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Die Pflicht zum Kofferraum
 

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Die Pflicht zum Kofferraum

Ich habe kein Auto. Das ist kein großes Problem, wenn man in einer Großstadt wie Frankfurt an einer guten U-Bahn-Linie wohnt. Taxis gibt es auch. Und wenn ich genügend bettele, dann nehmen mich freundliche Menschen mit nach Wallau zu Ikea, damit ich mir Möbel kaufen kann, was mit öffentlichen Verkehrsmitteln dann doch etwas schwierig ist.

Mein eigentliches Problem begann jedoch erst nach dem Einkauf am letzten Wochenende. Nachdem nämlich vier Regale mit acht Türen sowie ein deckenhoher Katzenkratzbaum endlich fertig aufgestellt waren und aussahen, als würden sie nicht sofort wieder zusammenfallen, bestand der Rest meiner Wohnung aus der Kleinigkeit von 15 Kartons, die meisten davon ziemlich groß.

[credit stock.xchng]Achtung jetzt kommt ein Karton

Der Pappberg nahm ein ganzes Zimmer ein, das ich zwar nicht wirklich dringend brauche, aber dauerhaft beherbergen wollte ich ihn so doch nicht. Die Mehrfamilienhaus-Altpapiertonne vor dem Haus war natürlich mal wieder voll, und selbst, wenn sie frisch geleert gewesen wäre: Mit solchen Pappmengen muss man bei einer regulären Tonne doch gar nicht erst anfangen.

Ich schrieb also eine E-Mail an die FES und bat um einen Sperrmüllabholungstermin. Ich kreuzte brav an, was es zu holen gab (alte Regale, alten Kratzbaum etc.) und setzte kühn ins Freitextfeld, dass ich auch diese Unmenge an Kartons hätte. Die Antwort mit dem Termin kam nach Minuten, und ebenso der Hinweis, dass Kartons nicht mitgenommen werden. Für sie stünde abgesehen von der Papiertonne der „Kofferraumservice“ zur Verfügung. Nur: Was macht man, wenn man gar keinen Kofferraum hat?!

Mit Freunden durchdachte ich verschiedene Optionen – die besten Vorschläge waren dabei, mit einer jeweils tragbaren Menge Kartons in Taxis zu steigen und an einem verkehrstechnisch schwierigen Punkt schnell auszusteigen und wegzurennen. Oder aber auch, eine neue Putzfrau zu engagieren und ihr bei ihrem ersten Reinigungsbesuch den riesigen Pappberg mit einem kleinen Postit-Zettel (Aufschrift: „bitte entsorgen“) zu hinterlassen.

Letzten Endes habe ich mich dann für eine nicht ganz korrekte, aber die einzige in meinen Augen mögliche Lösung entschieden: An einem Abend kurz vor dem Leerungstermin ging ich mit meinen Kartons durch die Nachbarschaft und verteilte sie auf die Tonnen, in denen noch Platz war. Meine Wohnung ist somit nun endlich wieder kartonfrei, und der nächste, der mir irgendetwas in einer Schachtel überreicht, bekommt selbige kräftig über den Kopf gehauen.

Aber kann es wirklich sein, dass man als Mensch ohne Auto keinerlei legale Entsorgungsmöglichkeit hat? Das Problem ergibt sich ja nicht nur bei Kartonbergen – theoretisch müsste ich mich auch mit meinem kaputten Wecker an einem Samstagvormittag in die U-Bahn nach Bergen Enkheim setzen (geschätzte Fahrtzeit 40 Minuten), von dort aus den Kleinmüllplatz finden und ihn dort seinen neuen Besitzern übergeben. Denn zum Sperrmüll gehören nur Großgeräte. Um Kleinkram wie Radios, Handys oder Rasierer muss sich jeder selbst kümmern, und in den Hausmüll gehören sie nicht.

Natürlich könntn ich auch dieselben Freunde, die mich gelegentlich mit zum Möbelkauf nehmen, hinterher auch bitten, dass sie mich zum gemeinsamen Müllabladen mitnehmen. Aber ich glaube, das ist genau der Punkt, an dem viele Freundschaften an ihre Grenzen stoßen...
 
13. Februar 2007, 08.31 Uhr
Ursula
 
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