eMags
|
ePaper
|
Apps Shop
|
Abo
Foto: nb
Foto: nb

La Cage aux Folles

Bäppi macht das Musical zum hessischen Hit

Bereits im Volkstheater war Thomas Bäppler-Wolfs hessische Version des Broadwayklassikers „La Cage aux Folles“ ein Riesenerfolg. Jetzt begeistert er erneut im kleinsten Musicaltheater der Welt.
Etwas abgespeckt ist die Bühnenvariante des Theatrallalla, vier Cagelles müssen reichen. Doch Thomas Bäppler-Wolf und Gaines Hall setzen bei der Inszenierung des Musicalklassikers „La Cage aux Folles“ eben auf Klasse statt Masse. Die vier TänzerInnen sorgen jedenfalls für mächtig Stimmung, tanzen, steppen, singen und sind immer für einen frech-frivolen Gag gut. Spritzige Dialoge zeichnen das Stück ohnehin aus, noch mehr, wenn Hessisch gebabbelt wird.

Es macht Spaß zu zusehen, wie Varietéchef Schorsch (charmant dargestellt von Viktor Vössing) seinen Lebensgefährten Albert (ein Träumchen: Thomas Bäppler-Wolf), der als Travestiediva Zaza im „La Cage aux Folles“ auftritt, umschmeichelt. Albert ist ja so sensibel und weiß seine Gefühle theatralisch in Szene zu setzen. Wie wird man ihm wohl begreiflich machen, dass er an genau einem Abend nicht erwünscht ist? Denn Jan-Michael (Robert Schmelcher, dem man die Musicalerfahrung anmerkt) ist Schorsch Sohn aus dessen düsterer Vergangenheit und gedenkt, seine Flamme Biggi (brillant in einer Doppelrolle: Eva Völl) zu ehelichen. Doch vorher wollen ihre Eltern, Lisbet (herrlich „beschwippst“: Ute Ehrenfels) und der erzkonservative Politiker Heinz Bembel (Thomas Koob, der irgendwie an einen Limburger Bischof erinnert) Jan-Michaels Familie kennenlernen. Natürlich soll keiner wissen, dass Schorsch schwul ist und einen Nachtclub besitzt, weshalb die Wohnung hastig vom pinken Kitschboudoir in eine jungfräulich-weiße Kapelle umdekoriert wird. Spätestens hier muss man die Umsetzung im Theatrallalla loben, dessen Bühne zwar leicht vergrößert wurde, dennoch erweist sich der ständige Szeneriewechsel als Herausforderung. Diese wird jedoch elegant gemeistert. Schon allein, weil auch der Gang zwischen den Zuschauerreihen bespielt wird und sich das Theatrallallapublikum wie Gäste im Travestieclubs „La Cage aux Folles“ fühlen kann und anders als sonst im Theater sehr nah dran am Geschehen ist.

All das ist für sich genommen schon sehr lustig und unterhaltsam, der Butler und Möchtegernzofe Jacob (Pierre Humphrey) setzt dem Ganzen jedoch noch das Sahnehäubchen auf. Tuckiger kann sich Personal nicht benehmen. Wie Humphrey diese schräge Rolle umsetzt, freche Sprüche wie ein Feuerwerk herausschießt, mal hysterisch wird, mal wahnsinnig divenhaft wirkt, ist eine Freude mitanzusehen. Highlight ist seine sensationelle Verkörperung von Marilyn Monroe. Aber auch Thomas Bäppler-Wolf ist in einer Vielzahl von prallgefüllten, ausgefallenen Kostümen eine Augenweide. Gelernt, ist eben gelernt. Schön, wie seine Verkörperung der Zaza gelegentlich an den Filmstar Norma Desmond aus Sunset Boulevard erinnert. „Unser Kind will heiraten. Was haben wir nur falsch gemacht?“: Wenn Albert weint, muss das Publikum lachen. Ebenso bei der Conference von Zaza, bei der Bäppi so einige zündende Witze heraushauen kann und sich bei der Vorpremiere im Vergleich zu seinen Auftritten im Volkstheater zurückgenommen hat, sein Solo kurz und knackig hält.

Dass die Musik, die eigens arrangiert und eingespielt wurde, vom Band kommt, stört nicht weiter. Wo hätte das Orchester denn auch Platz gehabt? Dem Publikum verborgen bleibt, wie sehr die Darsteller ihre Wege auf der Bühne durchchoreographiert haben, damit insgesamt zehn Schauspieler sich nicht in die Quere kommen. Dieses Problemchen wurde wundervoll gelöst. Wer diese geballte Ladung Unterhaltung auf der wohl kleinsten Musicalbühne der Welt erleben möchte, sollte sich jedoch ranhalten. 50 Vorstellungen gibt es und wie man hört, reisen extra auch Musicalfans von außerhalb Frankfurts an. Das Stück läuft vom 17. September bis 23. November im Theatrallalla in der Friedberger Landstraße 296.
 
17. September 2014, 08.49 Uhr
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
Open Ohr-Festival als Livestream
Nah bei der Familie
So wie auf dem Bild werden wir dieses Pfingsten das Open Ohr nicht erleben können. Die Freie Projektgruppe hat keine Mühen gescheut, das Festival 2021 nicht ausfallen zu lassen und es zumindest als Livestreams anzubieten.
Text: Detlef Kinsler / Foto: Detlef Kinsler
 
 
 
 
 
 
 
Ältere Beiträge
 
 
 
 
18. Mai 2021
Journal Kultur-Tipps
Kunst
  • Jüdisches Museum online
    Jüdisches Museum | 00.00 Uhr
  • Museum Sinclair-Haus online
    Museum Sinclair-Haus | 00.00 Uhr
  • Museum für Kommunikation online
    Museum für Kommunikation | 00.00 Uhr
und sonst
  • Zoo Frankfurt
    Zoo Frankfurt | 09.00 Uhr
  • Shared Reading Kurs
    Gesundheitsamt Stadt Frankfurt am Main | 19.30 Uhr
  • Online-Café-Karussell – Ich stelle euch meinen Vater vor
    AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. Beratungs- und Fachstelle | 14.30 Uhr