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Shantel und Peter Feldmann vor der Wahl
 

Shantel und Peter Feldmann vor der Wahl

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"Uns eint der Blick auf das Lebensgefühl dieser Stadt."

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Als der Musiker Shantel im Journal Frankfurt ankündigte, Oberbürgermeister werden zu wollen, war das ein Paukenschlag. Jetzt traf er sich mit Amtsinhaber Peter Feldmann – und verzichtet auf seine Kandidatur.
Der Gedanke, mehr erreicht zu haben, als je möglich schien, reifte bei Stefan Hantel in den vergangenen Monaten – mit jedem Gespräch, jedem Zeitungsartikel und jedem Vorschlag, den er in den Äußerungen anderer Kandidaten wiederfand. Die Grünen-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg will ein 365-Euro-Ticket für den RMV? Super. Peter Feldmann fordert mehr geförderten Wohnungsbau und eine Teilhabe für alle Menschen dieser Stadt? Perfekt.

"Mein Wahlprogramm hat schon eine unglaubliche Bewegung in die Lokalpolitik gebracht", meint der international als Shantel bekannte Musiker an diesem Sonntagmorgen im Café Mozart.

Peter Feldmann will sich gleich zu den ersten offiziellen Terminen des Tages aufmachen, Shantel ist mehr oder weniger nur für einen Zwischenstopp seiner aktuellen Tour in der Heimat. Noch am Abend soll es weiter nach Österreich und Ungarn gehen; er weiß schon, dass ihn dort wieder einige fragen werden, wie es denn so in Berlin sei. "Nix Berlin, in Frankfurt spielt die Musik", wird er den Verwunderten entgegnen.

Ein Obstsalat und ein Pfefferminztee für den Musiker, ein weißes Rührei mit Körnerbrötchen für den Oberbürgermeister. Die Unterschiede zwischen beiden Frankfurtern sind heute eher nur im kulinarischen Bereich zu spüren.

"Ich freu mich total, dass wir auf dem kurzen Dienstweg diese Runde organisiert haben", meint Shantel. "Das ist so nur in Frankfurt möglich. Es zeigt: Sie ist auch emotional eine Stadt der kurzen Wege."

Schon nach den ersten Minuten duzen sich die beiden, die sich bislang nur wenige Male die Hand schüttelten. Peter Feldmann sagt: "Uns eint der Blick auf das Lebensgefühl dieser Stadt. Frankfurt soll eine Stadt für alle Menschen sein. Da ist man rasch in der ganz realen Politik, beim Wohnungsbau, bei der Teilhabe, dabei, niemanden auszugrenzen, der an den Rändern der Stadt wohnt, der einen internationalen Background hat oder der neu in diese Stadt kommt."

Shantel freut es. Mit dem Slogan "Stadt für alle" hatte er im Sommer reüssiert, zuerst im Journal Frankfurt und später nicht nur in sämtlichen lokalen Medien – auch überregionale Zeitungen wie die Süddeutsche oder "Die Zeit" war dieser ungewöhnliche Kandidat einen genauen Blick wert.

Auch Peter Feldmann schaute interessiert aufs Programm des politischen Außenseiters. Und sah gleich zu Beginn mehr Gemeinsamkeiten denn Trennendes: "Jeder ist Teil dieser Stadt, das mag eine Selbstverständlichkeit sein, doch man muss es in Zeiten, in denen einige Parolen der Ausgrenzung skandieren, immer wieder deutlich sagen", sagt er.

Die beiden vertiefen sich ins Gespräch, sprechen übers Bahnhofsviertel, über das Museumsuferfest oder Frankfurt als östlichsten Zipfel des Rheingaus.

Shantel wird grundsätzlich: "Die Großstadt ist ein absoluter Wachstumsbeschleuniger, hier zeigen sich geopolitische Verwerfungen am deutlichsten. Dies zu gestalten – und zwar jetzt und nicht in zehn Jahren – wird eine große Herausforderung." Vor Veränderungen hätten die Menschen Angst, selbst wenn es nur um so etwas wie Nachverdichtung in Hinterhöfen geht.

Shantel, ein Freund der Urbanität. Und Feldmann? Einer der vermittelnden Prozesse: "Es geht in der Lokalpolitik auch immer darum, verschiedene Interessen anzuhören und auch den Ausgleich zu suchen. Auf der einen Seite gibt es Planer, die unbedingt und überall Nachverdichtung suchen, auf der anderen Seite gibt es die Familie, deren Kinder in eben diesen Hinterhöfen ihr Refugium finden. Da brauchen wir mehr Kreativität. Da muss man sich an einen Tisch setzen – und ich habe dabei volles Vertrauen in den Ansatz von Planungsdezernent Mike Josef, die Gruppen zusammenzubringen, um die Stadt weiterzuentwickeln. Die Umwandlung von überflüssigem Büroraum in Wohnungen, das gemeinsame Bauen mit den Nachbarkommunen und ein neuer Stadtteil sind für preiswerte Wohnungen gleichfalls zentral." Shantel ergänzt, dass der geförderte Wohnungsbau und zentrale staatliche Instrumente wie die Mietpreisbremse schon vor Jahren hätten eingeführt werden müssen. "Stimmt", meint Feldmann.

Und dann macht der Oberbürgermeister dem Musiker ein Angebot: "Ich bin ja in den Schulen, den Siedlungen, den Fabriken unterwegs, in den Stadtteilen – die Menschen dort sind selbstbewusst genug zu sagen, was sie brauchen. Dem stelle ich mich gerne. Aber Shantel trifft in einem politisch-kulturellen Bereich auf eine Szene, deren Kreativität, deren Stimme noch viel mehr gehört und genutzt werden muss. Mir ist es wichtig, dass wir diesen liberalen, internationalen Flügel der Stadt besser einbinden und unterstützen."

Shantel verspricht, Peter Feldmann alles anzubieten, was diese Stadt besser machen kann. Dazu gehöre auch, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen – namentlich die Kandidaten Volker Stein und Bernadette Weyland. Als Wahlkampfhelfer des SPD-Manns sieht er sich bei allen Gemeinsamkeiten aber gewiss nicht: "Ich will nichts, auch kein Dezernat für Brot und Spiele. Ich werde auch nicht in die SPD eintreten." Von außen auf die Politik einzuwirken, sei besser als jeder erfolgreiche Wahlkampf. "Meine Chance, als No-Name wirklich gewählt zu werden, liegt im Promillebereich, da muss man sich gar nichts vormachen." Die aberwitzige Idee habe er einst nur aus einem Grund lanciert: "Aus Liebe zu Frankfurt."

Während des Wahlkampfs habe er gemerkt, dass man ganz neue Schichten für die Lokalpolitik interessieren kann, wenn man zuhört. "Mir geht es darum, wie ein Seismograph die Schwingungen dieser Stadt aufzunehmen und zu manifestieren. Und mal ehrlich: Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, finden eine Oberbürgermeisterwahl normalerweise so spannend wie diesen Pfefferminztee." Doch nun habe sich mancher erstmals ernstgenommen gefühlt. "Ich bin kein Anhänger davon, dass die Stadt zu den Bürgern geht und fragt, was sie tun kann. Umgekehrt: Die Stadt muss die Bürger fragen, was sie tun können. Aber dieses Gespräch, das muss man eben suchen."



Dann der entscheidende Satz Shantels: "Ich glaube, wir können zusammen unglaublich viel verändern. Deswegen ziehe ich meine Kandidatur zurück." Und Feldmann sagt: "Ich schätze mich sehr glücklich, mit dir in Zukunft zusammenzuarbeiten."

Wohin das führen soll? Am Ende des Gesprächs gibt Shantel seine Handynummer an den Oberbürgermeister weiter. "Wie bei jedem ersten Rendezvous überlasse ich Dir, was du damit machst", sagt er und beide lachen. Feldmann revanchiert sich. Zum Abschied eine Umarmung. Und die Einladung auf Shantels Heimspiel-Konzert am kommenden Sonntagabend in der Batschkapp. "Lass uns im Kontakt bleiben.“

>> Shantel & Bucovina Club Orkestar
17. Dezember 2018, Batschkapp, 20 Uhr

>> Oberbürgermeisterwahl Frankfurt
25. Februar 2018, 8–18 Uhr
 
11. Dezember 2017
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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