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Symposium zur Schrift der Zukunft
 

Symposium zur Schrift der Zukunft

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Das ist ja grotesk!

Foto: Stephan Böhm
Foto: Stephan Böhm
Bei einem zweitägigen Symposium im Gutenberg-Museum in Mainz drehte sich alles um die Groteskschrift. Renommierte Gestalter diskutierten aktuelle typographische Positionen und konnten auch den Fachfremden begeistern.
Haben Sie sich jemals Gedanken um die Entstehung digitaler Schriften gemacht? Und warum es so viele davon gibt? Nein? Dann hätten Sie das Symposium besuchen sollen, das am 16. und 17. April im Gutenberg-Museum in Mainz stattfand. Unter dem Motto „Schrift der Zukunft“ gingen renommierte Grafikdesigner, Kunst- und Designhistoriker und Schriftgestalter Sans Serif, Linear-Antiqua, Skelettschrift und Co. auf den Grund. Das klingt grotesk? Ist es auch. Die Groteskschrift, zu der die gerade genannten Typen allesamt zählen, war lange umstritten und stieß vielfach auf Ablehnung, steht grotesk im eigentlichen Wortsinne doch auch für wunderlich, überspannt, verzerrt, durch eine starke Übersteigerung oder Verzerrung ab­sonderlich übertrieben oder lächerlich wirkend. Heute dagegen hat sicher jeder von uns schon einmal, ob bewusst oder unbewusst, mit einer Groteskschrift gearbeitet.

Dass es allerhand zu bereden, überlegen und diskutieren gibt in Bezug auf moderne Schriften, davon konnte man sich bei zahlreichen Vorträgen überzeugen lassen. Ein Highlight der Veranstaltungsreihe war sicherlich die Eröffnungsrede Erik Spiekermanns (Foto) zu „Groteskschriften – eine falsche Bezeichnung für die richtigen Schriften zur richtigen Zeit“. Erik wer? Nun, ich kannte ihn bis zu diesem Abend auch nicht, aber er hat den mit Abstand amüsantesten Vortrag gehalten, dem ich je beiwohnen durfte.

Erik Spiekermann gilt als einer der weltweit führenden Schriftgestalter. Aus seiner Feder stammen zum Beispiel die Schriften FF Meta und ITC Officina, die Fachleute als „moderne Klassiker“ bezeichnen. Spiekermann studierte Kunstgeschichte, unterrichtet heute an der Hochschule für Künste in Berlin und ist unter anderem für das graphische Erscheinungsbild von Audi, Volkswagen, Deutsche Bahn und der englischen Zeitschrift The Economist verantwortlich. Dank dieser Koryphäe in Sachen Schrift verließ auch der Laie das Gutenberg-Museum an diesem Abend mit zahlreichen gewonnenen Informationen und Eindrücken und vor allem mit vor Lachem schmerzenden Bauch - ob seine Schriften etwas taugen, müssen Experten beurteilen, Witze erzählen kann Herr Spiekermann jedenfalls.

Davon abgesehen sind es sind tatsächlich hochspannende Fragen, die auf dieser Tagung in den Raum geworfen und diskutiert wurden. Wie entstanden verschiedene Schrifttypen, wie veränderte sich ihre Gestaltung im Laufe der Geschichte – zum Beispiel während des Nationalsozialismus – und welche Wirkung kann das Erscheinungsbild von Buchstaben auf den Betrachter haben? Aktuell wird die Groteskschrift wieder neu entdeckt und interpretiert, wie Fachleute wie Christopher Burke, Ute Brüning, Kai Bernau und Wolfgang Hartmann erläuterten. Auch über die Ästhetik der Groteskschrift und die Streitfrage, ob bestimmte Schriften für ästhetisch anspruchsvolle Werke eingesetzt werden dürfen, konnte das Publikum viel erfahren.

Es waren sehr spezielle Themen, die auf dem Symposium, das schon nach zwei Tagen ausverkauft war, besprochen wurden, doch dank hochkarätiger Teilnehmer waren die vielen Vorträge und Gespräche auch für ein Laien-Publikum verständlich und interessant. Entstanden ist die Tagung im Gutenberg-Museum in Kooperation mit der Hochschule Mainz, deren Gestalter-Nachwuchs 2011 bereits die erfolgreiche Ausstellung „On Type: Texte zur Typografie“ in den Räumen des Hauses umsetzte.
 
19. April 2015, 22.52 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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Leser-Kommentare

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Ronald M. Filkas am 20.4.2015, 14:49 Uhr:
Interessant, dass am Anfang des Artikels danach gefragt wird, ob man sich jemals Gedanken über die Entstehung DIGITALER Schriften gemacht hat, zumal es während dieses Symposiums keineswegs nur um diese zu gehen scheint!

Zur Erinnerung: Lange vor den digitalen Schriften gab es bereits gezeichnete, gekratzte, gemeißelte, geschriebene Schriften und später auch solche, die in Form von Bleilettern gedruckt werden konnten! Und so viele digitale Schriften gab es, zumindest am Anfang der Digitalisierung auch nicht: nämlich gerade einmal 10 (in Worten: zehn), die sogenannten Core Fonts for the Web. Erst später entstanden in diesem Bereich weitere neue Fonts und alte wurden digitalisiert.

Die Bezeichnung Grotesk für eine bestimmte Schriftfamilie ist übrigens nur in Deutschland gebräuchlich und wird kritisiert. In anderen Sprachräumen werden dafür Wörter aus dem Stamm linea verwendet, also Lineare oder Lineale. Der Vergleich mit dem üblicherweise gebrauchten Sinn von grotesk hinkt daher.

Das mal als Anmerkungen eines immer seltener werdenden Vertreters eines ausgestorbenen Berufs: eines ehemaligen Schriftsetzers, nämlich aus dem Blei-Handsatz!
 
 
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