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Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler

Yvonne Mwale im Liebieghaus

Shake your bumbum

Wundern Sie sich nicht, wenn am Donnerstagabend öfters mal ein fröhliches „Yebo!“ durch den Garten des Liebieghauses schallt. Denn damit drück die sambische Sängerin Yvonne Mwale, die dort mit ihrem Trio auftritt, ihre Lebensbejahung aus.
Auch im Garten des Liebieghauses ermöglicht die Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst seit 17. Juni eine Reihe unter dem allgegenwärtigen Motto „Ins Freie!“. Bis in den September hinein gibt es ein facettenreiches Programm, dessen Bandbreite von Singer/Songwriter-Musik über Soul und Electro Pop bis Indie Jazz Rock reicht. Yvonne Mwale bringt am Donnerstag, 19 Uhr, den Groove ihrer Heimat Sambia im Geiste des letzten Albums „Free Soul“ in das charmante Ambiente am Mainufer. Ihre in Jazz, Blues und Pop erfahrenen Musiker Tilmann Höhn (Gitarre, Electronics) und Andreas Neubauer (Schlagzeuger) unterstützen den eklektischen Ansatz ihres „African Soul“.

Aus der Ostprovinz Sambias über Lusaka und Frankfurt in den Hintertaunus – das sind vier Stationen im Zeitraffer von Yvonne Mwales Reise ins Glück. Als Mensch und als Musikerin. Nur: wie hat eine afrikanische Sängerin zu klingen, die sich fern der Heimat in Deutschland niedergelassen hat? Einer solchen Frage sollte man sich gar nicht erst stellen müssen. Wer Afropop erwartet, sollte sich vergegenwärtigen, dass der Begriff als Genrebeschreibung längst zu kurz greift. War da mit „Pata Pata“ von Megastar Miriam Makebas nicht schon alles gesagt? Und das war bekanntlich schon 1967. Mwale hat das Spektrum ihrer Inspirationen auf mittlerweile vier Alben um ein vielfaches erweitert. Weil sie die Angst verloren hat, jedwede Erwartungshaltungen erfüllen zu müssen. Das neue Album „Free Soul“ trägt nun Mwales Musik auf die nächsthöhere Ebene, führt die mit „Msimbi Wakuda“ begonnene Befreiung, musikalisch wie menschlich fort.

Der Titel „Free Soul“ suggeriert das. „Das ist ein ganz besonders persönlicher Song“, erklärt Mwale. Es galt, die Freiheit zu suchen, seinen Gefühlen in ganzer Konsequenz Ausdruck verleihen zu können und sich durch Musik auszudrücken und auszutauschen. „Kommunikation mit Menschen, von Seele zu Seele“, formuliert die Sängerin ihren Anspruch. Nicht mehr und nicht weniger. „Ich habe nichts zu verbergen“, nennt sie sich einen „free spirit“: offen, selbstbewusst und zuversichtlich. „Ich möchte, dass die Zuhörer hören und sehen, wer ich bin“, sagt sie, verbreitet „positive vibes“, erklärt das Tanzen zur Therapie, um sich dabei besser zu fühlen und erklärt die Liebe zum Motor des Lebens. „Und wenn du dich selber nicht liebst, kannst du andere Menschen nicht lieben“, heißt die simple Botschaft im Finale von „Free Soul“, „Inner Spirit“. Pure Lebenslust drückt „Shake Your Bumbum“ aus. Drei Mal dürfen Sie raten, was hier geschüttelt wird ... „Das ist Teil unserer afrikanischen Kultur“, lacht Mwale. Und dazu gehört es eben auch, ohne jede Anzüglichkeit, mit dem Popo zu wackeln.

Wenn hier (auch) von Tanzmusik die Rede ist, so bewegt die sich ganz selbstverständlich zwischen Tribal Music und Electronic Dance Musik (EDM) und schaut unterwegs beim Funk vorbei. „Learn About Life“ könnte auch ins Repertoire eines Kamasi Washington passen. Ein Klischee vermeidet die Komponistin dabei. Nach beliebigen US-R&B klingt hier nichts. Dafür sind es die Scat-Eskapaden der Sängerin, die immer Jazz assoziieren. Die Stimme ist Mwales Lieblingsinstrument. „Ich spiele gerne mit meiner Stimme“, bekennt sie. „Und ich liebe es zu improvisieren.“ Richard Bona hat sie da beeindruckt mit seiner Loop-Artistik und ermuntert, unterschiedliche Klangfarben für ihre Interpretationen zu entdecken. „Und ich liebe Beatboxing und kann auch rappen“, mag sie sich keine Beschränkungen mehr auferlegen in puncto Flexibilität ihrer Vocal-Performance. Plötzlich entdeckt man ganz unverhofft Passagen, in denen gibt Yvonne Mwale plötzlich die Klassikdiva und schraubt ihr Stimme in höchste Höhe hinauf. Das hat ihr viel Spaß bereitet, denn sie liebt auch Opern. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Journalist sie zur „Nina Hagen des Afropop“ erklärt.
 
4. August 2021, 10.47 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
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