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Gerichtsstreit um 1,5 Millionen Euro
 

Gerichtsstreit um 1,5 Millionen Euro

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Die unendliche Geschichte vom U60311

Foto: Nicole Brevoord
Foto: Nicole Brevoord
Der Betreiber des geschlossenen Technoclubs U60311 am Rossmarkt fordert in einem schon drei Jahre währenden Rechtsstreit vor dem Landgericht von der Stadt 1,5 Millionen Euro. Wie das?
Einst war das U60311 ein angesagter Technoclub mit internationalem Ruf. Jetzt verfallen die Eingangshäuschen am Rossmarkt. Die Stadt möchte mindestens eines von ihnen gerne beseitigen, auch weil es das Sicherheitsbedürfnis eines dort ansässigen Juweliers beeinträchtigt. Die Planungen dafür wurden bereits vorgestellt, als der Club noch lief. Das ist schon lange her. Derzeit wird vor dem Frankfurter Landgericht erst einmal geklärt, ob das Liegenschaftsamt dem Clubbetreiber tatsächlich 1,5 Millionen Euro schuldet. Am Dienstag trafen sich die Stadt, als Eigentümer der Räume, und der frühere Clubmacher Alexander Eger vor Gericht.

Zur Vorgeschichte: Der Niedergang eines Clubs
Im April 2011, an einem Ostermontag, hatten drei Türsteher des U60311 John Lee Heath zu Tode geprügelt, es folgten zwei unschöne Prozesse zur Schuldfrage. Noch im April 2011 sorgten von der Polizei bei einer Razzia gefundene Hygienemängel, sowie festgestellte Verstöße gegen den Jugend- und Nichtraucherschutz dafür, dass das Ordnungsamt den Club mit sofortiger Wirkung schließen ließ.

Das Liegenschaftsamt, dem die unterirdischen Räume am Rossmarkt gehören, kündigte daraufhin den Vertrag mit Alexander Eger zum 31. Juli 2011. Das wollte sich der 34-jährige Clubbetreiber aber nicht gefallen lassen. Während die Stadt also ihre Liegenschaft schnellstens räumen lassen wollte und einen Mietrückstand Egers in Höhe von rund 150.000 Euro geltend machte, verlangte Eger von der Stadt Ersatz für die Folgen eines Wasserschadens. Dann meldete Eger Insolvenz an, zog den Antrag wieder zurück und präsentierte neue Nutzer, um letzlich den Club doch endgültig zu schließen. Es folgte ein langes juristisches Hin und Her, das auch 2012 bei einem vom Landesgericht verhandelten Räumungsverfahren nicht mit dem vereinbarten Vergleich enden sollte.

Es geht um viel Geld
Derzeit fordert Alexander Eger von der Stadt eine Millionensumme. Neben den Anwalts- und Prozesskosten sei ihm ein Schaden von 1,5 Millionen Euro entstanden. Denn das Liegenschaftsamt habe Interessenten, die den Club übernehmen wollten, abgewiesen. Dabei seien sie – so der Kläger - gewillt und in der Lage gewesen, für die vorhandene Licht-, Ton- und Klimaanlage sowie die Heizung und die an den Ort Rossmarkt gebundene Übernahme des Clubnamens ebendiese Summe zu bezahlen.

Die Stadt argumentiert, ein Gutachten habe den Wert des Inventars auf nur 75.000 Euro geschätzt, auch äußerten die Anwälte der Stadt Zweifel an den Interessenten. Am Dienstagnachmittag wurden Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, und zwei Clubinteressen vor dem Landgericht Frankfurt angehört. Das Gericht wollte damit klären, in wie weit eine Schadensberechnung überhaupt möglich ist.

Will die Stadt keinen Club mehr?
Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel wurde zu einem Telefonat mit dem potentiellen Interessenten Günter J. im Sommer 2012 befragt. Er sei, so Gangels vage Aussage, einer von „fünf bis zehn“ Bewerbern gewesen, die Interesse an der Liegenschaft bekundet hätten. Er habe Herrn J. ebenso wie jedem anderen Interessenten gesagt, er solle zunächst mit Alexander Eger Kontakt aufnehmen und bei der Stadt bis zum 30. Juni eine schriftliche Bewerbung abgeben unter Angabe von Bonität, Leumund und Referenzen sowie einem schlüssigen Konzept. Das Amt habe wegen der geplanten Arbeiten am Eingangsbereich noch keine konkreten Angaben zum Vertragsbeginn, mit dem erst für ein Jahr später gerechnet wurde, und zu den Finanzen beantworten können.

„Ein seriöser Bewerber weiß, wie er sich zu präsentieren hat“, sagt Gangel. Eine öffentliche Ausschreibung für das Objekt habe es nicht gegeben, weil man einen eng gesteckten zeitlichen Rahmen gehabt habe, letztlich habe man den Rückbau der Eingänge ausschreiben wollen. „Primär war für mich der Weiterbetrieb einer Disco vorrangig, weil sich der Ort von der Verkehrsanbindung gut eignet und es nur zu minimalen Störungen der Nachbarschaft kommt. Die musikalische Ausrichtung des Clubs war mir dabei egal,“ sagt Gangel und entgegnet damit Gerüchte, er habe kein Interesse gehabt, Nachfolger zu finden oder gar erneut einen Club am Rossmarkt einziehen zu lassen.

Von tragfähigen Konzepten
Tatsächlich ließen die Auftritte der beiden geladenen Interessenten bei den Beobachtern leichte Zweifel an deren Integrität aufkommen. Herr J. etwa stellte sich als Fan des U60311 und seinen Beruf als Kaufmann, Dachdecker und Rettungssanitäter vor, was der Richter ob dieser Vielfalt frotzelnd zur Kenntnis nahm. J. behauptet, Gangel habe nur „lapidar gesagt“, er solle eine Bewerbung abgeben, aber keine genaueren Angaben gemacht. Von einem Businessplan sei nie die Rede gewesen, dabei habe es den doch gegeben. Er habe ihn nur nicht mitgeschickt. Die Bewerbung habe er gefaxt, aber zunächst keine Rückmeldung erhalten. In dem Schreiben habe er mitgeteilt, dass er sich auf einen Kaufpreis mit Eger geeinigt habe. Finanzieren wollte er die 1,5 Millionen über Kapitalgeber, Freunde des Clubs und eine Aktiengesellschaft. Ihn habe vor allem der Name des Clubs gelockt. „Ich wusste als langjähriger Gast, dass der Laden gut läuft und man damit gut Geld verdienen kann,“ sagt der 51-Jährige.

Das hat auch Maximilian U. gehofft. Der 31-jährige Altenpfleger, der sich in einem Familienbetrieb betätigt, der mit „Verpachtung und Vermietung zu tun habe“, wollte mit Hilfe der Finanzierung durch seine Mutter den Club U60311 weiterführen. Doch es habe eine Absage gegeben. Der Businessplan sei von einem im Internet gefundenen Fachmann erstellt worden. Den tatsächlichen Wert des Inventars habe er nicht hinterfragt. „Das war vielleicht etwas blauäugig“. Gemeinsam mit einem Freund, Sammy M., habe er den Laden aufziehen wollen und dann gibt U. zu, den Businessplan geschönt zu haben, um einen weitaus höheren Kredit bei der KfW zu erhalten. Auf kritische Fragen des Anwalts der Stadt gibt U. zu, dass er keine Erfahrung in der Gastronomie habe, sich auch nicht mit der Sicherheit bei Events auskenne, er aber ohnehin nicht selbst als Geschäftsführer fungieren wollte.

Den Geschäftspartner Sammy M. konnte das Gericht am Dienstagabend nicht mehr hören, dieser hatte sich ohne offizielle Abmeldung, angeblich wegen Terminen, entfernt. „Das habe ich auch noch nicht erlebt, dass ein Zeuge einfach geht“, kommentierte Richter Kurz und stellte die Zahlung eines Ordnungsgelds in Aussicht. Die Verhandlung wurde vertragt, Fortsetzung folgt. Jedoch erst im November oder Dezember. Die unendliche Geschichte ums U60311, sie geht weiter.

>> Mehr Artikel zum U60311
10. September 2014
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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