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Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier

Kampfsport für Kinder

„Boxen ist Therapie ohne viele Worte“

Roh und brutal? Boxen hat häufig ein negatives Image. Für die physische und psychische Entwicklung von Kindern ist der Effekt des Sports aber vor allem eines: positiv. Ein Besuch bei Ibra Boxing in Bockenheim.
„Anders als beim Wettschwimmen oder Tore-Kicken wird Boxen niemals ein Spiel sein“, sagt Ibrahim Senghor und führt fort: „Boxen ist Boxen, egal ob auf Leistungs- oder Hobbyniveau.“ Letzterem geht der Trainer nun schon seit drei Jahren verstärkt in den Kinderkursen seines eigenen Studios nach. Wenn hier zweimal wöchentlich 7- bis 12-Jährige zusammenkommen, fliegen jedoch keine Fetzen und schon gar keine Fäuste: Wider Erwarten würde weder reines Kräftemessen noch Aggression im klassischen Boxtraining eine Rolle spielen. Denn hier gehe es um Technik, emotionale Kontrolle und Ausdauervermögen.

Senghor, ehemaliger EBF-Champion im Mittelgewicht und Familienvater, weiß, wovon er spricht. „Klar können sich die Kids bei mir auspowern und ihre Emotionen rauslassen. Wenn ich ihnen aber die Pratzen halte, zählen vor allem Konzentration und Willensstärke. Daran sind viele in der vergangenen Zeit gewachsen.“ Es ist eine recht konstant besuchte Gruppe von Kindern, die er nun seit drei Jahren sieht und die wöchentlich wächst. Die Körperhaltung, der Umgang miteinander und natürlich die körperliche Fitness der Teilnehmenden seien es, die sich über diese Zeit merklich verbessert hätten. „Ich habe noch Fotos, da erkennst du sie nicht wieder! Allein, wie viel selbstbewusster sie laufen“, sagt Senghor stolz.

Zu der Betreuung erwachsener Athleten kam seine Karriere als Boxtrainer für Jüngere eher unbeabsichtigt, als er in Vertretung eines Kollegen begann, auch diese für Wettkämpfe zu trainieren. In der Vergangenheit konnte er dann vor allem im Raum Frankfurt viele Talente in den Ring bringen und fördern. In seinen Gruppentrainings herrscht heute allerdings keine Wettkampfatmosphäre, versichert „Ibra“. Dass ihn alle bei seinem Rufnamen nennen, wirkt ganz selbstverständlich in einem Umfeld, in dem ein freundschaftlicher und respektvoller Umgang herrscht. Jeder unterstütze jeden, Schwächere würden nicht abgehängt und Stärkere keine Extrabehandlung bekommen. So kommen dann gemischte Gruppen aus Jungs und Mädchen zusammen, in welchen für manche Boxen nur eine weitere Freizeitaktivität ist und anderen der Sport dabei hilft, mit Problemen zu Hause oder in der Schule umzugehen.

Info
Dieser Artikel ist auch in unserem neuen Sonderheft „Frankfurt & Rhein Main mit Kindern" erschienen. Mehr Infos und den Link zur Bestellung finden Sie hier.

„Boxen ist Therapie ohne viele Worte“, betont Senghor. Mit Trainingsangeboten in Sachsenhausen, Rödelheim und an einer Schule in Offenbach hat der 33-Jährige oftmals Kinder betreut, deren familiäres Umfeld kein einfaches war oder bei welchen es physische und psychische Herausforderungen gab. Dabei müssen es nicht gleich eine Depression, Verhaltensauffälligkeiten oder ein geschiedenes Elternhaus sein, sodass Boxen als therapeutische Maßnahme hilfreich sein kann. Bei Symptomen wie Hyperaktivität, einer gestörten Konzentrationsfähigkeit und Impulsivität könne der Sport aufgrund seines ganzheitlichen Trainingsprogramms ein wahrlicher Heilsbringer sein. Und das ist nicht irrelevant in gesellschaftlichen Strukturen, in denen laut dem Gesundheitsministerium des Bundes zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter krankhaften Störungen der Aufmerksamkeit (ADHS) und an motorischer Unruhe leiden.

Ibrahim Senghor: „Boxen ist Therapie ohne viele Worte“

Da derzeit vor allem auf Social-Media-Kanälen die Selbstdiagnose dieser Erkrankung trendet, ist umso mehr Vorsicht geboten. Denn unruhige oder unaufmerksame Kinder müssen nicht gleich die im Volksmund bekannten und nicht selten stigmatisierten „Zappel-Philippe“ sein. Längere Zeiträume und eine bezeichnende Symptomatik in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes spielen in der Diagnostik und Behandlung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten eine wesentliche Rolle. Bleibt ADHS allerdings unbehandelt, könnten ernsthafte Folgen für das Kind und sein gesamtes familiäres Umfeld bestehen.

„Natürlich habe ich nicht immer die Chance, innerhalb einer Stunde auf jeden ganz individuell eingehen zu können. Aber da gibt es diese zwei, drei Minuten im Pratzen-Training. Wenn sich die Kinder dann auf den Moment einlassen, kann ich sie erreichen“, so Senghor. Letztlich sind es die soziale Dynamik und ein gutes Körpergefühl am Ende eines jeden Trainings, die in seiner langjährigen Erfahrung immer zu einer guten Entwicklung beigetragen hätten und die er noch viel häufiger fördern möchte. Hierzu lädt das in Bockenheim gelegene Studio „Ibra Boxing“ in den Sommerferien jährlich zu wiederkehrenden Kursen für beide Geschlechter und bis zu 12 Jahren ein. Die Trainingseinheiten können dabei unabhängig von Vorkenntnissen besucht werden, vermeiden Vollkontakt und sind somit gesundheitlich unbedenklich – nicht zuletzt sind sie kostenlos. Ein weiterer Grund, um mit Vorfreude auf die langen Ferien hinzufiebern. Oder?

Info
Kostenlose Trainingseinheiten für Kinder in den Sommerferien: Ibra Boxing, Bockenheim, Kiesstraße 4, Tel. 0172 /88 29220, ibra-boxing.de
 
10. April 2024, 11.46 Uhr
Sabrina Günther
 
 
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