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Foto: Nils Bremer
Foto: Nils Bremer

12 Jahre Leerstand und kein Ende

Der große Streit ums alte Polizeipräsidium

Stadt und Land liegen im Clinch ums alte Polizeipräsidium. Die Stadt will den seit 12 Jahren verfallenden Komplex revitalisieren. Doch selbst einer kurzen künstlerischen Zwischennutzung, erteilte das Land jetzt eine Absage.
Mitten in der Stadt verkommt ein 15.400 Quadratmeter großes Grundstück mit einem imposanten, teils neobarocken Bau und das, obwohl dort laut Bebauungsplan von 1999 ein 145 Meter hohes Hochhaus stehen könnte. Das Land tut sich schwer damit, es zu vermarkten. Der Stadt ist indes der Leerstand ein Dorn im Auge. Doch es sieht nicht so aus, als ob sich daran bald etwas ändern würde. Selbst Zwischennutzungen möchte das Hessische Immobilienmanagement, das dem Finanzministerium angegliedert ist, nicht zulassen.

Die Kuratorin Anja Czioska hatte ein Konzept zum Tag der Deutschen Einheit im kommenden Jahr geschrieben. Der soll in Frankfurt groß gefeiert werden, es soll ein Ereignis werden, das bundesweit ausstrahlen soll. Ein Baustein hätte eine künstlerische Intervention im alten Polizeipräsidium werden können. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) zeigte sich angetan von der Idee, auch eine Begehung des Altbaus gab es schon. "Der ist innen besser in Schuss, als man meinen könnte", sagt Anja Czioska. Doch das Hessische Immobilienmanagement schreibt auf Anfrage: "Eine 'künstlerische Teilnutzung' des Gebäudes stellt Anforderungen an die Verkehrssicherung, denen nur durch aufwendige und kostenintensive zusätzliche Maßnahmen nachzukommen wäre. Von einer 'künstlerischen Teilnutzung' wird daher abgesehen."

Ein Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats sagt dazu: "Wir hätten das Projekt befürwortet." Und noch auf einer weiteren Ebene gibt es Differenzen zwischen Stadt und Land. Das Finanzministerium hat die Vermarktung des Geländes derzeit nämlich komplett gestoppt – wegen des U-Bahn-Baus ins Europaviertel. "Auch wenn die U-Bahn-Trasse unterirdisch verläuft, tangiert sie insbesondere die Gründung eines möglichen Hochhauses. Das Baufenster für ein Hochhaus wird hierdurch stark eingeschränkt und ein mögliches Hochhaus müsste daher deutlich kleiner gebaut werden", schreibt das Immobilienmanagement. Beim Planungsamt ist man anderer Auffassung. Das Gelände sei groß genug, um Bauarbeiten an anderer Stelle beginnen zu können. Außerdem stehe der Bau einer reinen Vermarktung nicht im Wege.

Vor 100 Jahren, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieg, wurde das Polizeipräsidium eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zu Dreivierteln zerstört und von 1953 an wieder genutzt. 1960 entstand der Neubau, später kaufte man dann angrenzende Gebäude dazu, denn längst hatte man einen großen Platzbedarf. 2002 aber eröffnete das neue Polizeipräsidium in der Adickesallee. Seit 12 Jahren steht das alte Polizeipräsidium am Rande des Gallusviertels weitgehend leer. Zeitweilig wurde es von einem afrikanischen Kulturverein genutzt, die Bright Tradeshow wurde darin abgehalten. Der historische Teil des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Friedrich-Ebert-Anlage sieht eigentlich noch recht repräsentabel aus, vor wenigen Jahren war hier noch der Club „Präsidium 19/11“ beheimatet.

Der hintere und 1960 fertiggestellte Gebäudetrakt, erkennbar an den braun-beigen Kacheln, verfällt zusehens. Vor wenigen Wochen haben Bauarbeiter die Fassade mit einem Drahtzaun fixiert. Das Polizeipräsidium liegt also hinter Gittern, damit den Passanten keine Brocken auf den Kopf fallen. „150.000 Euro hat das gekostet“, sagt Elke Niemeyer vom Hessischen Immobilienmanagement. Man werde notfalls auch noch mehr investieren, um die Sicherheit der Passanten gewährleisten zu können.

Die Einnahmen sinken derweil gegen Null. Die weitläufigen Flächen des Innenhofs als Parkplätze zu vermieten hat das Land längst aufgegeben, damals war die Begründung, dass ein Investor gefunden sei, die im Quartier stark benötigten Parkplätze standen nicht länger zur Verfügung. Sogar im Finanzplan des Landes war der Verkauf – die Rede war von 80 Millionen – einst eingebucht worden – am Ende nicht mehr als ein buchhalterischer Taschenspielertrick. Die Finanzlage könnte auch dafür verantwortlich sein, dass das Land nach wie vor darauf beharrt, an dieser Stelle einen Bürokomplex errichten zu wollen - damit lassen sich höhere Renditen erzielen, wenn man denn einen Investor findet. Einen Steinwurf vom Präsidium entfernt, steht die ebenfalls denkmalgeschützte Oberpostdirektion. Ursprünglich waren dort auch neue Büros geplant – jetzt werden dort Wohnungen errichtet inklusive eines Wohnturms. Geht doch ...
 
28. Oktober 2014, 11.41 Uhr
nil/nb
 
 
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