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Auftragsmord: Millionenerbe vor Gericht
 

Auftragsmord: Millionenerbe vor Gericht

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Der komplexe Fall Falk

Foto: Der Angeklagte Alexander Falk (m) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l) und Björn Gercke // picture alliance/Arne Dedert/dpa
Foto: Der Angeklagte Alexander Falk (m) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l) und Björn Gercke // picture alliance/Arne Dedert/dpa
Seit Mittwoch muss sich der Stadtplan-Erbe Alexander Falk vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Ihm wird vorgeworfen, 2010 einen Auftragskiller mit dem Mord an einem Frankfurter Anwalt beauftragt zu haben.
Seit Mittwochvormittag läuft am Landgericht Frankfurt der Prozess gegen Alexander Falk. Dem Stadtplan-Erben wird vorgeworfen, 2010 einen Auftragskiller mit dem Mord an einem Frankfurter Anwalt beauftragt zu haben. „Ich sitze seit einem Jahr unschuldig in Untersuchungshaft“, sagte Falk kurz vor Verhandlungsbeginn, „diese Zeit ist für meine Familie und mich nicht leicht. Ich vermisse meine liebe Frau und meine lieben Kinder sehr.“ Er sei froh, dass der Prozess nun endlich beginne und er seine Unschuld beweisen könne. Falks Anwälte Björn Gercke und Daniel Wölky von der Kanzlei Gercke Wollschläger plädieren auf Freispruch, es gebe kein plausibles Motiv, so die Anwälte.

Der Fall „Ision“

Der Fall ist ausgesprochen komplex und beginnt mit einer früheren Verurteilung Alexander Falks: Im Jahr 2000 verkaufte Falk seine Firma Ision an die britische Firma Energis plc. Die wiederum verklagte Falk wegen Betrugs. Der damalige Vorwurf lautete, Falk habe den Wert seines Unternehmens über Scheingeschäfte manipuliert, die 772 Millionen Euro, die für Ision gezahlt wurden, seien damit ein viel zu hoher Preis gewesen. Das Landgericht Hamburg folgte der Anklage und verurteilte Alexander Falk 2008 wegen Betrugs und Bilanzfälschung zu vier Jahren Freiheitsstrafe, von denen er knapp zwei Drittel absaß.

Parallel fand ein Zivilprozess zwischen Falk und Energis statt, in dessen Konsequenz der Unternehmer 2012 zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 209 Millionen Euro verurteilt wurde. Der Frankfurter Anwalt Wolfgang J., der im aktuell verhandelten Fall das Opfer ist, war während des Zivilprozesses für die Kanzlei Clifford Chance, die die Interessen von Energis vertrat, tätig. Clifford Chance ließ für die Schadensersatzforderung Falks Vermögen in Deutschland, der Schweiz und Südafrika pfänden.

Anschlag auf Wolfgang J.

Der neueste Vorwurf lautet nun, Alexander Falk habe 2009 in einem Hamburger Restaurant als Racheakt einen Mittelsmann, gegen den ein gesonderter Prozess läuft, mit der Tötung des Rechtsanwalts Wolfgang J. beauftragt und hierfür einen Umschlag mit Bargeld, angeblich 200 000 Euro, übergeben. Im Februar 2010 wurde das Opfer vor seiner Wohnung angeschossen. Der Schuss ging ins linke Bein, der damals 46-Jährige überlebte.

Der Fall wurde 2010 auch in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ behandelt. Hilfreiche Hinweise gingen damals trotz der ausgeschriebenen Belohnung von 100 000 Euro nicht ein, eine Verbindung nach Hamburg wurde aber dennoch schnell vermutet. Die Polizei ging damals bereits von Rache als möglichem Tatmotiv aus. Schon vor der Tat soll das Opfer Drohungen erhalten haben, unter anderem über einen Anruf von einer Hamburger Telefonnummer. Zudem seien dem Anwalt mehrfach Autos mit Hamburger Kennzeichen in der Nähe seines Hauses in Frankfurt-Harheim aufgefallen.

Mögliche Erpressung der Familie Falk

Aus Sicht der Verteidigung kann Alexander Falk nichts mit dem Anschlag zu tun haben, Wolfgang J. habe in dem Ision-Fall keine relevante Rolle gespielt, insofern sei das Rachemotiv auszuschließen. Vielmehr laufe seit 2010 eine umfangreich geplante Erpressung gegen die Familie Falk. Hier kommen wiederum neue Personen ins Spiel. Alexander Falk habe sich, so die Verteidigung, 2009 Geld von dem Brüderpaar Cihan und Niyazi B. geliehen. Die Brüder sind in der Hamburger Boxerszene bekannt, Falk lernte Cihan B. im Gefängnis kennen. Bei der geliehenen Summe soll es sich um rund 250 000 Euro handeln. Anfang 2010 sei die Familie Falk dann nach Südafrika gereist und dort bis zum Sommer geblieben. Nachdem Wolfgang J. im Februar 2010 angeschossen wurde, habe sich Alexander Falk gegenüber den Brüdern B. „erbost“ geäußert. Er habe bereits kurz nach dem Mordanschlag befürchtet, man könne ihn mit der Tat in Verbindung bringen.

Cihan und Niyazi B. sollen wiederum ihrerseits nicht erfreut gewesen sein und Falk an seine Schulden sowie gemeinsam geplante Immobiliengeschäfte erinnert haben. Im Juni 2010 trafen sich Alexander Falk und die Brüder B. in Istanbul mit einem türkischen Immobilieninvestor, bei dem Gespräch kam eine etwa achtminütige Tonaufnahme zustande, auf der zu hören ist, wie sich Alexander Falk schadenfroh über den Anschlag auf Wolfgang J. äußert. Die Verteidigung ist sich dennoch sicher, dass dies noch kein Indiz dafür sei, dass Falk die Tat in Auftrag gegeben habe.

Im September 2010 habe dann die Erpressung der Familie Falk begonnen. Mehrfach seien spätabends Personen auf dem Grundstück aufgetaucht und hätten verlangt, mit Alexander Falk zu sprechen. Außerdem seien Drohbriefe geschickt worden, in denen unter anderem eine Zahlung von 3 Millionen Euro gefordert wurde. Die Falks vermuteten zwar schnell die Brüder B. hinter den Schreiben, trauten sich aber laut der Verteidigung nicht, die Polizei aufzusuchen. Sowohl der Anschlag auf Wolfgang J. als auch die Erfahrung mit der Presse in den vorangegangenen Verfahren hätten sie davon abgehalten.

Die Falks seien noch bis Januar 2018 regelmäßig bedroht worden, auch der hinzugezogene Anwalt der Familie sei bei einem Zwischenfall im Januar 2013 von mehreren Personen im Park abgefangen und bedroht worden. Die Brüder B. wollen mit den Drohschreiben nichts zu tun haben, verlangten aber bei einem persönlichen Treffen im April 2011 die Zahlung von 500 000 Euro – 250 000 Euro, um die Schulden von 2009 zu begleichen, weitere 250 000 im Zusammenhang mit gemeinsam in der Türkei getätigten Geschäften.

Kronzeuge oder Täter?

Eine weitere tragende Rolle in diesem Stück spielt Ertem E., wie die Brüder B. bewegt auch er sich in der Hamburger Boxerszene. 2017 wandte er sich mit Informationen zu dem Anschlag gegen Wolfgang J. an die Abteilung für die Führung von V-Männern des Hamburger Landeskriminalamts. Er wird vor dem Landgericht Frankfurt als einer der Hauptzeugen gegen Alexander Falk aussagen. Das Interessante dabei: Ertem E. soll maßgeblich für die Bedrohung und Erpressung Falks verantwortlich gewesen sein und zu den Personen gehören, die mehrfach auf dem Grundstück der Familie auftauchten. Ertem E. sagt nun, er sei dabei gewesen, als Falk den Auftrag gab, Wolfgang J. zu ermorden. Von ihm stammt auch der achtminütige Mitschnitt des Gesprächs, das Alexander Falk in Istanbul mit den Brüdern B. geführt haben soll. Falks Verteidigung wiederum argumentiert, Ertem E. sei für den Anschlag auf Wolfgang J. verantwortlich zu machen.

Der Prozess am Frankfurter Landgericht wird mindestens bis Ende des Jahres andauern. In den kommenden Monaten sollen in insgesamt 18 Terminen 20 Zeuginnen und Zeugen und mehre Sachverständige befragt werden. Die wird es wohl auch benötigen, um Licht in das Dunkel dieses komplexen Falles zu bringen.
 
21. August 2019, 12.31 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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