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Foto: N. Miguletz/Frankfurter Kunstverein
Foto: N. Miguletz/Frankfurter Kunstverein

Melanie Bonajo im Frankfurter Kunstverein

Psychedelische Parallelwelten im Kunstverein

Der Frankfurter Kunstverein zeigt die spannende Künstlerin Melanie Bonajo mit der Ausstellung Single Mother Songs from the End of Nature. Ein bunter, psychedelischer Trip durch das Steinerne Haus.
Ein rosafarbene Grotte, von dessen Decke organisch geformte Streifen hängen, eine Liegelandschaft, mit Plüsch verkleidet: Ein fleischgewordener Traum von Geborgenheit lädt die Besucher des Frankfurter Kunstvereins zum Verweilen ein und erinnert stark an ein weibliches Genital. In der Videoinstallation Night Soil #2 / Economy of Love geht es um, wie der Titel bereits suggeriert, um die Ökonomie der Liebe. Der Raum dient dabei als eine Verlängerung des Videos. Die Künstlerin Melanie Bonajo hat sich über Monate mit der Arbeit tantrischer Sexarbeiterinnen, ihrer Weiblichkeit, Sexualität und ihrer Selbstbestimmtheit auseinandergesetzt und viele Gespräche mit ihnen geführt. Diese sind in dem Video zu hören, das teils dokumentarisch anmutet, teils mit traumhaft entrückten, inszenierten Szenen gespickt ist. Die Protagonisten sind Frauen, wie häufig in Bonajos Arbeiten.

Subkulturelle Gemeinschaften am Rande der Gesellschaft
Die Ausstellung Single Mother Songs from the End of Nature zeigt Arbeiten einer Künstlerin, die eine explizit kapitalismuskritische Haltung und ein ambivalentes Verhältnis gegenüber der modernen Fortschrittseuphorie hat. Drängende Fragen unserer Zeit, einer Zeit in der der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Erde und ihre Ressourcen geworden ist, stellt sie in Videos, Performances, Fotografien und Installationen in sinnlich erfahrbaren Szenarien um. Dabei spielen Farben eine zentrale Rolle. So leuchtet der gesamte Kunstverein psychedelisch in den unterschiedlichsten Farben.

Auch das Thema Drogen spielt eine Rolle. Bonajo glaubt an Drogen als Medizin. Sie hat in ihrer Arbeit Fake Paradise, die auch Teil der Trilogie Night Soil ist, ihre eigenen gelebten Erfahrungen mit der psychedelisch wirkenden Pflanze Ayahuasca aus dem Amazonas verarbeitet. Auch hier, hat sie andere Menschen befragt, wie ihre Erfahrungen mit der Droge waren, wie sie ihr Leben verändert und wie sie diese Erlebnisse in den Alltag integrieren. Bonajo dokumentiert subkulturelle Gemeinschaften und gesellschaftliche Gegenentwürfe. Ihre Protagonisten sind auf der Suche nach neuen Ritualen, die ein anderes Verhältnis zu Natur und Gemeinschaft ermöglichen.

Technischer Fortschritt vs körperlicher Rückschritt
In ihrer Filmarbeit Progress vs Regress untersucht Bonajo die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Beziehungen. Dazu befragt sie diejenigen, die wohl die Zeugen der extremsten, industriellen und technologischen Umwälzungen geworden sind: alte Menschen. Gleichzeitig sind sie auch diejenigen, die am wenigsten von der neuen Technologie Gebrauch machen. Dies stellt sie in Kontrast zu den Erfahrungen junger Menschen. Ergänzt werden diese dokumentarischen Aufnahmen wieder durch fiktive Szenen, die dadurch, dass sie so überspitzt surreal sind, nicht frei von Ironie sind.

Als Besucher sollte man etwas Zeit in die Ausstellung bringen, da kein Video kürzer als eine halbe Stunde ist. Bonajo ist eine spannende Künstlerin, die scharfe Beobachtungen macht und diese immer wieder um eine fantastische, in ihre eigene Bildsprache entrückte Ebene erweitert.

>> "Melanie Bonajo: Single Mother Songs from the End of Nature", 1. Juni - 27. August 2017, Eröffnung Mittwoch, 31. Mai 2017, 19 Uhr, Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44. Mehr Informationen unter www.fkv.de.
 
31. Mai 2017, 08.05 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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