Das Studierendenhaus auf dem alten Uni-Campus feiert sein 70-jähriges Bestehen. Im Fokus steht die Geschichte des Hauses, das ein Ort der demokratischen Teilhabe und des studentischen Lebens war.
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Überschaubar sind die Räume im Studierendenhaus, die für die Ausstellung zum 70-jährigen Jubiläum hergerichtet wurden. Dennoch haben sie einiges zu erzählen über das Haus, das laut seines Förderers Max Horkheimer ein Ort für den „Geist der Demokratie“ sein soll. In einem Raum hängen an den Wänden Fotoaufnahmen mit Texten, die die Geschichte von der Entstehung bis in die 50er und 60er Jahre nachzeichnen, als das Haus auch für die politische Revolte genutzt wurde.
Laut Tim Schuster vom Offenen Haus der Kulturen e.V. (OHDK), das die Ausstellung noch bis zum 26. Februar veranstaltet, habe der Verein beim Recherchieren „zusammengekratzt“, was zu finden war – unter anderem im Universitätsarchiv und beim Institut für Stadtgeschichte.
Studierendenhaus als Ort der Demokratie
In den Räumen davor befindet sich eine Audioinstallation, bei der über Kopfhörer oder das eigene Smartphone ein Audiowalk der Künstlergruppe profikollektion verfolgt werden kann. Mit Stimmen von Zeitzeugen aus sieben Jahrzehnten werden die Besucherinnen und Besucher durch verschiedene Stationen des Studierendenhauses geführt. Auf einem Fernseher lassen sich die Aktionen der Künstler mitverfolgen, die unter dem Titel „Horkheimer 3.0 – Übungen in Demokratie“ laufen. Gleich daneben können die Besucher auf einer Leinwand einen Dokumentarfilm zum 50-jährigen Jubiläum des Studierendenhauses ansehen, bei dem verschiedene Menschen ihre Perspektive auf das Haus wiedergeben.
Für weitere Vertiefung in die Geschichte des Studierendenhauses liegt unter anderem ein 9 Euro teures Heft bereit, das laut Lothar Augustin vom OHDK in Zusammenarbeit mit einem Historiker erstellt wurde. Neben Texten von OHDK-Mitgliedern sind historische und aktuelle Fotografien enthalten.
Podiumsgespräch um die Zukunft des Studierendenhauses
Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung am Mittwoch fand im Café KoZ ein Podiumsgespräch statt. Die Teilnehmenden sprachen vornehmlich darüber, ob und warum Orte wie das Studierendenhaus in einer Gesellschaft notwendig sind. Stefan Lessenich vom Institut für Sozialforschung betonte dabei, dass allein virtuelle Räume für eine demokratische Praxis nicht genügen würden. Unterschiedliche Milieus würden an einem Ort, an dem der persönliche Kontakt vorherrscht, besser zusammenfinden, als in den Nischen des Internets.
David Dilmaghani vom Kulturdezernat der Stadt Frankfurt ging von seiner eigenen Politisierung im Studierendenhaus aus: Die demokratische Teilhabe würde nicht in kommerziellen Räumen stattfinden, und eine politische Öffentlichkeit brauche deshalb Räume wie die des Studierendenhauses. Michaela Filla-Raquin vom OHDK verwies auf die Entstehung und das Ziel des OHDK. Das entstand aus einer Bürgerinitiative, die sich gegen den stetigen Abbau des Campus Bockenheim wendet. Der Verein verstehe sich als Netzwerker, um bestehende Akteure des Hauses zu unterstützen und das Haus als Ort der demokratischen Schulung zu erhalten. Das neue Studierendenhaus, das am Campus Westend entsteht, soll dieses Anliegen weiterverfolgen.