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Die Supernase

Gluecklichmachendes Parkverbot
"Was Sie hier sehen ist in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entstanden", sagt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski und weist auf die Rat-Beil-Straße – früher zweispuriger Wahnsinn, heute einspuriger Traum. Naja, stark befahren ist die Ecke immer noch, die Autos flitzen nur nicht mehr ganz so stark und so können die Omis nun zum gegenüberliegenden Hauptfriedhof ohne den Umweg übers Krankenhaus zu nehmen. Und eine Bank soll auch bald hingestellt werden, nein: eine Sitzgelegenheit. Am kommenden Samstag nämlich sollen beim Aktionstag StraßenLeben auf der Nordendstraße zusammen mit den Bewohnern die idealen Straßenmöbel entstehen. Um im Web-Jargon: user-generated content. Verkehrsplanung 2.0. Klar, ne Internetseite gibt's auch: www.urbanes.nordend.de.

Und weil das alles so toll und hip und erfolgreich ist, hatte der Dezernent Sikorski heute einen kleinen Spaziergang durchs Nordend angeordnete - die Presse und die Referentin und die Projektleiterin Mona Winkelmann (Foto rechts) im Schlepptau. Bald ist ja auch die Woche der Mobilität, die Öffentlichkeit also sensibilisiert.
Tatsächlich hat sich einiges getan. Nun hat man im Dezernat für das Pilotprojekt sogar noch mehr Geld beim Bund lockermachen können. "Also, dies ist eines der seltenen Fälle wo wir mal nicht übers Geld reden müssen", sagt Sikorski. Und lächelt. Recht hat er. "Dadurch, dass wir die Projekte schnell verwirklichen können, sehen die Leute, dass da wirklich was passiert und nicht nur geredet wird", sagt Mona Winkelmann. Die Beteiligung sei hoch - und das quer durch alle Schichten. Da wird, wie in der Lortzingstraße, bald nur noch auf einer Seite geparkt, schräg - und die andere Seite bleibt frei von Autos. Parkplätze gehen keine verlosen und alle sind zufrieden. Da gibt es neue Fahrbahnquerungen, Bänke und Nasen. Genau, richtig gelesen: Nasen.


Nasen sind Straßenecken auf denen man eigentlich nicht parken kann. Früher dachte man, dass es reicht, ein paar weiße Striche auf den Asphalt zu pinseln - aber das wurde als Einladung zum Parken verstanden. Heute bekommen die Nasen rotes Pflaster und Fahrradständer an allen Seiten, damit die Autos außen vor bleiben:
Alte und neue Nase
Der neue Rote Platz ist nicht weit von der Stalburg entfernt und so verwunderte es nicht, dass Theaterchef Michi Herl eine Grußbotschaft überbringen ließ:

"So gerne ich bekanntlich mosere und anprangere, so gerne lobe ich ja - leider hat man so selten Gelegenheit dazu. Umso schöner, dass mir nun ein Grund direkt vor die Haustür gebaut wurde. Auch wenn diverse Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Nachbarschaft schon wieder kritisieren und das Fehlen von angeblich sechs Parkplätzen monieren, bin ich der Meinung, dass diese zwei runden Ecken die Lebensqualität unseres Viertels enorm verbessern. (...) Grundsätzlich: Nach einer jahrzehntelangen Politik pro Automobil wurde es höchste Zeit für eine Kehrtwende. Bravo. Viele Grüße, Michael Herl.

Ja, wenn selbst der Herr Herl nix gegen Sikorskis Pläne einzuwenden hat - was soll man da noch sagen. Die allesamt so kritischen Journalisten schauen etwas ratlos. Der Mann von der Bild hat eh gleich nur seinen Fotografen dagelassen, reicht ja auch. Zum Glück kommen noch ein paar Anlieger, die sich über die doofen Anwohnerparkregelungen aufregen. Die einen, weil sie keinen Ausweis haben, weil sie tagsüber arbeiten und die anderen, weil sie einen Ausweis haben und trotzdem keinen Parkplatz finden, weil die blöden Pendler alles zustellen. Ach, Verkehrspolitik ist schon ein weites Feld und keinem kann man's recht machen.
Zum Glück hat Walter Günther vor dem Bioladen am neuen Roten Platz seinen Grill aufgestellt - die Maschine hat der Schlossermeister übrigens selbst entworfen:
Schlossermeister Walter Guenther
So wie eigentlich alle Gegenstände mit denen er arbeitet. Ein kleiner petroleumbetriebener Motor aus dem letzten Jahrhundert treibt eine Winde an, die die Würste gleichmäßig rotieren lässt und so rundum braun und knusprig werden lässt.
Wurstfabrik
Großartig. Wir greifen alle beherzt zu - 1,80 Euro für die Biowurst, da kann man nicht meckern. Aber dazu war ja eh nicht der Tag. Übrigens: der Grillmeister hat auch eine Internetseite: www.sprache-der-mechanik.de. Moderne Zeiten im Nordend. Und damit sich nun keiner benachteiligt vorkommt, der nicht in diesem Superduperstadtteil wohnt: wenn das Bürgermitmachprogramm des Verkehrsdezernats 2009 endet, sollen daraus Empfehlungen für andere Quartiere abgeleitet werden. Und auch die Fahrradständer, mit denen das Nordend schon vollgestellt ist, sollen bald in ganz Frankfurt stehen. 1000 Ständer sollen Jahr für Jahr dazukommen. Und die Nasen? "Mindestens 50 könnte ich mir allein im Nordend vorstellen umzugestalten", sagt Sikorski. Der Slogan ist auch schon fertig: 50 Nasen fürs Nordend. "In vielen anderen Städten sind diese neuen Nasen schon Standard", sagt Sikorski. Da nennt man sie übrigens nicht Nasen, sondern Ohrwaschln. Auch gut zu wissen.

 
18. September 2007, 17.37 Uhr
Nils Bremer
 
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