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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

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Dazzle, Dazzle

Dazzle Paintings wurden im Ersten Weltkrieg als Camouflage für Schiffe erfunden. Ziemlich nutzlos – außer für die Moral der Truppe. Gleiches gilt für die aktuelle Rehberger-Schau in der Schirn, meint unsere Autorin.
Dazzle painting ist ein Tarn-Anstrich, der Schiffe im Ersten Weltkrieg vor Versenkung schützen sollte. Mit Hilfe von Tarn-Schemata sollten Ortung, Identifikation, Kurs und Geschwindigkeit der Schiffsklassen für den Gegner schwer erkennbar gemacht werden. Tatsächlich hob der Tarnanstrich eher die Moral der Besatzung, als dass er Auswirkungen auf die Versenkungshäufigkeit der Schiffe genommen hätte. Norman Wilkinson war der Künstler, der das Dazzle Painting für die Britische Marine entwarf.

Heute hebt Dazzle Painting die Moral der Kunstszene, genau genommen die Moral der Besucher der Ausstellung "Home and away and outside" von Tobias Rehberger in der Schirn. Einer der drei Räume ist mit einem für die Ausstellung konzipierten Dazzle Camouflage Muster vollflächig tapeziert. Diesen Raum proklamiert die Schirn als Fortführung des Preisgekrönten Werks "Was Du Liebst, Bringt Dich Auch Zum Weinen" zur 53. Biennale in Venedig. Rehberger verwandelte 2009 eine Cafeteria im Park der Giardini in erlebbare Kunst. "Durch das Umfunktionieren des bestehenden Raumes in ein Kunstwerk werde soziale Kommunikation zu ästhetischer Praxis" so die Begründung des Preisgerichts zur Vergabe des Goldenen Löwens an Tobias Rehberger. So stehen wir heute in den Räumen der Schirn und praktizieren visuelle anstelle soziale Kommunikation? Partizipieren oder praktizieren wir hier? Ist das Kunst oder Innenarchitektur oder Design? Während ich mich das frage, positionierte ich mich bereits inmitten von Dazzle paintings als Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer.

Ich gehe gerne zu den Ausstellungseröffnungen der Schirn. Es treffen sich dort viele unterschiedliche Menschen, die Teil der bildenden Kunst sind, oder sich nur einfach daran erfreuen. In der Architekturszene ist das weniger der Fall. Es herrscht unter Architekten ein gewisser alteingesessener vorherrschender Dünkel ewig Gestriger, der mehr befremdet als inspiriert.

Dieser Vorwurf lässt sich in der aktuellen Kunstszene schwer erheben. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wenige Architekten zeitgenössische Ausstellungen besuchen. Zum anderen hat das große Interesse an moderner Kunst auch mit ihren international anerkannten Protagonisten zu tun. Zugegen sind zur Ausstellungseröffnung Sammler, Kunst- und Kulturinteressierte, Ausstellungsmacher oder eben jene, die nur Spaß an den Ausstellungenseröffnungen haben und sich auf einen Drink unterhalb der Rotunde treffen. So wird die Schirn, anlässlich ihrer Vernissagen, ein Ort der Begegnung und mindert auch die Barrieren gesellschaftlichen Zugangs zu- und untereinander. Kultur, ein ständiger Prozess, in dem wir uns im Miteinander definieren und unsere Zukunft mal schlechter oder auch mal besser gestalten.

Während die Architekturszene Frankfurts eben noch versäumt moderne, weniger technologische, mehr gesellschaftliche Antworten zu finden, gestaltet sich die Kunstwelt intellektuell besser, wenngleich auch kommerziell. Damit ist sie aber "Up To Date" und die Schirn "A Place To Be", denn Demokratie ist in unserer heutigen Konsumgesellschaft auch das freiheitliche Partizipieren am Kommerz.

Ob sich nun Tobias Rehberger eher der Kunst oder vermehrt einem avandgardistsichen Design widmet, ist , solange die hiesige Architekturszene die Avantgarde verpennt, zweitrangig. Wichtig ist nur, dass einer zeigt, wie und, dass Avantgarde zu praktizieren geht!
 
25. Februar 2014, 11.20 Uhr
Ana Marija Milkovic
 
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