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Konferenz zu Salafismus und Dschihadismus
 

Konferenz zu Salafismus und Dschihadismus

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Der hausgemachte Terrorismus

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Wo Salafismus und Dschihadismus herkommen und was man gegen diese Tendenzen tun kann, wurde am Freitag bei einer Konferenz im Historischen Museum diskutiert. Eine besondere Gefahr sind Syrien-Heimkehrer des IS.
Es sollte eine Konferenz sein, mit der das Exzellenzcluster Normative Ordnungen "in die Gesellschaft hineingehen" wollte. Daher fand die ganztägige Veranstaltung im Historischen Museum statt - leider war der Sonnemannsaal für den enormen Andrang zu klein. Mit dem Thema Salafismus und Jihadismus hätte man auch einen Audimax vollbekommen.

Der Politologe Peter Neumann, der Direktor des International Centre for the Study of Radicalisation ist, stellte den "homegrown terrorism" (also den hausgemachten Terrorismus) am Beispiel von England dar. Viele Islamisten kamen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre aus der arabischen Welt - wie Syrien und Irak - in das Land, weil sie vor Repression ihrer jeweiligen Regierungen flohen. Sie hofften, vom Ausland aus, die Regime stürzen zu können. Den "Westen" hätten diese Menschen damals nicht als Bedrohung empfunden.

Das kam erst später. Als in der zweiten Hälfte der 90er Jahre klar wurde, dass sich die Regime an der Macht hielten, kam die Theorie auf, dass der Westen für den Rückhalt der Diktatoren verantwortlich war. Also konzentrierte man sich darauf, die Verbindung zu den USA und den Verbündeten zu kappen. Diese Phase endete mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Dann begann eine Phase des "führerlosen Dschihad", der Kampf verteilte sich auf verschiedene Länder. Mit dem Bürgerkrieg in Syrien sei eine neue Dimension erreicht. Etwa 3000 Westeuropäer hätten sich für den Bürgerkrieg gemeldet. "Die Mobilisierung ist höher als in allen anderen Konflikten", sagte Neumann, der von einer Zäsur sprach.

Neumann erklärte auch die Motivation der Männer, die sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" anschließen: Häufig werde der Bürgerkrieg in Syrien als Genozid bezeichnet und die Rekruten an ihre Pflicht erinnert, Brüder und Schwester gegen existenzielle Bedrohungen zu verteidigen. Zudem werde der Kamp als Abenteuer dargestellt, indem man in einer "Bruderschaft" behaupten könne.

Die Rolle des Internets bei der Rekrutierung wolle er nicht überbewerten, sagte der Politologe. In der Regel würden die Männer über Freundschaften rekrutiert werden. Das Internet sei allerdings besonders geeignet, um junge Frauen für den Kampf zu gewinnen.

Eine große Herausforderung für die Sicherheitskräfte in Europa sind Neumann zufolge die Kriegsheimkehrer aus Syrien. Wer dort gekämpft habe, komme oft traumatisiert, brutalisiert und als potenzieller Terrorist zurück. "Das Dümmste und Verantwortungsloseste, was man machen kann, ist, die Leute einfach ziehen zu lassen", sagte er.

Auf die Frage, wie viel Religion den Menschen schade, antwortete Neumann, dass nicht zu viel Religion die Ursache für den Dschihadismus sei, sondern zu wenig richtige religiöse Vorbildung. Erst ein Mangel an Wissen mache Menschen empfänglich für radikale Lehren.
 
1. Dezember 2014, 10.00 Uhr
Lukas Gedziorowski
 
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