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Clubmacher zieht nach Marche
 

Clubmacher zieht nach Marche

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Ata Macias verlässt Frankfurt gen Italien

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
... behält aber einen Koffer im Bahnhofsviertel. Warum er wegzieht, was es mit seinem neuen Club auf sich hat und welche Ziele er in Italien verfolgt, lesen Sie hier im Interview.
Journal Frankfurt: Dich zieht es nach Italien, aber in die eher unbekanntere Region Marche – wie kam es denn dazu?
Das war ein Zufall. Wir haben über Airbnb dort mal Urlaub gemacht, bei einem Paar, dass sich einst aus dem Münchner Trubel verabschiedet hat und mit der ganzen Familie dorthin zog – auch in ein schönes altes Bauernhaus. Es gibt keine Zäune, alle leben in Freiheit, er ist ein Regisseur, der mit einem alten Käfer-Cabriolet durch die Landschaft fährt – es wirkt fast unwirklich, wie eine Filmkulisse, wenn man dort ist. Wunderschön.

Und dann haben Deine Freundin und du dort gleich ein Haus gekauft?
So ungefähr. Wir sind mit einem Makler herumgefahren und das dritte oder vierte Haus war es dann schon. Wir wollten ja auch ein bisschen hippiemäßig unterwegs sein, es sollte nicht alles glatt renoviert sein. Zugleich sollte es ein paar Zimmer mehr haben, um später Freunde einladen zu können, Retreats machen zu können, Koch-Wochenenden und so weiter. Mit der und in der Natur leben und arbeiten, das ist irgendwie die Idee.

Jetzt plant ihr den Umzug?
Meine Partnerin hat das schon gemacht, bei mir wird es nicht hundertprozentig gehen: Ich bin ja auch noch der Stadt und den Projekten verpflichtet.

Welche Projekte hast du hier denn noch?
Nun, den Club Michel hat David Mewes jetzt komplett übernommen. Das Plank macht Sonja Schmid. Das Robert Johnson ist nach wie vor in Hand von Klaus Unkelbach, Sebastian Kahrs und Co. Ich bin da noch beteiligt, mache aber eigentlich nur noch Supervising. Das Neue ist jetzt das AMP – wo ich mit Halli Diebes und Marc Eckart zwei Profis mit an Bord habe.

Das Konzept des AMP ist eine Bar.
Ja, eine klassische, moderne Cafébar – mit dem Vorteil, dass wir ab und an was besonderes machen können. Ein, zwei Mal im Monat eine Party, das mag ich an sich schon. Aus anderen Städten kenn ich das schon von meinen Musikfreunden, bevor es in einem Club wie dem Robert Johnson losgeht können sie dort mal andere Sachen spielen. Eine Idee ist ein Chill-out-Abend mit Roman Flügel, gerade hatten wir einen Krautrock-Abend, eine Rockabilly-Nacht würde ich gern mal machen, da denke ich zum Beispiel an Andrew Weatherall aus London – das ist schon äußerst bemerkenswert, was der ausgräbt.

Aber da du beim AMP zwei Partner hast, kannst du auch längere Zeit nach Italien.
Klar – ich bin Vollzeit eine Woche hier, auch wegen der Kinder. Und dann wieder weg. Die Wohnung hier überm Plank bleibt bestehen, nach vielen Jahren wird hier wieder eine WG draus, ich teil mir die Wohnung mit „my Flatmate“ Charlotte vom Club Michel und so haben alle was davon.

Kein Herzschmerz?
Ach, nein. Die wichtigsten Leute haben meine Karte, wenn die Schmerzen haben, können sie zu mir kommen. Und da ich alle vier Wochen minimum eine Woche hier bin, sehe ich es andersrum: Vielleicht mache ich dann Urlaub im Frankfurter Bahnhofsviertel, mal wieder schön ins ordentliche Chaos. Was ich schätze an Italien ist, die Ruhe und die Natur zu genießen.

Klingt nach dem Besten aus beiden Welten?
Der Flieger macht’s möglich. Und wenn es ganz hart kommt, setzt du dich elf Stunden ins Auto und bist gleich wieder in einer komplett anderen Welt. Auch für meine DJ-Jobs ist Frankfurt ein ganz guter Ort, von hier aus bin ich schnell überall in der Welt. Der Frankfurter Flughafen und auch die Bahnverbindungen ermöglichen dir alles – meine Berliner DJ-Kollegen müssen da schon ziemlich oft kotzen.

Gut der Flughafen dort wird ja vielleicht auch mal irgendwann fertig.
So ist es, haha. Hey, aber Italien, insbesondere Marken ist wirklich wunderschön. Auch ein bisschen verwunschen und durch und durch filmreif. Zugleich nicht ganz so überteuert wie die Toskana.

Darf ich dich an dieser Stelle mal was zum Bahnhofsviertel fragen? Angesichts der hochpreisigen Wohnungen, die hier in letzter Zeit entstanden sind, ist das ja fast schon auf Toskananiveau …
Ja, aber funktioniert das mit diesen teuren Wohnungen?

Ich weiß es nicht – im ersten Moment vielleicht schon, weil grade soviel Druck auf dem Markt ist, aber 10.000 Euro und mehr für den Quadratmeter finde ich angesichts des Umfelds doch einen recht stolzen Preis.
Ja - da müssen soviele Faktoren zusammenkommen, um das zu rechtfertigen. Ich find’s merkwürdig. Was ich cool finde ist, dass sich das Gallus ganz gut entwickelt.

Wär das was für dich?
Weiß ich nicht, aber wenn sich irgendwo in dieser Stadt die Chance bietet eine der vielen Ideen zu entwickeln, die mir noch im Kopf rumspuken, dann bin ich dabei. Ich bin Frankfurter.

Was sagst du als Frankfurter zur Verlegung der Bahnhofsviertelnacht in den November, weil der Stadt zuviel Trubel auf der Straße war?
Ich finde es eine Schande. Und ich sage dir eins: Die Leute werden auch im November Trubel auf der Straße machen. Das ist so ein Schachzug von der Stadt, bei dem man einfach nur noch den Kopf schütteln kann. Ich glaub es liegt daran, dass die Stadt Frankfurt hier einfach kein Geld machen konnte – anders als bei anderen Festen in Frankfurt. Deswegen wurde es wahrscheinlich plattgemacht. Aber was soll’s – müssen wir zur Bahnhofsviertelnacht eben Glühwein verkaufen.
 
8. April 2016, 12.10 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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