tafelapfel, Wirtschaftsapfel, Backapfel, Mostapfel, Brennfrucht, Dörrfrucht, Schaufrucht und Pomologische Rarität in Kategorien wie Entstehung (der älteste ist um 1175 datiert), Fruchtgröße (bis zu 100 mm), Äppelweitauglichkeit, Verführungsfaktor und Gefährdungsgrad gegeneinander an. Der letzte Begriff macht schon deutlich: auch hier haben die Spielgestalter wieder einen Hintergedanken. „Der Lebensraum Streuobstwiese ist stark gefährdet und mit ihr viele heimische Apfensorten. Mit unserem Apfelquartett möchten wir uns für die Vielfalt der Apfelsorten und deren Erhalt einsetzen.“



Ottfried Schreiter, Hubert Gloss, Steffen Kahl und Boris Borm. © Detlef Kinsler

Borm und Gloss hatten die Idee schon vor drei Jahren, Vorschub sie auch umzusetzen leistete ein Treffen bei einem Fotoshooting mit Ottfried Schreiter, dessen Poster „Apfelvielfalt“ ihn als Partner prädestinierte. Mit Steffen Kahl kam noch in echter Pomologe und damit ausgewiesener Kenner der langen Apfelgeschichte ins Boot. Ein engagiertes Quartett also hinter dem Quartett, dessen Botschaften bei der Vorstellung des Spiels vergangene Woche im MainÄppelHaus auf dem Lohrberg bei frisch gekeltertem Süßen klar und deutlich formuliert wurden. Unmöglich und absurd finden es die Vier, dass in Supermärkten Industrieäpfel aus China, Chile und Südafrika angeboten werde, während hierzulande alte, traditionelle Sorten auszusterben drohen, weil selbst die vom anderen Ende der Welt eingeflogenen Äpfel kostengünstiger angeboten werden können. „Wir sollten uns auf die Wochenmärkte besinnen“, meint Gloss und unser Verhalten mal überprüfen, wenn wir durch die Felder streifen, uns nicht nach den Früchten auf den Fallobstwiesen bücken, die dann da zwangsläufig verrotten müssen. „Erhaltung durch Nutzung“, heißt die Losung für Schreiter. „Lieber ein Apfel mit Wurm als einer mit langem Anfahrtsweg“, formuliert es Gloss gewohnt blumig.



© Detlef Kinsler

Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel. Von wegen. Während der Käufer beim Discounter irgendwann nur noch nach grünen, gelben und roten Äpfeln unterscheidet, haben die Apfelsorten im Quartett alle klangvolle Namen zum ureigenen Charakter. Da gibt es den Freiherr von Berlepsch, den Ruhm aus Kelsterbach, die Rheinische Schafsnase oder den Doppelten Prinzenapfel. Kein Biss ohne Geschichte. Borm sieht den Apfel stellvertretend für ein grundsätzliches Problem. Die Bequemlichkeit des Menschen befeuert die Gleichmacherei auf allen Ebenen. „Dabei ist Vielfalt die Grundlagen allen Lebens auf der Erde.“ Egal ob Wasserhäuschen oder Hessische Äppel – „beides ist Hobby und Leidenschaft, Teil unserer Identität“, bekennen Borm und Gloss. „Wir leben den Apfel!“ Mit einem Spiel den Menschen spielerisch Probleme vermitteln, das hat auch einen beiläufig didaktischen Aspekt. So lässt sich die Komplexität des Themas kompakt verdeutlichen.

>> „Das Hessiche Äppelquartett“, 7,90 Euro, www.allesgude.de
24. September 2018
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Panorama
 
 
Die besten Tipps fürs Osterwochenende
0
Das bietet Frankfurt an Ostern
Ostern steht vor der Tür und für die meisten bedeutet das: vier Tage frei. Damit in der Zeit keine Langeweile aufkommt, haben wir die besten Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Oper/Klassik, Nightlife, Kinder, Kunst, Rock/Pop und Sonstiges zusammengetragen. – Weiterlesen >>
Text: red / Foto: ABa81/Pixelio
 
 
Fritz Bauer Institut forscht zum KZ Katzbach
1
Erschütternde Verdrängung
Bis heute ist vielen nicht bewusst, dass sich mitten in Frankfurt ein Konzentrationslager befand: Das KZ Katzbach in den Adlerwerken. Die Stadt hatte das Fritz Bauer Institut mit der Erforschung der Geschichte beauftragt, nun wurden die ersten Teil-Ergebnisse vorgestellt. – Weiterlesen >>
Text: hes/ffm / Foto: wch
 
 
Beamte urinieren gegen Haustür eines Gefährders
0
Erneut fragwürdige Vorfälle bei Frankfurter Polizei
Die Polizei Frankfurt stand in der Vergangenheit mehrmals wegen Vorwürfen rechtsextremistischer Tendenzen im Mittelpunkt. Nun wurde der nächste Skandal bekannt: Nach einer privaten Feier haben zwei Polizisten an die Haustür eines Gefährders uriniert. – Weiterlesen >>
Text: Elena Zompi / Foto: Bernd Kammerer
 
 
 
Aktion der Frankfurter Tafel zu Ostern
0
Osternest für Bedürftige
Die Frankfurter Tafel veranstaltet eine Osteraktion: An allen elf Lebensmittelausgaben der Stadt soll ein bunter Ostertisch für die Kunden der Tafel aufgestellt werden. Die 167 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel freuen sich über finanzielle Unterstützung. – Weiterlesen >>
Text: red / Foto: Frankfurter Tafel
 
 
Make-A-Wish eröffnet im Nordend
0
Tag der Wunscherfüllung
Passend zum Tag der Wunscherfüllung am 29. April hat in Frankfurt ein Büro von Make-A-Wish Deutschland eröffnet. Die Organisation setzt sich dafür ein, schwer erkrankten Kindern ihren größten Wunsch zu erfüllen. – Weiterlesen >>
Text: Sina Eichhorn / Foto: Unsplash/Veronika Homchis
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  1473