Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Faszination Montmartre
 

Faszination Montmartre

1

Die Bohème in Paris und in der Schirn

Wie ein riesiges Atelier muss der Montmartre des 19. Jahrhunderts gewirkt haben. In einer umfassenden Sonderausstellung lässt die Schirn Kunsthalle den faszinierenden Mikrokosmos wieder aufleben.
Um das Paris des 19. Jahrhunderts rankt sich manch geheimnisvolle Geschichte. Besonders Montmartre, das Künstlerviertel der Stadt, übt noch heute, lange nach den glanzvollen Tagen der Belle Époque, ein große Faszination auf seine Besucher aus. Doch die Welt von Bohemiens wie Vincent van Gogh, Henri de Toulouse-Lautrec und Pablo Picasso war alles andere als schillernd. Als ehemaliger Arbeitervorort blieb Montmartre nach den umfassenden Modernisierungsmaßnahmen unter Georges-Eugène Haussmann einer der wenigen erschwinglichen Wohnorte der Metropole. Im Zuge der Umbauten, die nahezu das gesamte Stadtgebiet betrafen, wurden viele der alten Häuser im Zentrum abgerissen oder so aufwendig renoviert, dass die Miete für die ursprünglichen Bewohner unbezahlbar wurde. Die arme Bevölkerung flüchtete daraufhin auf den wenig wohnlichen Montmartre und erschuf dort einen eigenen Mikrokosmos, in dem Clochards, Freudenmädchen, Tänzerinnen und eben auch Künstler Tür an Tür lebten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand der Kunstmarkt noch in seinen Kinderschuhen, man malte in erster Linie für sich und seine Freunde. Die meisten Maler waren nahezu mittellos – eine Situation, die sich erst mit dem frühen 20. Jahrhundert änderte.

Auf dem Montmartre verschwammen die gesellschaftlichen Grenzen und die Bewohner des bürgerlichen Paris strömten in das verarmte Randgebiet, das ihnen jegliches Amüsement bot. In einer Umgebung, in der Frauen oft gezwungen waren sich zu prostituieren, um zu überleben, fand jede Form der Ausschweifung Befriedigung. Es war ein Ort der Außenseiter, doch gleichzeitig auch der Freiheit. Gesellschaftliche Dogmen und Normen zählten in diesem dörflichen Paris weniger als in den wohlhabenden Stadtteilen. Künstler, auch wenn sie aus eigentlich besser situierten Familien stammten, fühlten sich von diesem „gesetzlosen“ Ort angezogen und entschieden sich oftmals bewusst für ein Leben in Armut. Es bedeutete für sie vollkommene Freiheit in ihrer Arbeit. Losgelöst von Auftraggebern und anderen Vorgaben, konnten sie sich in den verschiedensten Extremen ausprobieren und ungeschönt ihren Lebensraum präsentieren. Ob in Form von Gemälden, Lithographien, Papierarbeiten, Fotografien, Grafiken oder Plakaten – die Werke der Bohème des Montmartre sind tiefschürfend realistisch. Werke wie „Les Pauvres“ von Picasso oder „Au Cirque“ von Max Jakob machen deutlich, wie nah Glanz und Elend beieinander lagen.

Die Schirn präsentiert „Esprit Montmartre. Die Bohème in Paris um 1900“ vom 7. Februar bis 1. Juni. In rund 200 Werken von 26 Künstlern leben die Cafés, Varietés, Clochards, Tänzerinnen und Prostituierten dieser Welt am Rande der Gesellschaft wieder auf. Vertreten sind, neben den bereits genannten, Künstler wie Pierre Bonnard, Ramon Casas, Edgar Degas, Kees van Dongen, Marie Laurencin und Suzanne Valadon. Abseits der bekannten Klischees hebt die Ausstellung die unglaubliche kreative Kraft des Montmartre hervor, die in den bewegenden Sujets und Ideen seiner Bewohner weiter existiert.
 
7. Februar 2014, 11.08 Uhr
Ronja Merkel
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Werner Schulze am 7.2.2014, 15:30 Uhr:
Auch nach diesem äußerst gelungenem Kommentar, immer wieder, taucht er auf, dieser so kluge Song-Text: "Freedom Is nothing have to loose", großartig interpretiert von der unvergesslichen Jennis Joplin. Eben diese Freiheit, die die in der Ausstellung deutlich werdende malerische Revolution möglich gemacht und ausgelöst hat, hat Ronja Merkel sachlich exakt recherchiert und sprachlich wunderbar unterhaltend rüber gebracht. Danke.
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Oberbürgermeister Peter Feldmann geht aufgrund der Corona-Krise von einer Verschiebung im Haushalt aus. Deshalb soll die Entscheidung über die Finanzierung des Neubaus der Städtischen Bühnen auf das Jahr 2021 verschoben werden. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: Journal Frankfurt
 
 
Corona-Krise: Digitaler Mousounturm
0
Der Geheime Salon im Wohnzimmer
Der Mousounturm hat sein Angebot an die aktuelle Situation angepasst: Seit der Schließung findet der Geheime Salon, eine Veranstaltungsreihe mit elektronischer Musik, im „digitalen Orbit“ statt. – Weiterlesen >>
Text: sie / Foto: privat
 
 
Die Fördermittel von Land und Bund gehe an den Notwendigkeiten der Kulturschaffenden vorbei, so der Landesverband professionelle darstellende Künste Hessen. In Frankfurt wurde bereits ein zusätzlicher Notfallfonds eingerichtet. Der stößt allerdings auf Kritik. – Weiterlesen >>
Text: jwe / Foto: Vince Gaspar/Unsplash
 
 
 
Im April bleibt es still
0
Musik nur noch im Netz erleben
Ursprünglich waren für den Monat April zahlreiche Konzerte in und um Frankfurt geplant, die nun aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Corona-Krise abgesagt werden mussten. Einige Veranstalter haben bereits Ersatztermine festgelegt. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Andrea Petrovicova
 
 
Die Idee war schnell geboren, jetzt wird sie auch realisiert. Die Musiker und Musikerinnen der hr-Bigband und des hr-Sinfonieorchesters starten am Mittwoch ihre regelmäßigen Konzert-Livestreams unter dem Motto „Stage@seven“. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: hr/Dirk Ostermeier
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  684