Newsletter
|
ePaper
|
Apps
|
Abo
|
Shop
|
Jobs
Foto: Raphael Krickow: Mit „The Disco Boys
Foto: Raphael Krickow: Mit „The Disco Boys" reist Krickow durch die Welt (2020) © privat

Dorian Gray

Feiern am Frankfurter Flughafen in der Dorian Lounge

Von 1978 bis 2000 war das Dorian Gray die Heimstätte vieler innovativer Künstler. Raphael Krickow ist einer von ihnen. Er macht die Opening-Party in der Dorian Lounge.
Es war jedes Mal ein Erlebnis. Eintauchen in den Tunnel, wir fuhren samstags ganz spät – eigentlich sonntags ganz früh – in das lange Flughafen-Parkhaus. Auch um der Frankfurter Sperrstunde zu entgehen, die am Flughafen nicht galt. Unter der Erde ganz durchfahren, bis in den C-Bereich, dann in die Parkbucht. Krass, dass heute dort alles noch genauso aussieht. Dann waren wir schon fast im Dorian Gray. Hier war der Schauplatz unserer Revolution. Ausgehen war nicht mehr nur geleckte Disco, Ausgehen war was Neues, was Eigenes.

Beats die ganze Nacht, man musste sich nicht schick machen. So wie wir in irgendeine Mini-Rave nach Fulda oder Fechenheim fuhren, um in einer Lagerhalle zu tanzen, so gingen wir auch in den Flughafen. Okay. Das Gray war natürlich auch ein Club für die Schicken, wir kamen mit unseren T-Shirts und Sneakers erst ab fünf Uhr rein, davor waren tatsächlich noch Ausgehende mit schmalem Schlips drin.

Raphael Krickow macht die Opening-Party in der Dorian Lounge

Einer der Gäste des Frankfurter Airport-Clubs Dorian Gray war damals Raphael Krickow. Wir kannten uns leider nicht, aber heute kennt den Darmstädter jeder aus der Welt der elektronischen Musik. Er ging irgendwann nach Hamburg, und mit Gordon Hollenga gründete er das Produzenten- und DJ-Duo The Disco Boys. Er hatte weltweiten Erfolg mit dem Konzept, melodische Disco-Klassiker mit aktuellen Techno- und Housebeats zu kombinieren. Vor mehr als zehn Jahren kehrte Krickow dann nach Darmstadt, tüftelt seitdem in Südhessen an den Sounds und geht von dort aus auf Reisen. Fast jedes Jahr veröffentlichen die Disco Boys ein neues Album, immer „Volume“ und eine Nummer genannt.

Eine Hommage an einen der populärsten Frankfurter Clubs der 1980er und 90er Jahre: das Dorian Gray

Das klingt wie eine Reminiszenz an die Anfangszeit der elektronischen Clubmusik. Schließlich waren Kraftwerk die Helden, die Synthesizer wurden erschwinglich und somit von jungen Leuten einsetzbar. Und weil Computer die Instrumente ersetzten, fühlten sich die Künstler, wenn sie auf der Bühne waren, wie Roboter.

„We are the Robots“, war ein Kraftwerk-Titel, und heute nennt Raphael Krickow sein anderes Projekt so. Also heißt es in der Dorian Lounge im Flughafen „Welcome to the Robots“. Willkommen zurück im Frankfurter Flughafen, könnte man sagen. Alles gleich, aber alles anders, könnte man auch sagen. Denn die neue Heimat des Dorian Gray ist zwar grob gesagt im selben Flughafen-Gebäude wie der legendäre Club, aber auf der anderen Seite und statt in Ebene 0, also im Keller, im neunten Obergeschoss. In den Räumen des Airport Clubs im FAC (Frankfurt Airport Center) wird von nun an unregelmäßig mit dem Dorian Gray-Feeling gefeiert werden.

Vielleicht sagen sogar einige, dass der neue Ort noch besser ist, denn dort gibt es Fenster und man schaut aufs Flugfeld, es gibt also noch mehr Airport Feeling. In jedem Fall wird es in der neuen Dorian Lounge viele Details geben, die an das prominente Vorbild erinnern: Neonlicht an Decke und Wänden, Laser, Spiegel, Polizei-Blaulichter und eine Säule wie im großen Club des Grays. Es gibt einen Raucherbereich und Wandcollagen, die von den damaligen Zeiten zeugen.



Dorian Lounge Bild: Der neue Blick aus der Dorian Lounge © privat

Club ist nicht nur Kommerz, sondern eine Bühne für Träume für Kreativität und für Innovation

Krickow: Die Location „wird ab sofort unregelmäßig für Club-Veranstaltungen vorwiegend für eine Zielgruppe mit Bezug zur Club-Musik früherer Jahrzehnte öffnen“. Das kann vieles bedeuten, ist aber auch wieder genau richtig. Denn wie schon zu Beginn beschrieben, war das Dorian Gray nicht nur Technoclub, sondern ein großartiges Nebeneinander. Mastermind Gerd Schüler schaffte es damals, den neuen, aber sehr unterschiedlichen Szenen jeweils ihren Raum zu geben. Wie ein cooler Dirigent wies er ihnen den jeweils passenden Raum zu.

Ob es wieder so wird wie damals, kann bezweifelt werden. Fliegen wieder Clubgänger aus London ein, nur um im Frankfurter Airport eine Nacht zu verbringen? Vielleicht, man sollte nichts ausschließen. In jedem Fall wird einer der besten Clubs der deutschen Geschichte gewürdigt, und vielleicht wird wieder manchen Entscheidern klar, dass Club nicht nur Kommerz ist, sondern dass Club die Bühne ist, für Träume, für Kreativität und für Innovation. Wir sind die Roboter, und die Roboter wollen endlich mal wieder tanzen.

Info
Opening-Party „Welcome to the Robots":
Frankfurt am Main, Flughafen Airport Center, Samstag, 20. April., 22 Uhr, Eintritt: 24,50 Euro

Hier die Internetseite der Dorian Lounge.
 
15. April 2024, 10.03 Uhr
Jens Prewo
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Downtown
Der Pride Month in Frankfurt geht in die zweite Runde. Dazu finden überall in der Stadt verschiedene Veranstaltungen statt – und ein besonderes Jubiläum gibt es auch.
Text: Till Geginat / Foto: Der Pride Month wird dieses Jahr nicht bloß in der Innenstadt gefeiert © Bernd Kammerer (Archivbild)
 
 
 
 
 
 
 
Ältere Beiträge
 
 
 
 
25. Mai 2024
Journal Tagestipps
Pop / Rock / Jazz
  • Hafen 2 Jubiläumsfestival
    Hafen 2 | 20.00 Uhr
  • Jamie Lawson
    Brotfabrik | 20.00 Uhr
  • Vega
    Batschkapp | 20.00 Uhr
Nightlife
  • 30 Plus Party
    Südbahnhof | 21.00 Uhr
  • Gibson loves Saturdays
    Gibson | 23.00 Uhr
  • Muddi tanzt ab
    Zoom | 20.00 Uhr
Klassik / Oper/ Ballett
  • Das Rheingold
    Hessisches Staatstheater Wiesbaden | 19.30 Uhr
  • Mein Lieblingsstück
    Alte Oper | 11.00 Uhr
  • Die Fledermaus
    Papageno-Musiktheater am Palmengarten | 19.30 Uhr
Theater / Literatur
  • Sophia, der Tod und ich
    Staatstheater Mainz | 19.30 Uhr
  • Life is but a dream
    Schauspiel Frankfurt | 20.00 Uhr
  • Alice hinter den Spiegeln
    Die Dramatische Bühne im Bethmannpark | 20.00 Uhr
Kunst
  • Volker Reiche
    Museum für Kommunikation | 10.00 Uhr
  • Frankfurter Kirchenschätze
    Dommuseum Frankfurt | 11.00 Uhr
  • Helmut Dorner
    Bärbel Grässlin | 10.00 Uhr
Kinder
  • Demokratie – Meine Stimme, unsere Rechte
    Historisches Museum | 14.00 Uhr
  • Hans im Glück
    Galli Theater Frankfurt | 16.00 Uhr
  • Die Schöne und das Biest
    Kleine Bühne Bessungen | 15.00 Uhr
Freie Stellen