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Intendant Oliver Reese geht, Anselm Weber kommt
 

Intendant Oliver Reese geht, Anselm Weber kommt

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Wachwechsel im Schauspiel Frankfurt

Foto: nil
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Oliver Reese zieht Bilanz bevor es ihn nach Berlin zieht, Anselm Weber stellt sein neues Programm für das Schauspiel Frankfurt vor. Das setzt erst einmal auf Bewährtes – auch das von Reese eingeführte Logo bleibt.
Nun hat der Alte seine Bilanz gezogen und der Neue sein Programm verkündet: Oliver Reese, scheidender Intendant des Schauspiel Frankfurt, hat letzten Donnerstag seine Frankfurter Erfolge Revue passieren lassen. Nur wenige Tage später stellte sein Nachfolger Anselm Weber sein Programm für Frankfurt vor.

Erst zum Alten: Ein gutaufgelegter Reese ließ im Kreis seiner Mitarbeiterinnen – Chefdramaturgin Sibylle Baschung, Schauspielerin Josefin Platt und Kuratorin Clara Topic-Matutin, Leiterin von Regie- und Autorenstudio – seine Jahre in Frankfurt Revue passieren. Zur Spielzeit 2009/10 trat er an mit der Leitidee, das Schauspieler-Ensemble ins Zentrum seiner Arbeit zu stellen, denn am Abend stehe der Schauspieler allein auf der Bühne. „Das ist eine Arbeit, die man mit Geld nicht vergelten kann“, so Reese. Dafür habe er die Chance geboten, sich in einer Stadt zu entwickeln: Es war Programm, dass alle Hauptrollen von Ensemble-Mitgliedern (und nicht von Star-Gästen) gespielt werden, und große Schauspieler auch mal Nebenrollen übernehmen. Das ist, wie Josefin Platt berichtet, wunderbar aufgegangen: „In den acht Jahren sind wir eine Theaterfamilie geworden.“ Einige seiner Schauspieler wird Reese mitnehmen, einige werden bleiben. Vonseiten des Publikums wurde diese Idee sehr gut angenommen, die Auslastungszahlen stiegen, die Abonnements ebenso. In der Spielzeit 2015/16 besuchten 190.000 Zuschauer das Theater, 61% mehr als im letzten Jahr der Intendanz Elisabeth Schweeger, 2008/09. Neben den Klassikern zogen mit den Jahren auch ästhetische Grenzgänge ein in das Programm des Hauses, wie beispielsweise der vor Ostern abgespielte „Macbeth“ des kanadischen Choreografen Dave St-Pierre – ein leider ziemlich kunstwilliger Abend voll eindeutiger Bilder.

Der Neue möchte, aus Bochum kommend, vieles von dem übernehmen, was bei Reese funktionierte. Das beginnt beim Logo, das Anselm Weber ungewöhnlicherweise beibehalten wird – weil es eine eingeführte Marke ist beim Publikum. Und weil das Geld spart. So präsentiert sich Weber denn auch nicht als großer Visionär, der hier in Frankfurt energische, eigene Setzungen machen möchte, sondern vielmehr als Pragmatiker. Auch er wird die Schauspieler ins Zentrum seines Hauses stellen, auch er möchte über ein starkes Ensemble das Publikum binden. Bei der Pressekonferenz ließ Anselm Weber häufig seiner Chefdramaturgin Marion Tiedtke den Vortritt, die zurzeit noch den Studiengang Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt leitet. Sie kennt die Stadt also gut – ebenso wie Anselm Weber, der hier unter Elisabeth Schweeger Oberspielleiter war. Ähnlich wie Reese werden sie Klassiker und bekannte Regisseure im Schauspielhaus zeigen, und Zeitgenössisches in den Kammerspielen. Gleich fünf Inszenierungen besorgt der Hausherr in der ersten Saison selbst, vier kommen von dem Schweizer Regisseur Roger Vontobel.

Eröffnet wird mit Shakespeares „Richard III“ in der Regie von Jan Bosse, der hier zuletzt – ebenfalls bei Schweeger – ein großartiges „Am Ziel“ inszenierte. Auf diesen Wiedergänger darf man sich freuen. Und sonst? Büchner, Shakespeare, Kafka, Kleist und Lessing. Jelinek, Mouawad und Koltès. Zudem wurden drei Autoren für drei Jahre engagiert, um die Leben einzelner Frankfurter zum Ausgangspunkt von Monodramen zu nehmen: Wilhelm Genazino, Teresa Präauer und Olga Grjasnowa. Das wird sicher charmant. Insgesamt klingt das Programm grundsolide, es sucht weder ästhetisch noch intellektuell Höhenflüge. Anselm Weber geht auf Nummer sicher. Ob Frankfurt mitgeht? Werden wir sehen.
 
26. April 2017, 10.32 Uhr
Esther Boldt
 
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