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"Es gibt einen Kulturverfall in den Unternehm
 

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"Es gibt einen Kulturverfall in den Unternehmen"

Walter GunzDer Media-Markt-Gründer und heutige Geschäftsführer der Axel Springer eCommerce GmbH, Walter Gunz, über Ethik in der Wirtschaft, Glück und Globalisierung.

Pflasterstrand: Sie werden am Dienstag in Frankfurt einen Vortrag bei der Aufschwung 2008 halten, einer Messe für Existenzgründer und junge Unternehmen halten. Was erwartet uns?

Walter Gunz: Ich werde über die guten und die Schattenseiten der Entwicklung von Media Markt reden. Es wird eine kritische Würdigung dieser Tat und ihrer Folgen geben: Wie aus einem kleinen Keim von 12 Leuten und keinem Kapital ein großes europäisches Unternehmen mit einem Umsatz von mehreren Milliarden werden konnte.

Warum machen Sie das?

Ich will von dem, was mir in meinem Leben zugeflossen ist, etwas zurückgeben. Ich will zeigen, dass trotz Globalisierung einzelne Menschen Erfolg haben können. Mit Können und Zeit ist es heute immer noch möglich sich mit innovativen Ideen durchzusetzen. Zum richtigen Zeitpunkt, an der richtigen Stelle und mit der rechten Idee ist alles möglich!

Sie reden hier also von Glück?

Na ja ich sage nicht, dass man kein Glück braucht. Aber ohne arrogant klingen zu wollen: Ich glaube an das Sprichwort, nach welchem das Glück mit den Glücklichen ist. Junge Unternehmer müssen an sich selbst glauben. Sie müssen aber auch Zuspruch und Geburtshilfe bekommen. Es gibt viel intelligentere und fleißigere Menschen als ich es bin, die mit anderen innovativen Ideen nie Erfolg hatten.

Was ist also Ihr Geheimnis?

Die Zusammenarbeit ist wesentlich. Ich war immer ein Teamplayer. Media Markt war immer ein Team. Das Betriebklima war immer frei und innovativ. Es war immer wichtig, dass die Menschen dort ihre Freiheit hatten. Sie mussten das Gefühl haben, dass man hinter ihnen stand. Wir haben immer versucht, die Menschen zu verstehen. Das Modell „Media Markt“ hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben sich zu entwickeln, aufzublühen. Sie hatten Verantwortung und Freiheit, sie konnten sich an der Entwicklung des Unternehmens beteiligen. Wir leben in einer sinnentleerten Zeit. Man soll in seiner Arbeit zumindest teilweise seine Lebensziele erreichen können.

Klingt schön … Warum sind Sie dann ausgestiegen?

Gute Frage! 1989 haben wir 64 Prozent unserer Anteilen an Metro verkauft. Wir hatten nicht mal Schwierigkeiten, es war völlig überflüssig damals die Mehrheit zu verlieren. Es war meiner Meinung nach eine Fehlentscheidung. Der Vorsitzende von einem Unternehmen wie Metro wechselt alle zwei Jahre. Der Bezug zwischen Führung und Unternehmen ging verloren. Da prallten zwei sehr unterschiedlichen Kulturen des Unternehmertums aufeinander. Es sind schwierige Menschen, ich konnte mich mit denen nicht verstehen. Außerdem war es nach 21 Jahren eine gute Zeit um sich neu zu erfinden. Ich pflege aber noch intensive freundschaftliche Beziehungen zu meinen ehemaligen Mitarbeitern.

Was meinen Sie mit unterschiedlichen Kulturen?

Heutzutage identifizieren sich die Chefs nicht mehr mit der Idee und dem Unternehmen. Ein Geschäftsführer hat zwar die Verantwortung für das Unternehmen aber auch für die Menschen. Erfolg ist eine Folge der Nachhaltigkeit. Ich fühle mich als Geschäftsführer eher wie ein Instrument des Erfolges.
Ein Unternehmer muss immer sauber und ehrlich bleiben! Diese Kultur der Missachtung der Menschen führt weder zur Innovation noch zum langfristigen Erfolg. Dabei ist die Innovation das Entscheidende! Auf dem Gebiet der Löhne werden wir zum Beispiel nie mit China konkurrieren können. Wir können lediglich innovativer sein. Sony-Gründer Akio Morita hat auch immer alles auf Innovation gesetzt. Er hat seinen Leuten Verantwortung und Freiheit geschenkt. Man sollte seinen Leuten zeigen, dass man sie schätzt. Wie im normalen Leben, man fühlt sich nur unter dieser Bedingung gut. Und nur dann kann man auch was von seinen Mitarbeitern erwarten.

Und was macht bitte Media Markt anders? Hat das Unternehmen nicht längst seine Seele verloren?

Nein aber es gibt andere Gefahren. Media Markt ist in der Branche das zweitgrößte Unternehmen der Welt. In Europa hat es keine Konkurrenten. Da besteht die Gefahr, diese Position ausnutzen zu wollen. Und das macht das Unternehmen heute schon. Früher waren die anderen Firmen „Partner“, heute sind sie nur noch „Lieferanten“. Ihre Interessen werden missachtet. Teilweise werden sie sogar erpresst, um günstigere Preise zu erlangen. Es ist unfair!
Erfolg und Glück sind eine Art Prüfung für die Charakterstärke. Es ist schwierig mit Macht umzugehen. Man merkt schon, dass man sehr schnell zum Egomanen werden kann!

Für Sie sind also wirtschaftlicher Erfolg und Management-Ethik nicht unvereinbar? Haben Sie denn schon ihren Nokia zurückgegeben?

Zum Glück habe ich kein Nokia sondern ein Samsung. Aber so etwas würde ich für übertrieben halten.
Ein Unternehmer muss Verantwortung übernehmen. Es heißt er soll langfristig planen und denken. Eine Entscheidung, wie die von Nokia, ist eigentlich viel früher getroffen worden. Sie hätten es von vornherein sagen müssen und nicht noch Subventionen einstecken. Materialismus ist heutzutage so ausgeprägt. Diese Form von Gier bezieht sich nicht auf nur wenige Unternehmen.

Liegt das Problem nicht eher bei dem Börsensystem, dem Drang, für Aktionäre Profite erzeugen zu müssen, um „konkurrenzfähig“ zu bleiben?

Dieses kurzfristige „Aktien-Hopping“ ist in der Tat ein krankes System. Die Folge davon ist nur Inflation. Wenn ich ein Bild kaufe, tue ich es weil ich den Künstler mag. Ähnlich sollte es bei dem Kauf einer Aktie zugehen. Man soll sich in dem Unternehmen, das man unterstützt, erkennen. Man soll sich mit dessen Konzept identifizieren können. Dieser Gedanke ist heutzutage selten präsent. Da ist nur die Gier, mit irgendetwas schnell reich zu werden, und das ohne Gegenleistung und Arbeit. Diese Gier nach Geld ist eine Krankheit. Sie schaltet das Gehirn aus.

Sie klingen ja fast wie ein überzeugter Altermondialist!

Na ja, manchmal bin ich schon erschrocken, wie es in dem Milieu zugeht. Die meisten Unternehmen sind einer inneren Erosion und einem Kulturverfall zum Opfer gefallen. Wo die Unternehmenskultur verschwunden ist, ist der Erfolg auch gefährdet.

Haben Sie denn keine Angst zukünftigen Konkurrenten auszubilden wenn Sie Ihre Geheimnisse verraten?

Das wäre ja kleinlich gedacht! Ich habe eher Angst ein schlechter Berater zu sein. Rezepte dürfen doch nachgemacht und verbessert werden. Ich will den Leuten zeigen, wie man erfolgreich zu einer Marke wird, wie man am Anfang Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann: Unter anderen mit einem provokativen und innovativen Marketing.
Ich möchte Menschen ein Stück Hoffnung und Selbstvertrauen schenken. Jeder kann erfolgreich sein, wenn er sich an seine Ideen und Idealen festhält.


Aufschwung 2008: Dienstag, 12.2.2008, 10–18 Uhr, Industrie- und Handelskammer (IHK), Börsenplatz 4, Frankfurt am Main.
Eintritt: 20 Euro (10 Euro ermäßigt)

Walter Gunz spricht von 16 bis 16.40 Uhr auf der Messe.
 
10. Februar 2008, 20.40 Uhr
Ghislain de La Chaise
 
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